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Preboarding-Portale: HRs neue Waffe gegen Ghosting und Gesetzesdruck

02.01.2026 - 14:43:12

Neue gesetzliche Pflichten und steigende Absagen zwingen Personalabteilungen zur Digitalisierung. Automatisierte Preboarding-Lösungen werden zum Standard, um Compliance zu sichern und Mitarbeiter zu binden.

Neue Gesetze und steigende Absagen zwingen Personalabteilungen zum digitalen Handeln.

Berlin, 2. Januar 2026 – Ein neues Jahr bringt neue Herausforderungen für Deutschlands Personaler. Während der Fachkräftemangel anhält, kommt ein akutes Problem hinzu: Immer mehr Kandidaten unterschreiben Verträge – und tauchen dann einfach nicht zum ersten Arbeitstag auf. Gleichzeitig verschärft der Gesetzgeber seit dem 1. Januar die Informationspflichten für Arbeitgeber. Die Antwort vieler Unternehmen heißt nun: digitale Preboarding-Portale. Aus dem „Nice-to-have“ wird ein unverzichtbares Instrument.

Gesetzesdruck macht Digitalisierung unumgänglich

Der stärkste Treiber für die digitale Offensive ist der Gesetzgeber. Seit Jahresbeginn gilt eine verschärfte Pflicht nach § 45c Aufenthaltsgesetz. Arbeitgeber müssen neu eingestellte Fachkräfte aus Drittstaaten nun spätestens am ersten Tag umfassend über ihre Rechte aufklären. Diese Vorgabe manuell zu erfüllen, ist bei internationalen Teams kaum noch machbar und birgt hohe Compliance-Risiken.

Preboarding-Lösungen automatisieren diesen Prozess. Sie stellen die geforderten Informationen Wochen vor Arbeitsbeginn rechtssicher digital zu. Das entlastet die HR-Abteilungen von Bürokratie. Vor allem aber sorgt es dafür, dass der erste Tag nicht mit Papierkram, sondern mit der sozialen Integration beginnt.

Kampf gegen das „Ghosting“-Phänomen

Neben dem Gesetz kämpfen Unternehmen mit einem kulturellen Wandel. Das sogenannte „Ghosting“ – der kontaktlose Rückzug von Kandidaten – erreicht neue Höchststände. Oft liegen Monate zwischen Vertragsunterschrift und Arbeitsbeginn. Eine gefährliche Funkstille, die Wettbewerber zum Abwerben nutzen.

Moderne Preboarding-Portale füllen dieses Vakuum. Durch automatisierte „Touchpoints“ wie Videobotschaften des Teams oder Einladungen zu Firmenevents bauen sie schon vor dem Start eine emotionale Bindung auf. Die Botschaft an den neuen Mitarbeiter ist klar: Du bist willkommen und wertgeschätzt. Diese frühe Wertschätzung senkt die Absprungrate deutlich.

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Passend zum Thema Mitarbeiterbindung: Immer mehr Kandidaten „ghosten“ Firmen – und das Problem beginnt oft vor dem ersten Arbeitstag. Der kostenlose Onboarding-Leitfaden hilft HR-Teams, Preboarding und Onboarding in drei klaren Phasen zu verknüpfen, Papierkram zu reduzieren und neue Mitarbeitende vom ersten Tag an erfolgreich zu integrieren. Enthalten: praxisnahe Checkliste (Word/PDF) und sofort einsetzbare Muster. Kostenlosen Onboarding-Leitfaden & Checkliste herunterladen

KI-gestützte Personalisierung und virtuelle Buddys

Die neue Software-Generation geht weit über reine Dokumentenablage hinaus. Sie nutzt KI-gestützte Personalisierung, um maßgeschneiderte Inhalte zu liefern. Ein IT-Spezialist erhält Zugang zu Tech-Stacks, ein Vertriebler startet mit interaktiven Produktschulungen.

Ein weiterer Trend ist die Integration von „Buddy-Programmen“. Zukünftige Kollegen können sich vorab in Chat-Funktionen austauschen und so die Hemmschwelle für den ersten Tag senken. Virtuelle Bürorundgänge gehören ebenfalls zum Standard. Das Ziel: Die typische Nervosität vor dem neuen Job – und damit einen häufigen Grund für Rückzieher – minimieren.

Hohe Kosten machen Effizienz zur Pflicht

Der wirtschaftliche Druck verstärkt den Handlungsbedarf. Eine Fehlbesetzung oder ein „No-Show“ kostet Unternehmen Schätzungen zufolge bis zu 200 Prozent eines Jahresgehalts. Dazu kommen Recruiting-Kosten und Produktivitätsausfall.

Auch die Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro macht ineffiziente Einarbeitung teurer. Unternehmen können es sich nicht leisten, wenn neue Mitarbeiter wertvolle Zeit mit Administration verbringen. Preboarding verlagert diese Prozesse nach vorne und verkürzt die „Time-to-Productivity“ erheblich.

Vom Trend zum Standard

Die Entwicklung Anfang 2026 zeigt: Preboarding-Portale werden bis Jahresende zur Standardausstattung in HR-Abteilungen gehören – so selbstverständlich wie die Gehaltsabrechnung. Der Markt wächst rasant, da Anbieter Compliance-Features mit Tools zur Mitarbeiterbindung verknüpfen.

Für Arbeitgeber ist die digitale Vorintegration die notwendige Versicherung gegen den Verlust teuer erkaufter Talente. Wer in diesem Jahr noch auf Funkstille setzt, wird im Wettbewerb um die Besten schnell abgehängt.

@ boerse-global.de