Plagiarius-Preise zeigen gefährliche Importflut aus China
11.02.2026 - 13:55:12Frankfurt/Berlin – Gefälschte Babyflaschen und Armaturen: Die diesjährigen „Negativpreise“ für Produktpiraterie offenbaren massive Sicherheitsrisiken bei Billigimporten. Gleichzeitig warnt der Verbraucherschutz vor digitalen Schlupflöchern.
Plagiarius 2026: Gesundheitsgefahr im Kinderzimmer
Am 6. Februar zeigte die „Aktion Plagiarius“ in Frankfurt das erschreckende Ausmaß der Krise. Die „Preisträger“ beweisen: Fälschungen sind längst nicht mehr nur ein wirtschaftlicher Schaden, sondern eine direkte Gefahr für die Gesundheit.
Den ersten Preis erhielt ein chinesischer Hersteller für die Nachahmung der „Philips Avent Natural Response“-Babyflasche. Das Original aus den Niederlanden durchläuft strenge Sicherheitstests. Die Imitation der Dongyang Onibebi Plastic Products Factory hingegen besteht aus minderwertigen Materialien mit fragwürdiger Hygiene. Vertrieben wird sie über Social Media und Online-Plattformen – und umgeht so jede klassische Sicherheitsprüfung im Handel.
Platz zwei ging an ein Netzwerk von Produktpiraten, das den „Axor MyEdition“-Waschtischmischer von Hansgrohe kopierte. Die Fälscher arbeiteten professionell, drei Rädelsführer wurden in China festgenommen. Doch das Produkt, optisch kaum vom Original zu unterscheiden, entsprach nicht den EU-Materialvorschriften für Trinkwasserinstallationen.
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Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA), das die Veranstaltung unterstützte, sieht darin ein Muster: Globale kriminelle Netzwerke überschwemmen den EU-Markt mit ungeprüften, nicht konformen Waren.
Zoll am Limit: Vier Milliarden Päckchen pro Jahr
Die Plagiarius-Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Europäische Zollbehörden kämpfen mit einer beispiellosen Flut an Kleinsendungen. Daten für 2025 zeigen: Rund vier Milliarde zollfreie Pakete aus Drittländern erreichten die EU – der Großteil stammt aus China.
Experten machen die „De-minimis“-Regelung zum Sündenbock. Derzeit sind Waren unter 150 Euro von Einfuhrumsatzsteuer und Zoll befreit. E-Commerce-Riesen nutzen diese Lücke systematisch aus. Schätzungen zufolge werden bis zu 65 Prozent der Sendungen unterwertig deklariert, um unter der Schwelle zu bleiben. So entgehen sie nicht nur der fiskalischen Kontrolle, sondern vor allem der Sicherheitsprüfung.
Bei über zwölf Millionen Paketen täglich in der EU sind physische Kontrollen statistisch ein Glücksspiel. Die Masse macht lückenlose Prüfungen unmöglich. Produkte, die gegen EU-Sicherheits-, Chemikalien- und Umweltstandards verstoßen, gelangen so ungehindert bis an die Haustür der Verbraucher.
Verbraucherschützer: „Massive Defizite“ auf Plattformen
Zum „Safer Internet Day“ am 10. Februar verschärfte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Kritik. Der Digital Services Act (DSA) sollte den Verkauf illegaler Waren eindämmen. Doch die Durchsetzung sei lückenhaft, so die Verbraucherschützer.
Besonders Kinder und Jugendliche seien gefährdet – nicht nur durch schädliche Inhalte, sondern auch durch unsichere Produkte, die aggressiv in Social-Media-Apps beworben werden. Die Verschmelzung von Direktimport aus China und Social Commerce führe dazu, dass Sicherheitswarnungen oft zu spät oder gar nicht kämen. Der vzbv fordert eine strengere Haftung für Plattformen, die den Verkauf nicht konformer Importware ermöglichen.
EU reagiert: Das Ende der 150-Euro-Freigrenze
Angesichts der eskalierenden Probleme schreitet die Europäische Union zu einer drastischen Reform: Die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze zum 1. Juli 2026.
Künftig unterliegt jede einzelne Ware dem Zoll, unabhängig von ihrem Wert. Um den Verwaltungsaufwand zu bewältigen, ist ein vereinfachtes Tarifsystem geplant. Zudem soll eine „Bearbeitungsgebühr“ von etwa drei Euro pro direkt an Verbraucher versandtem Paket erhoben werden.
Die Reform soll das Spielfeld für europäische Händler ebnen, die nicht mit zollfreien, subventionierten Versandkosten aus Asien konkurrieren können. Logistikexperten warnen jedoch vor erheblichen Störungen während der Umstellungsphase. Mit weniger als fünf Monaten bis zur Frage bleibt unklar, ob die digitalen Zollsysteme für die Millionen zusätzlicher täglicher Deklarationen bereit sind.
Für deutsche Unternehmen wird die Handelskonformität zur zentralen Herausforderung. Die Plagiarius-Preise erinnern daran, dass die Kosten mangelnder Compliance nicht nur in verlorenen Steuereinnahmen, sondern in der Sicherheit der Verbraucher gemessen werden. Die Ära unkontrollierter Direktimporte aus der Fabrik neigt sich dem Ende zu.
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