Raspberry, HAT+

Raspberry Pi AI HAT+ 2 bringt generative KI auf den Einplatinencomputer

15.01.2026 - 13:30:12

Der Raspberry Pi erhält mit dem AI HAT+ 2 einen leistungsstarken KI-Beschleuniger für lokale Sprach- und Bildmodelle. Das heute vorgestellte Modul soll generative KI ohne Cloud-Anbindung ermöglichen.

Cambridge – Die Ära der generativen Künstlichen Intelligenz hält Einzug in die Welt der Einplatinencomputer. Der Raspberry Pi AI HAT+ 2, der am Donnerstag vorgestellt wurde, markiert einen strategischen Schwenk. Während frühere Versionen vor allem für klassische Computer-Vision-Aufgaben wie Objekterkennung ausgelegt waren, zielt das neue Modul explizit auf generative KI-Workloads ab. Kernstück ist der Hailo-10H-Beschleuniger, der bis zu 40 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) leistet.

Der entscheidende Fortschritt gegenüber dem Vorgängermodell von Ende 2024 liegt in der Architektur. Der AI HAT+ 2 verfügt über 8 GB eigenen LPDDR4X-Arbeitsspeicher, der direkt auf dem Modul verbaut ist. Diese Trennung vom Hauptspeicher des Raspberry Pi 5 ist ein Game-Changer für Edge-AI.

„Dadurch werden Engpässe überwunden, die bisher komplexe Modelle auf solch kompakter Hardware unpraktisch machten”, erklärt ein Branchenbeobachter. Der Beschleuniger kann nun große Teile eines KI-Modells direkt speichern und verarbeiten. Das reduziert die Latenz erheblich und entlastet die Ressourcen des Hauptsystems. So werden anspruchsvolle Modelle wie Llama-3.2-3B-Instruct oder Qwen2.5-VL-3B-Instruct auf dem Raspberry Pi 5 erstmals realistisch einsetzbar.

Anzeige

Passend zum Thema Edge-KI: Seit dem 1. August 2024 gelten in der EU neue Regeln für KI‑Systeme – ein Punkt, der auch Hersteller und Entwickler von lokal laufenden Modellen betrifft. Wer generative Modelle auf Geräten wie dem Raspberry Pi einsetzt, sollte Kennzeichnung, Risikoklassifizierung und Dokumentationspflichten kennen. Das kostenlose E‑Book zur EU‑KI‑Verordnung erklärt praxisnah, welche Pflichten für Ihr Projekt gelten und liefert Checklisten für die Umsetzung. Kostenlosen KI-Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Spezifikationen: Leistung für 130 Euro

Das Modul ist für Effizienz und hohen Datendurchsatz konstruiert. Die angegebene Leistung von 40 TOPS erreicht der Hailo-10H-Chip durch INT4-Präzision, eine Quantisierungstechnik, die die Modellgenauigkeit bei maximaler Geschwindigkeit und Energieeffizienz bewahrt.

Die technischen Daten im Überblick:
* Beschleuniger: Hailo-10H Neural Processing Unit (NPU)
* Leistung: 40 TOPS (INT4-Präzision)
* Speicher: 8 GB dedizierter LPDDR4X-RAM
* Schnittstelle: PCIe Gen 3.0 (Anschluss über PCIe-Port des Raspberry Pi 5)
* Preis: 130 Euro

Trotz des Fokus auf generative KI behält das Modul robuste Fähigkeiten für traditionelle Bildverarbeitung. Die Performance für Vision-Modelle entspricht in etwa der des 26-TOPS-Vorgängers Hailo-8. Die Integration in das Raspberry-Pi-Ökosystem bleibt nahtlos, einschließlich der Unterstützung für die Kamera-Softwarebibliotheken libcamera und rpicam-apps.

Privatsphäre und Offline-Fähigkeit als Treiber

Ein Hauptargument für den AI HAT+ 2 ist der wachsende Wunsch nach Datenschutz und Offline-Funktionalität. Indem Daten lokal auf dem Gerät verarbeitet werden – am sogenannten „Edge” –, müssen sensitive Video- oder Textdaten nicht an Cloud-Server Dritter gesendet werden.

Das ist besonders für Bereiche wie Smart Home, Sicherheitstechnik und industrielle Überwachung relevant. Ein Heimautomatisierungssystem könnte so Sprachbefehle verarbeiten oder Überwachungsaufnahmen mit einem lokal laufenden Vision-Sprach-Modell analysieren – ganz ohne Internetverbindung. Persönliche Daten verlassen niemals die eigenen vier Wände.

Zudem entfallen Cloud-Abonnementgebühren und die Latenz durch Netzwerkübertragung. Für gewerbliche Integratoren wird die Lösung so attraktiv, um etwa „Chat-over-Document”-Anwendungen oder intelligente Sprachassistenten an abgelegenen Standorten einzusetzen.

Marktkontext: Demokratisierung der KI-Hardware

Mit einem Preis von 130 Euro positioniert sich der AI HAT+ 2 als Premium-Zubehör im Raspberry-Pi-Ökosystem, bleibt aber deutlich erschwinglicher als industrielle Edge-AI-Lösungen der Wettbewerber. Das Modul ist ab sofort über autorisierte Händler erhältlich.

Analysten sehen in dem Launch eine direkte Antwort auf den „AI-PC”-Trend. Während große Halbleiterhersteller NPUs in teure Laptops und Desktop-PCs integrieren, bringt Raspberry Pi ähnliche Fähigkeiten zur Maker- und Embedded-Community – zu einem Bruchteil der Kosten. Die Veröffentlichung unterstreicht auch die wachsende Partnerschaft mit dem KI-Chip-Spezialisten Hailo.

Ausblick: Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Einführung des AI HAT+ 2 signalisiert einen breiteren Wandel in der eingebetteten Datenverarbeitung. Die Grenze zwischen Cloud- und Edge-Fähigkeiten verschwimmt zusehends, während generative KI-Modelle kleiner und effizienter werden.

Künftig wird die Entwickler-Community voraussichtlich die Hailo-„Model Zoo” mit optimierten Versionen populärer Open-Source-Modelle füllen. Die Verfügbarkeit von 8 GB dediziertem RAM auf einem Add-on-Board könnte ganz neue Anwendungskategorien inspirieren: Echtzeit-Übersetzungsgeräte, ausgefeilte Hilfsmittel für Sehbehinderte oder autonome Robotersysteme mit komplexen Denkfähigkeiten.

Der Fokus wird sich nun auf die Software-Optimierung verlagern. Raspberry Pi und Hailo haben weitere Unterstützung für Frameworks angekündigt, die die Kompilierung und Bereitstellung eigener Modelle vereinfachen. Die Einstiegshürde für maßgeschneiderte generative KI-Anwendungen soll für Studierende, Hobbyisten und Ingenieure gleichermaßen niedrig bleiben.

Anzeige

PS: Entwickeln Sie lokale Sprach‑ oder Bildmodelle für Smart‑Home‑ oder Überwachungsanwendungen? Unser kompakter Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Edge‑KI‑System richtig klassifizieren, kennzeichnen und dokumentieren – inklusive praxisnaher Vorlagen für Entwickler und Integratoren. Ideal für Teams, die KI lokal betreiben wollen. Jetzt Umsetzungsleitfaden zur KI‑Verordnung anfordern

@ boerse-global.de