Rheinmetall Aktie: Jefferies setzt auf Leonardo
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 23:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Rheinmetall-Aktie rutscht unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro. Der Auslöser kommt nicht aus dem operativen Geschäft, sondern von einem Analystenhaus. Jefferies entzieht dem Rüstungskonzern seinen Status als Top-Favorit im Sektor.
Der Kurs notiert aktuell bei 993,60 Euro. Das entspricht einem Minus von 1,66 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 1.010,40 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Verlust von 16,91 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es sogar 37,96 Prozent.
Jefferies wechselt die Pferde
Jefferies bestätigt zwar die Einstufung „Buy" für Rheinmetall, mit einem Kursziel von 1.300 Euro. Den Titel als Sektor-Favorit ersetzt Analystin Chloe Lemarie jedoch durch den italienischen Konzern Leonardo.
Der Grund liegt in einer neuen Bewertungslogik. Jefferies verschiebt den Fokus auf Verteidigungselektronik und Luftverteidigung. Rheinmetall ist dagegen stark bei Landsystemen und Munition positioniert – ein Bereich, dem die Analysten bis 2028 weniger Aufwärtspotenzial zutrauen.
Die Zahlen untermauern den Schritt. Leonardo wird aktuell mit einem EV/EBIT-Multiplikator von rund 14 gehandelt. Rheinmetall kommt dagegen auf ein KGV von etwa 101 – ein deutlicher Bewertungsunterschied.
KNDS sorgt für Nervosität im ganzen Sektor
Die Verunsicherung trifft nicht nur Rheinmetall. Der Panzerbauer KNDS hat seinen geplanten Börsengang verschoben. Als Grund nennt das Unternehmen die Volatilität im europäischen Verteidigungssektor.
Institutionelle Investoren wollten eine Bewertung von über 12 Milliarden Euro nicht mittragen. Die Folge: Am Markt wird offen diskutiert, ob die „Rüstungsblase" ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Rheinmetall kommt trotz der Kursverluste noch auf eine Marktkapitalisierung von 51,81 Milliarden Euro.
Operatives Geschäft läuft weiter
Während die Aktie schwächelt, bleibt das operative Geschäft aktiv. Deutschland hat den Kauf von US-Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk finalisiert, mit einer Reichweite von über 2.500 Kilometern. Bundeskanzler Friedrich Merz bestätigte die Vereinbarung mit Washington.
Die Einigung fiel am Rande des NATO-Gipfels in Ankara. Die Allianz kündigte dort neue Beschaffungen von über 50 Milliarden US-Dollar an. Allein 40 Milliarden US-Dollar entfallen auf die Drohnenabwehr über die nächsten fünf Jahre.
Charttechnik zeigt Abwärtstrend
Die technischen Indikatoren spiegeln die Schwäche der letzten Wochen wider. Der RSI liegt bei 37,2 und nähert sich damit einem überverkauften Bereich. Der Kurs liegt aber weiterhin 14,99 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 34,55 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von 50,20 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro beträgt dagegen nur noch gut 10 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 68,82 Prozent zeigt: Der Titel bleibt äußerst schwankungsanfällig.
Kurzfristig entscheidet sich an der Marke von 902,50 Euro, ob der Abwärtstrend der letzten Wochen weitergeht. Hält diese Unterstützung nicht, öffnet sich charttechnisch weiterer Raum nach unten. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen müssen, ob das operative Wachstum die hohe Bewertung noch rechtfertigt.
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