Pistorius hält an Plänen für Bundesbeteiligung bei KNDS fest
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 13:35 Uhr | dpa.deDas bekräftigte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch am Kasseler Standort des deutsch-französischen Rüstungsunternehmens. Die Bundesregierung bekenne sich zu der sehr wichtigen deutschen Rüstungsschlüsseltechnologie und damit auch zum Standort Deutschland "und zu KNDS sowie zu dem Know-how und der Leistungsfähigkeit dieses Unternehmens mit so vielen Standorten in Deutschland", sagte der SPD-Politiker in Kassel.
KNDS sei einer der größten Auftragnehmer der Bundeswehr. Die Entscheidung bei dem Konzern einzusteigen sei daher zukunftssichernd für Technologien, Industrie, Arbeitsplätze und Standorte. Daher sei die Entscheidung der Bundesregierung "eine ganz, ganz wichtige und richtungsweisende. Deswegen werden wir sie weiter verfolgen."
Geplanter Börsengang Anfang Juli verschoben
Der französisch-deutsche Panzer- und Geschützhersteller KNDS, der unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 und die Panzerhaubitze 2000 produziert, hatte seinen geplanten Börsengang kürzlich verschoben. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktschwankungen werde der Börsengang erst unter besseren Marktbedingungen fortgesetzt, teilte das Unternehmen Anfang Juli mit.
Der Börsengang sollte auch den Einstieg des Bundes bei dem Rüstungskonzern ermöglichen. Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Danach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden.
Bund bekräftigt gemeinsames Projekt
Als Reaktion auf die geänderten Pläne von KNDS hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, man respektiere die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang anzuhalten. "Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen."
KNDS beobachtet Markt
"Unser Interesse ist klar", erklärte Pistorius nun in Kassel. "Wir wollen deutsche Schlüsseltechnologien in Zukunft behalten" - in Augenhöhe mit den Partnern in Frankreich. "In welcher Form das geschieht, werden die Gespräche und Entscheidungen der nächsten Wochen zeigen", sagte er auf die Frage, ob für ihn auch die bestehende Eigentümerstruktur auf längere Sicht eine Option sei.
KNDS hatte Anfang Juli angekündigt, dass der Konzern und seine Anteilseigner die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachteten und bereit seien, den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen das erlaubten. Das bekräftigte der Deutschlandchef des Konzerns, Florian Hohenwarter, beim Besuch des Bundesverteidigungsministers in Kassel. Das Unternehmen sei bereit für den Börsengang. Man beobachte den Markt weiter.
Politisches Ringen um europäischen Waffenkonzern
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter, das Kürzel geht auf KMW Nexter Defense Systems zurück. Aktuell befindet sich KNDS jeweils zur Hälfte im Eigentum der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann sowie des französischen Staates. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Sitz der übergeordneten Finanzholding ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München und die französische bei Paris.
