Ransomware-Kartelle, Opfer

Ransomware-Kartelle erpressen Opfer jetzt mit Regulierungsbehörden

11.01.2026 - 16:42:12

Cyberkriminelle zielen nicht mehr nur auf Daten, sondern nutzen gezielt Compliance-Lücken für ihre Erpressung. Die neue Taktik stellt Unternehmen vor ein unlösbares Dilemma.

Die Ransomware-Landschaft hat sich zu Beginn des Jahres 2026 fundamental gewandelt. Mehrere aktuelle Branchenanalysen belegen einen beunruhigenden Strategiewechsel: Erpresserbanden drohen ihren Opfern nicht mehr nur mit der Verschlüsselung von Daten, sondern zunehmend damit, Verstöße gegen Vorschriften wie die EU-DSGVO oder SEC-Regeln an die Aufsichtsbehörden zu melden. Diese „Compliance-Erpressung“ setzt Unternehmen einem doppelten Druck aus – sie müssen zwischen Lösegeldzahlung und potenziell ruinösen Strafen sowie Reputationsverlust wählen.

Laut einem aktuellen „Week in Review“-Bericht von Help Net Security instrumentalisieren Angreifer gezielt das Compliance-Risiko ihrer Opfer. „Sie nutzen die Lücke zwischen technischer Sicherheit und regulatorischer Governance aus“, erklärt Chirag Shah, Global Information Security Officer bei Model N. Die Kriminellen durchforsten während ihres Zugriffs systematisch die Systeme nach Compliance-Schwächen. Finden sie etwa unverschlüsselte personenbezogene Daten oder Nachweise für Fahrlässigkeit, wird dies zur Erpressungsgrundlage.

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Ein weiterer Bericht von The Bonadio Group vom 8. Januar bestätigt diesen Trend. Die Erpressung gehe heute weit über Datendiebstahl hinaus. Ransomware-Kampagnen enthielten regelmäßig explizite Drohungen, Organisationen bei Aufsichtsbehörden anzuzeigen und sensible Daten zu veröffentlichen, die sofortige Untersuchungen auslösen würden. Für betroffene Unternehmen entsteht eine Zwickmühle.

KI beschleunigt die Angriffe

Die Raffinesse dieser Angriffe wird durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz vorangetrieben. Eine Analyse von Alston & Bird zeigt, dass KI-gestützte Tools die Bedrohungslage neu definieren. Sogenannte „agentische KI-Systeme“ und polymorphe Malware senken nicht nur die Einstiegshürden für Angreifer. Sie ermöglichen es auch, gestohlene Daten in Rekordgeschwindigkeit auf „materielle“ Compliance-Verstöße zu screenen.

Diese KI-Tools können innerhalb weniger Stunden nach einem Datendiebstahl Dokumente nach spezifischen regulatorischen Auslösern durchsuchen. Auf dieser Basis erstellen die Erpresserbanden detaillierte Beschwerden für Behörden wie die US-Börsenaufsicht SEC oder europäische Datenschutzbehörden. Sie drohen damit, diese einzureichen, falls ihre Forderungen nicht innerhalb eng gesetzter Fristen erfüllt werden.

Besonders gefährdete Branchen

Während diese Taktik alle regulierten Branchen bedroht, tragen einige Sektoren derzeit die Hauptlast. Der heutige Bericht von Help Net Security identifiziert die Pharma- und Biowissenschafts-Branche als unterschätztes Ziel. Hier verlagere sich das Risiko von Betriebsausfällen hin zu Datenmissbrauch und regulatorischem Druck. Auch Bildungseinrichtungen und Behörden bleiben laut The Bonadio Group primäre Ziele – wegen ihrer strengen Transparenzpflichten und der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit.

Technisch nutzen die Angreifer für den ersten Zugriff oft spezifische Schwachstellen. Genannt werden etwa nicht authentifizierte Remote-Code-Ausführungslücken wie CVE-2025-69258 in Trend Micro Apex Central oder CVE-2025-37164 in HPE OneView. Einmal im System, konzentrieren sich die Kriminellen dann schnell auf das Exfiltrieren von Beweismaterial für ihre regulatorische Erpressung.

Ein Trend reift heran

Die Instrumentalisierung von Compliance-Regeln markiert eine Reifung der „Double-Extortion“-Taktik. Ein Präzedenzfall wurde Ende 2023 geschaffen, als die Erpressergruppe ALPHV/BlackCat tatsächlich eine Beschwerde bei der SEC gegen ein Opfer einreichte, weil es einen Datenschutzvorfall nicht gemeldet hatte. Was damals eine isolierte Aktion war, ist 2026 zum Standardverfahren von Ransomware-Kartellen geworden.

Sicherheitsexperten fordern daher eine engere Verzahnung von Cybersicherheit und Rechtscompliance. Der Bericht von Help Net Security stellt fest: „Der Nachweis von Sicherheit wird zunehmend Echtzeit-Governance erfordern, nicht Audits.“ Statische Compliance-Checklisten seien kein ausreichender Schutz mehr gegen Angreifer, die den Echtzeit-Status eines Unternehmens besser analysieren könnten als dessen eigene Teams.

Was auf Unternehmen zukommt

Für das erste Quartal 2026 erwarten Analysten eine Verschärfung dieses Trends. Neue regulatorische Rahmenwerke wie der EU-DORA (Digital Operational Resilience Act) und verschärfte SEC-Meldepflichten bieten den Erpressern weiteres „Munitionsmaterial“. Die durch KI beschleunigte Angriffssequenz gibt Organisationen immer weniger Zeit zu reagieren.

Die Empfehlung an Unternehmen ist klar: Rechtsberatung muss direkt in die Incident-Response-Pläne integriert werden. Zudem raten Experten zu „Compliance-Kriegsspielen“, die genau dieses Erpressungsszenario simulieren. Der Konsens ist, dass Cyberkriminelle die schärferen Regulierungen weiterhin als Waffe nutzen werden. Die Kosten von Compliance-Verstößen werden so zu einem unmittelbaren finanziellen Risiko – und nicht mehr nur zu einer theoretischen Bedrohung.

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