Pressatmung, Lebensgefahr

Pressatmung: Lebensgefahr oder notwendiges Werkzeug?

18.04.2026 - 05:00:51 | boerse-global.de

Die umstrittene Pressatmung sorgt bei schweren Gewichten für Stabilität, kann den Blutdruck jedoch auf über 300 mmHg treiben und birgt erhebliche Gesundheitsrisiken. Experten raten Breitensportlern von der Technik ab.

Pressatmung: Lebensgefahr oder notwendiges Werkzeug? - Foto: über boerse-global.de
Pressatmung: Lebensgefahr oder notwendiges Werkzeug? - Foto: über boerse-global.de

Die umstrittene Technik spaltet die Fitnesswelt in Profis und Gesundheitsbewusste.

Valsalva-Manöver: Das passiert im Körper

Sobald das Gewicht etwa 60 Prozent der Maximalkraft übersteigt, setzen viele Athleten instinktiv die Pressatmung ein. Dabei verschließen sie die Stimmritze und spannen die Atem- und Bauchmuskulatur an. Der Druck in Brust und Bauchraum steigt massiv.

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Dieser intraabdominale Druck wirkt wie ein inneres Korsett. Er stützt die Wirbelsäule und fixiert den Schultergürtel. Ohne diese Spannung wären schwere Lasten im Powerlifting oder Gewichtheben kaum kontrollierbar.

Der schützende Druck – ein paradoxer Effekt

Ein Schlüssel zum Verständnis ist der sogenannte transmurale Druck. Er beschreibt die Differenz zwischen dem Druck im Blutgefäß und dem von außen wirkenden Gewebedruck.

Während der Pressatmung drückt der hohe Außendruck im Brustraum gegen die Gefäßwände. Das kann sie paradoxerweise vor dem Bersten schützen, obwohl der Blutdruck im Inneren extrem ansteigt. Bei gesunden Leistungssportlern wird die Wandspannung so teilweise kompensiert.

Blutdruckwerte wie bei einer Krise

Trotz dieses Effekts bleibt die Belastung für das Herz-Kreislauf-System enorm. Studien zeigen: Der systolische Blutdruck kann bei maximaler Belastung auf über 300 mmHg schießen – in Extremfällen sogar bis 400 mmHg.

Diese Werte liegen weit über dem klinischen Schwellenwert für schweren Bluthochdruck. Für Menschen mit unerkannten Gefäßschwächen, wie einem Hirnaneurysma, birgt das ein lebensbedrohliches Risiko für Schlaganfälle.

Ohnmacht nach der letzten Wiederholung

Ein weiteres Risiko ist die Beeinträchtigung des Blutrückflusses zum Herzen. Der hohe Brustkorbdruck behindert den Rückstrom in den rechten Vorhof.

Lässt der Athlet nach der Übung abrupt die Luft ab, fällt der Druck schlagartig. Ein massiver Blutschwall strömt zum Herzen und kann einen starken Vagusreiz auslösen. Die Folge ist ein plötzlicher Herzfrequenz abfall – die häufigste Ursache für Ohnmacht im Gym, begleitet vom typischen „Schwarzwerden“ vor den Augen.

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Für wen ist Pressatmung tabu?

Kardiologische Fachgesellschaften geben klare Empfehlungen. Für Breiten- und Gesundheitssportler gilt: Pressatmung strikt vermeiden. Stattdessen sollte während der anstrengenden Phase bewusst ausgeatmet werden.

Absolute Kontraindikationen sind:
* Bestehender Bluthochdruck
* Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche
* Bekannte Gefäßanomalien oder Netzhautablösungen
* Schwangerschaft

Für Powerlifter und Gewichtheber bleibt die Technik ein notwendiges Werkzeug. Sie sollte aber auf den kritischsten Punkt der Bewegung beschränkt werden – den „Sticky Point“.

Die Forschung differenziert

Die wissenschaftliche Sicht hat sich gewandelt. Ältere Lehrmeinungen verdammten die Pressatmung pauschal. Neuere Studien aus 2024 und 2025 zeigen ein differenzierteres Bild.

Die Gefahr hängt stark vom Gesundheitszustand und der Dauer der Druckphase ab. Krafttraining an sich kann langfristig die Gefäßgesundheit verbessern. Das Risiko der Pressatmung ist vor allem ein akutes Ereignisrisiko bei falscher Anwendung.

Moderne Trainingslehren unterscheiden zudem klar zwischen „Bracing“ – dem Anspannen der Rumpfmuskulatur bei fließender Atmung – und der echten, gefährlichen Pressatmung.

Sensoren und neue Techniken

In Zukunft könnten technologische Hilfsmittel die Atmung überwachen. Tragbare Sensoren, die Brustumfang oder Atemfluss messen, könnten in Echtzeit vor zu langer Pressatmung warnen.

Die Sportphysiotherapie arbeitet an Techniken, die Stabilität ermöglichen, ohne die Stimmritze vollständig zu verschließen. So sollen die Vorteile genutzt werden, ohne die extremen Blutdruckspitzen zu provozieren.

Die entscheidende Frage für die Forschung bleibt: Welche Langzeitfolgen haben wiederholte Blutdruckspitzen für die Gehirngefäße? Bis das geklärt ist, lautet die Empfehlung: Pressatmung ist ein Werkzeug für maximale Lasten – nicht für das tägliche Fitnessstudio.

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