Psychische, Fehltage

Psychische Fehltage in Deutschland mehr als verdoppelt

03.01.2026 - 13:27:11

Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Leiden hat sich seit 2014 mehr als verdoppelt. Experten fordern eine Anti-Stress-Verordnung und mehr Gesundheitskompetenz.

Die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Leiden hat sich seit 2014 mehr als verdoppelt. Das zeigen aktuelle Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Zahlen entfachen eine neue Debatte über die mentale Belastbarkeit der Gesellschaft.

Eine stille Epidemie mit konkreten Zahlen

Die Statistiken zum Jahresende 2025 sind alarmierend. Allein im Jahr 2024 verzeichneten Frauen rund 87,55 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Störungen. Bei Männern waren es etwa 60,39 Millionen Tage.

Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei den männlichen Beschäftigten: Deren Fehltage haben sich im Zehnjahresvergleich mehr als verdoppelt. Psychische Erkrankungen sind damit längst kein Randphänomen mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Dauer der Ausfälle. Psychische Krisen dauern mit durchschnittlich 42 Tagen fast viermal so lange wie andere Erkrankungen. Diese Langzeitabwesenheiten belasten Betroffene, Familien und Unternehmen massiv.

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Das fehlende Wissen: Psychische Gesundheitskompetenz

Während die Fallzahlen steigen, warnen Experten vor einem großen Defizit: der psychischen Gesundheitskompetenz. Studien wie die der Technischen Universität München legen nahe, dass das Wissen über mentale Gesundheit nicht mit den wachsenden Belastungen Schritt hält.

Was verbirgt sich dahinter? Psychische Gesundheitskompetenz bedeutet, Informationen zur mentalen Gesundheit zu finden, zu verstehen und auf das eigene Leben anzuwenden. Doch genau diese Fähigkeit nimmt in der Bevölkerung ab.

Der aktuelle AOK-Fehlzeiten-Report identifiziert „kognitive Irritationen“ und digitale Überforderung als neue Risikofaktoren. In einer Welt mit ständiger Erreichbarkeit und KI-Einsatz fehlen vielen Menschen Strategien, um ihre psychischen Grenzen zu erkennen.

Politik unter Druck: Forderung nach Anti-Stress-Verordnung

Die neuen Zahlen haben unmittelbare politische Reaktionen ausgelöst. Die Linken-Politikerin Anne Zerr kritisiert, die Bundesregierung ziehe trotz der verdoppelten Fehltage keine Konsequenzen. Im Raum steht nun die Forderung nach einer verbindlichen „Anti-Stress-Verordnung“.

Diese soll klare Vorgaben für Arbeitszeiten und Erreichbarkeit machen. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld der Situation: Einerseits die individuelle Verantwortung, andererseits krankmachende Rahmenbedingungen.

Unternehmen werden zunehmend in die Pflicht genommen. Es geht nicht mehr um Obstkörbe, sondern darum, echte Mental-Health-Kompetenz in die Führungskultur zu integrieren. Vorgesetzte müssen Warnsignale erkennen können – ohne Therapeut zu spielen.

Die unsichtbare Gefahr und ihre wirtschaftlichen Folgen

Die wirtschaftlichen Implikationen sind immens. Der Anstieg der Fehltage trifft auf eine Wirtschaft, die ohnehin mit Fachkräftemangel kämpft. Lücken durch 42-tägige Ausfälle sind kaum kurzfristig zu schließen.

Im Vergleich zu physischen Erkrankungen hinkt die Prävention psychischer Belastungen hinterher. Analysten sehen eine Parallele zur Einführung des Arbeitsschutzes im 20. Jahrhundert. Damals war es der Schutzhelm, heute ist es die psychische Resilienz.

Der entscheidende Unterschied? Die Sichtbarkeit der Gefahr. Während eine fallende Last offensichtlich ist, bleibt psychische Überlastung oft bis zum Zusammenbruch unsichtbar. Das Stigma existiert trotz Aufklärungskampagnen weiter.

Was kommt 2026 auf uns zu?

Für das neue Jahr ist zu erwarten, dass der Druck auf den Gesetzgeber weiter zunimmt. Die Diskussion um die Anti-Stress-Verordnung dürfte an Fahrt aufnehmen, besonders wenn die Krankenkassen ihre detaillierten Finanzreports vorlegen.

Gleichzeitig wird die Vermittlung von Gesundheitskompetenz zur zentralen Aufgabe für Schulen und Arbeitgeber. Digitale Präventionsangebote und KI-Tools zur Stresserkennung rücken stärker in den Fokus.

Die große Frage für 2026: Kann das Wissen über psychische Gesundheit von einem abstrakten Konzept zu einem praktischen Schutzschild werden? Ein Schutzschild, der die Wucht der steigenden Belastungen wirklich abfedert.

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