Redcare, Pharmacy

Redcare Pharmacy Aktie: Deutsche Bank sieht 99 Euro

28.05.2026 - 09:09:49 | boerse-global.de

Die Apothekenreform passiert den Bundestag, der Bundesrat stimmt ab. Redcare Pharmacy könnte profitieren, doch neue Versandregeln belasten.

Redcare Pharmacy Aktie: Deutsche Bank sieht 99 Euro - Foto: über boerse-global.de
Redcare Pharmacy Aktie: Deutsche Bank sieht 99 Euro - Foto: über boerse-global.de

Redcare Pharmacy bekommt politischen Rückenwind, aber keinen Freifahrtschein. Der Bundestag hat die große Apothekenreform beschlossen. Jetzt entscheidet der Bundesrat, ob daraus ein echter Marktimpuls für Online-Apotheken wird.

Für Redcare geht es um mehr als Regulierung. Die Reform trifft einen Markt, in dem Vor-Ort-Apotheken schrumpfen und digitale Anbieter weiter wachsen wollen. Das macht die Lage spannend.

Reform mit zwei Seiten

Am 22. Mai 2026 verabschiedete der Bundestag das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD. Inkrafttreten soll das Paket im Sommer 2026.

Das Ziel ist klar: Die flächendeckende Versorgung durch Apotheken soll stabiler werden. Vor allem ländliche Regionen stehen dabei im Mittelpunkt. Apotheken sollen wirtschaftlich gestärkt werden und weniger Bürokratie tragen.

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Neu ist auch der medizinische Spielraum. Apotheken dürfen künftig zusätzliche Leistungen anbieten, darunter bestimmte Impfungen und Blutentnahmen. Einige verschreibungspflichtige Medikamente könnten Selbstzahler direkt erhalten, ohne vorheriges Rezept vom Arzt.

Für Antibiotika und Opioide soll diese Regel nicht gelten. Damit bleibt der besonders sensible Teil der Arzneimittelversorgung enger kontrolliert.

Der Markt schrumpft weiter

Die Reform kommt nicht zufällig. Der deutsche Apothekenmarkt steht seit Jahren unter Druck. Ende 2025 gab es bundesweit nur noch 16.601 Apotheken.

Binnen eines Jahres verschwanden damit 440 Standorte. Gegenüber 2013 ist das Netz um rund 20 Prozent kleiner geworden.

Im März 2026 wurden nur noch 16.541 Betriebsstätten gezählt. Jede Schließung kann Rezeptvolumen in digitale Kanäle verschieben, wo Redcare bereits 67 Prozent des deutschen Online-Rezeptmarkts hält.

Das ist der positive Teil der Geschichte. Wenn der Zugang zu rezeptpflichtigen Arzneien einfacher wird, kann das auch das E-Rezept-Geschäft von Redcare stützen.

Allerdings liegt parallel eine Verordnung auf dem Tisch, die den Versandhandel belasten könnte. Frühere Entwürfe sahen strengere Vorgaben für Verträge, Dokumentation und Temperaturkontrollen beim Transport vieler Arzneien vor.

Damit entsteht ein Zielkonflikt. Die Reform könnte Redcare zusätzliche Nachfrage bringen, während neue Versandregeln die Kosten erhöhen.

Aktie bleibt angeschlagen

Die Börse hat diese Ambivalenz längst eingepreist. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 44,42 Euro und liegt seit Jahresanfang 33,90 Prozent im Minus. Zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt ein Abstand von 27,50 Prozent.

Trotz der schwachen Kursentwicklung bleiben viele Analysten konstruktiv. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 90 Euro. Die Deutsche Bank zeigt sich mit 99 Euro besonders optimistisch.

Die Reform gilt dabei als möglicher Auslöser für eine Neubewertung. Dafür muss sie aber mehr liefern als politische Symbolik. Entscheidend sind die konkreten Regeln für den Versandhandel und die Vergütung.

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Operativ wächst Redcare weiter. Im ersten Quartal stieg der Umsatz auf 849,5 Millionen Euro nach 717,3 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Nettoverlust sank leicht auf 10,5 Millionen Euro nach 10,8 Millionen Euro. Die Umsatzprognose für das laufende Jahr bleibt bei 13 bis 15 Prozent Wachstum.

Redcare investiert dafür kräftig. Das neue Logistikzentrum im tschechischen Pilsen soll die jährliche Kapazität um 15 Millionen Pakete erhöhen.

Der Preis dafür zeigt sich bei der Marge. Das Management senkte das mittelfristige Ziel von mehr als 8 Prozent auf über 5 Prozent.

Für 2026 peilt Redcare eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 2,5 Prozent an. Wachstum hat damit klar Vorrang vor schneller Profitabilität.

Der nächste konkrete Termin ist der Halbjahresbericht am 29. Juli 2026. Bis dahin bleibt der Bundesrat der politische Taktgeber: Er entscheidet, ob die Reform Redcare eher Nachfrage verschafft oder neue Kosten in den Vordergrund rückt.

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