Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: Munitions-Zweifel wachsen

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 18:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Trotz Auftragsflut verliert die Rheinmetall-Aktie weiter an Wert. Die Bank of America kappt ihre Umsatz- und Margenschätzung für die Munitionssparte deutlich.

Rheinmetall Aktie: BofA senkt Prognose für Munitionssparte drastisch
Dunkle, schwere Wolken über einer weiten, kargen Landschaft, die wachsende Unsicherheit und Zweifel in der Rüstungsindustrie symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Auftragsflut hier, Kursverluste dort — bei Rheinmetall passt seit Wochen nichts mehr zusammen. Während der Düsseldorfer Rüstungskonzern einen Großauftrag nach dem anderen vermeldet, kennt die Aktie nur eine Richtung: abwärts. Am Mittwoch lieferte die Bank of America den nächsten Dämpfer.

BofA rechnet die Munitionssparte kleiner

Rheinmetall hatte auf seinem Kapitalmarkttag ambitionierte Ziele für die Sparte Waffen und Munition skizziert: Erlöse von 14 bis 16 Milliarden Euro bis 2030, dazu eine Marge von rund 30 Prozent. BofA-Analyst Benjamin Heelan hält das inzwischen für kaum erreichbar und kappt seine eigene Schätzung auf etwa 10 Milliarden Euro Umsatz bei einer Marge von rund 24 Prozent. Das entspräche einem operativen Gewinn von etwa 2,4 Milliarden Euro — deutlich weniger als die vom Konzern angepeilten 4 bis knapp 5 Milliarden Euro.

Der Grund: Moderne Kriegsführung verschiebt sich nach Einschätzung von Heelan zunehmend weg von klassischer Artillerie hin zu Drohnen und Präzisionsschlägen. Genau dorthin dürften künftig auch die Investitionen der Nato-Staaten fließen, nicht in die von Rheinmetall favorisierten Segmente. Die Kaufempfehlung behält BofA zwar bei, senkt das Kursziel aber von 1.770 auf 1.300 Euro.

Ganz neu ist die Skepsis nicht. JPMorgan-Analyst David H Perry hatte bereits Anfang Juli auf die schnelle Veränderung der Verteidigungstechnologie hingewiesen und vor steigender Unsicherheit gewarnt — insbesondere wegen des großen Gewichts der Sparten Munition und Militärfahrzeuge im Konzernportfolio. Noch härter reagierte MWB Research: Analyst Jens-Peter Rieck strich vor einer Woche seine Kaufempfehlung komplett, nachdem die Bundeswehr Ende Juni das Fregattenprojekt F126 beendet hatte. Das Marinegeschäft galt als "Kronjuwel" der NVL-Übernahme — nun ist einer der wichtigsten Wachstumstreiber im Bereich Marine erst einmal weg.

Neues Geschäft, altes Muster

Nicht alles läuft schlecht: Rheinmetall hat gemeinsam mit der britischen Armee ein zweiwöchiges Trainingsprogramm für autonome Logistik abgeschlossen. Mit dem PATH-System auf dem Testfahrzeug "White Pony" steuerten britische Soldaten erstmals einen autonomen Konvoi im Rahmen des Projekts "Convergence Capstone 6" — ein Baustein für die Erprobung autonomer Systeme, die künftig auch bei der Nato eine größere Rolle spielen sollen. Nur fehlt Rheinmetall in Bereichen wie Drohnen, Marineschiffen oder Satelliten bislang die Erfahrung etablierter Anbieter, wie auch JPMorgan anmerkt.

An der Börse zeigte das am Mittwoch wenig Wirkung. Die Aktie verlor rund 2 Prozent auf 961 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im DAX, der seinerseits um 0,8 Prozent nachgab. Im laufenden Jahr summieren sich die Verluste inzwischen auf gut 38 Prozent. Das Rekordhoch von 2.008 Euro aus dem Oktober 2025 ist in weite Ferne gerückt, obwohl mit dem Nahost-Konflikt neben dem Ukraine-Krieg ein weiterer Nachfragetreiber für die Branche hinzugekommen ist.

Selbst nach dem massiven Kursrutsch würde das neue BofA-Kursziel von 1.300 Euro noch gut ein Drittel Aufwärtspotenzial bedeuten. Ob der Markt dieser Einschätzung folgt, hängt maßgeblich davon ab, wie überzeugend Rheinmetall seine Diversifizierung jenseits der klassischen Munitionssparte in den kommenden Quartalen belegen kann.

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