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Pick n Pay Stores Ltd: Sanierungsplan unter Druck – Aktie bleibt ein Hochrisiko-Turnaround

14.01.2026 - 20:08:26

Pick n Pay Stores Ltd ringt mit Verlusten, hoher Verschuldung und einem radikalen Umbau. Die Aktie bleibt spekulativ – doch der neue CEO setzt auf harte Einschnitte und Formatwandel.

Die Börse ist unerbittlich im Urteil über Pick n Pay Stores Ltd: Während Lebensmittelketten weltweit von soliden Margen und defensiven Geschäftsmodellen profitieren, kämpft der südafrikanische Einzelhändler ums Überleben im Premium-Segment. Hohe Schulden, operative Fehlleistungen und ein immer härterer Wettbewerbsdruck haben die Aktie in den vergangenen Jahren massiv unter Druck gesetzt. Nun setzt das Management auf einen radikalen Turnaround – mit Filialschließungen, einem Strategiewechsel bei den Formaten und einer tiefgreifenden Bilanzsanierung. An der Börse sorgt das für extreme Kursbewegungen und ein äußerst gespaltenes Sentiment.

Nach aktuellen Daten von Finanzportalen wie Yahoo Finance und Reuters notiert Pick n Pay Stores Ltd (ISIN ZAE000011920) mit einem Kurs von rund 15,50 ZAR je Aktie. Die Angaben basieren auf den jüngsten verfügbaren Kursinformationen nach Handelsschluss an der Johannesburger Börse (JSE); der Markt war zum Zeitpunkt der Recherche nicht durchgehend geöffnet, weshalb es sich um einen Schlusskurs bzw. zuletzt gehandelten Kurs handelt. Im Fünf-Tages-Vergleich zeigt sich ein verhaltener Aufwärtstrend nach zuvor massiven Verlusten, im 90-Tage-Vergleich jedoch bleibt das Bild deutlich negativ. Die 52-Wochen-Spanne unterstreicht die hohe Volatilität: Während das Jahreshoch im Bereich um 29 ZAR lag, markierte das Jahrestief nur knapp die Hälfte davon und spiegelte die Sorgen der Anleger über die Bilanzqualität und Profitabilität wider.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in Pick n Pay investiert hat, musste starke Nerven mitbringen. Der damalige Schlusskurs lag nach Daten von Börseninformationsdiensten wie finanzen.net und Investing.com bei etwa 27,00 ZAR je Aktie. Verglichen mit dem jüngsten Kurs von etwa 15,50 ZAR ergibt sich damit ein deutlicher Rückgang.

Die einfache Rechnung: Von 27,00 ZAR auf 15,50 ZAR entspricht einem Kursverlust von rund 42,6 Prozent innerhalb eines Jahres. Anders formuliert: Aus einem Investment von 1.000 ZAR wären heute nur noch gut 574 ZAR im Depot. Für Bestandsaktionäre ist das schmerzhaft, für spekulativ orientierte Anleger sind solche Rückgänge jedoch oft der Nährboden für Turnaround-Wetten – vorausgesetzt, das Geschäftsmodell ist sanierungsfähig und das Management liefert glaubwürdige Maßnahmen.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen und Wochen stand Pick n Pay gleich mehrfach in den Schlagzeilen. Nach Recherchen unter anderem bei Bloomberg, Reuters und südafrikanischen Wirtschaftsmedien versucht der Konzern, seine schlingernde Kernmarke wieder auf Kurs zu bringen. Im Fokus steht vor allem die Trennung der unterschiedlichen Formate: Während die Premium-orientierten Pick-n-Pay-Supermärkte unter Druck stehen, entwickelt sich das Discount-Format Boxer vergleichsweise robust. Das Management hat deshalb angekündigt, Boxer stärker auszurollen und zur Wachstumssäule im Niedrigpreissegment zu machen, um besser gegen Wettbewerber wie Shoprite und Spar bestehen zu können.

Vor wenigen Tagen rückten zudem weitere Restrukturierungsmaßnahmen in den Vordergrund. Medienberichten zufolge bereitet Pick n Pay Filialschließungen unprofitabler Standorte vor und prüft teilweise die Veräußerung von Vermögenswerten, um die angespannten Bilanzen zu entlasten. Hinzu kommen Kostensenkungsprogramme, die unter anderem Personal und Logistikprozesse betreffen. Investoren beobachten genau, ob die Maßnahmen ausreichen, um die operative Marge wieder in die Gewinnzone zu führen. Gleichzeitig sorgt die schwierige Konsumlage in Südafrika – geprägt von hoher Arbeitslosigkeit, steigenden Lebenshaltungskosten und wiederkehrenden Problemen bei der Stromversorgung – dafür, dass der Spielraum auf der Umsatzseite begrenzt bleibt.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die Analystengemeinde ist bei Pick n Pay deutlich gespalten und insgesamt eher vorsichtig. In den vergangenen Wochen haben mehrere Häuser ihre Einschätzungen überprüft. Nach Daten von Reuters und Bloomberg dominiert aktuell eine abgestufte Haltung: Die Mehrheit der beobachtenden Analysten stuft die Aktie auf "Halten" oder "Underperform" ein, nur wenige Experten sehen sie auf dem aktuellen Niveau als klaren Kauf.

So hat etwa eine große internationale Bank – in Marktberichten werden unter anderem Namen wie JPMorgan, Morgan Stanley und Standard Bank genannt – ihre Empfehlung zuletzt auf "Neutral" belassen und das Kursziel im Bereich von 17 bis 20 ZAR angesetzt. Damit sehen diese Analysten zwar ein begrenztes Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs, allerdings kein überzeugendes Chance-Risiko-Verhältnis. Einige südafrikanische Brokerhäuser sind noch skeptischer und verweisen auf die hohe Verschuldung, die schwache Profitabilität und das Risiko weiterer Kapitalmaßnahmen; ihre Kursziele liegen teilweise sogar unter dem aktuellen Kursniveau.

Deutlich optimistischer fallen nur wenige Stimmen aus, die die Aktie als spekulativen Turnaround-Kandidaten einstufen. Diese Analysten argumentieren, dass der Markt die Restrukturierungschancen sowie die Bewertungsabschläge übertrieben eingepreist habe. Gemessen an klassischen Kennzahlen wie Kurs-Umsatz-Verhältnis und dem potenziellen Ertragshebel im Falle einer erfolgreichen Sanierung erscheint die Aktie auf dem Papier günstig. Doch selbst die optimistischeren Häuser warnen, dass Geduld notwendig ist und die Visibilität für einen nachhaltigen Gewinnpfad derzeit eingeschränkt bleibt.

Ausblick und Strategie

Für die nächsten Monate ist die Entwicklung von Pick n Pay maßgeblich von drei Faktoren abhängig: dem Tempo und der Konsequenz der Restrukturierung, der Stabilität des südafrikanischen Konsumumfelds und der Fähigkeit des Managements, Vertrauen am Kapitalmarkt zurückzugewinnen. Strategisch rückt der Konzern stärker auf ein Zwei-Säulen-Modell: eine schlankere, fokussierte Kernmarke Pick n Pay im mittleren bis gehobenen Preissegment und ein forciertes Wachstum des Discount-Formats Boxer.

Im Mittelpunkt steht zunächst die Wiederherstellung der operativen Leistungsfähigkeit. Dazu zählen eine schärfere Sortimentssteuerung, eine verbesserte Preispositionierung gegenüber Wettbewerbern sowie Investitionen in moderne Logistik- und IT-Systeme. Gleichzeitig muss das Unternehmen seine Nettoverschuldung in den Griff bekommen. Marktbeobachter halten es für möglich, dass Pick n Pay in den kommenden Quartalen über Eigenkapitalmaßnahmen nachdenken muss, sollte der operative Cashflow nicht spürbar anziehen. Eine Kapitalerhöhung wäre für bestehende Aktionäre zwar schmerzhaft, könnte aber die Bilanz nachhaltig stärken und die Zinslast reduzieren.

Hinzu kommt ein strukturelles Risiko: Der südafrikanische Lebensmittelhandel steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Marktführer wie Shoprite haben in den vergangenen Jahren erfolgreich ihre Marktanteile ausgebaut, während Pick n Pay in mehreren Segmenten Marktanteile verloren hat. Der Konzern muss daher nicht nur Kosten senken, sondern auch wieder eine klar unterscheidbare Marktpositionierung aufbauen, um Kunden zurückzugewinnen – etwa über ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, gezielte Loyalitätsprogramme und ein moderneres Einkaufserlebnis.

Für Anleger bedeutet das: Die Aktie von Pick n Pay bleibt ein klassisches Turnaround-Papier mit hohem Risiko. Die Kursentwicklung des vergangenen Jahres und die deutliche Entfernung vom früheren 52-Wochen-Hoch spiegeln das Misstrauen des Marktes wider. Sollte es dem Management jedoch gelingen, die Restrukturierungsmaßnahmen konsequent umzusetzen, die Margen zu stabilisieren und zugleich das Wachstum im Discount-Segment voranzutreiben, könnte die Aktie von dem aktuell niedrigen Bewertungsniveau aus überproportional profitieren.

Konservative Investoren dürften angesichts der unsicheren Gewinnperspektive und der angespannten Bilanzstruktur vorerst an der Seitenlinie bleiben. Für risikobewusste Marktteilnehmer eröffnet sich dagegen ein spekulatives Szenario: Kurzfristig bleiben weitere Ausschläge nach unten ebenso möglich wie plötzliche Kurssprünge bei positiven Nachrichten – etwa besser als erwarteten Quartalszahlen, Fortschritten beim Abbau der Verschuldung oder einer klaren Neubewertung durch führende Analystenhäuser. Entscheidend wird sein, ob Pick n Pay seinen Anspruch einlösen kann, aus einem Problemfall wieder einen verlässlichen, defensiven Einzelhandelswert zu formen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Prüfstein für die Geduld und Risikobereitschaft der Anleger.

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