Resilienz: Von der Nische zur Schlüsselkompetenz
15.02.2026 - 02:39:11 | boerse-global.deDeutschlands Hochschulen und staatliche Initiativen fördern Resilienztraining massiv. Der Hintergrund ist alarmierend: 56,7 Prozent der Studierenden in Deutschland und Österreich berichten von schlechter psychischer Gesundheit – der höchste Wert seit 2021. Die Botschaft ist klar: Mentale Widerstandsfähigkeit wird zur Überlebensfähigkeit.
Die Krise in Zahlen
Die Lage an deutschen Hochschulen ist angespannt. Bereits 2023 zeigte ein Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse, dass 68 Prozent der Studierenden von Stress-Erschöpfung berichten. Im Vergleich zu 2015 (damals 44 Prozent) ein dramatischer Anstieg. Älteren Daten zufolge leiden etwa 25 Prozent der Studierenden an depressiven Symptomen, rund ein Drittel an Angststörungen.
Die aktuelle Mental-Health-Barometer-Studie 2025 bestätigt den negativen Trend – und markiert einen neuen Tiefpunkt.
Was Resilienztraining konkret leistet
Resilienztraining ist mehr als Zeitmanagement-Tricks. Es geht um innere Widerstandskraft gegen Stress und Krisen. Praktische Programme vermitteln die sieben Säulen der Resilienz:
- Optimismus
- Akzeptanz
- Lösungsorientierung
- Abschied von der Opferrolle
- Verantwortungsübernahme
- Netzwerkorientierung
- Zukunftsgestaltung
Ein dreitägiges Seminar an der Universität St. Gallen diese Woche zeigt, wie es funktioniert: Teilnehmende lernen, ihre eigenen Potenziale zu entfalten, Selbstheilungskräfte zu aktivieren und mit innerer Stärke zu handeln. Konkret bedeutet das: flexibler mit Druck umgehen, auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig bleiben.
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Der Staat reagiert – endlich
Auf institutioneller Ebene passiert Bewegung. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert einen neuen Forschungsverbund unter Leitung der Universitätsmedizin Halle mit 730.000 Euro. Ziel: Risiken für die psychische Gesundheit von Studierenden systematisch untersuchen und bestehende Hilfsprogramme anpassen, um Ausbildungsabbrüche zu senken.
Noch breiter angelegt ist die neue Förderrichtlinie des BMFTR von Ende 2025: Sie adressiert die Resilienz der gesamten Bevölkerung in Krisen- und Katastrophenlagen.
Ein Paradigmenwechsel: Von Reaktion zu Prävention
Der Trend ist eindeutig: Statt erst auf psychische Krisen zu reagieren, wird Vorbeugung zum Standard. Unternehmen haben längst erkannt, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist. Psychische Erkrankungen verursachten 2022 die dritthäufigsten Arbeitsunfähigkeitstage – mit erheblichen Produktionsausfallkosten.
Resilienz ist daher nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökonomische Notwendigkeit. Sie gehört zu den wichtigsten HR-Trends für 2026.
Was die Zukunft bringt
Weitere Professionalisierung und Standardisierung von Resilienzprogrammen sind zu erwarten. Die Forschungsergebnisse sollen eine verlässliche Datengrundlage für wirksame, bedarfsgerechte Maßnahmen schaffen.
Parallel wächst der Trend zu personalisierten, digital gestützten Gesundheitslösungen: Health-Apps, Wearable Technology und KI-gestützte Analysen könnten künftig bei der Früherkennung von Burnout und personalisiertem Resilienz-Coaching eine Rolle spielen. Die europäische Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze 2026–2028″ wird das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zusätzlich verstärken.
Das langfristige Ziel aller Bemühungen ist klar: Menschen besser auf eine komplexe Welt vorbereiten und die Gesellschaft insgesamt krisenfester machen.
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