Pflegeskandal, Thüringen

Pflegeskandal in Thüringen: Auszubildende aus Vietnam klagen gegen Kündigungen

11.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Über 40 vietnamesische Pflege-Azubis wehren sich vor Gericht gegen Entlassungen und ausstehende Löhne. Der Fall offenbart massive Missstände bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte.

Pflegeskandal in Thüringen: Auszubildende aus Vietnam klagen gegen Kündigungen - Foto: über boerse-global.de
Pflegeskandal in Thüringen: Auszubildende aus Vietnam klagen gegen Kündigungen - Foto: über boerse-global.de

Ein massenhafter Verstoß gegen das Arbeitsrecht im deutschen Pflegesektor sorgt für Empörung. Über 40 vietnamesische Pflege-Azubis wehren sich vor dem Arbeitsgericht Gera gegen unrechtmäßige Entlassungen durch ihren ehemaligen Arbeitgeber, die Thüringer Firmengruppe Hose. Der Fall offenbart gravierende Mängel bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte.

Unbezahlte Löhne und plötzliche Obdachlosigkeit

Im Zentrum des Skandals steht die Altenburger Pflegeeinrichtung Steffi Hose GmbH. Das Unternehmen hatte mehr als 40 junge Erwachsene aus Vietnam angeworben, um sie zu Altenpflegern auszubilden. Doch die Zustände verschlechterten sich rapide. Bereits Ende 2024 gab es erste Beschwerden über ausbleibende Ausbildungsvergütungen und untragbare Wohnverhältnisse.

Anzeige

Die rechtssichere Trennung von Auszubildenden stellt Arbeitgeber oft vor große Hürden, da Formfehler schnell zu teuren Rechtsstreitigkeiten führen können. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Ihnen geprüfte Word-Vorlagen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für rechtlich fundierte Entscheidungen. Rechtssichere Mustervorlagen für die Abmahnung und Kündigung von Azubis jetzt kostenlos sichern

Im August 2025 zog die Landesverwaltung die Ausbildungserlaubnis des Unternehmens zurück. Für die Auszubildenden besserte sich nichts. Bankauszüge belegen, dass viele monatelang ohne Bezahlung in den Pflegeheimen arbeiteten. Ende 2025 folgte eine Entlassungswelle. Einige erhielten fristlose Kündigungen, andere wurden massiv bedrängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Der Konflikt eskalierte, als der Arbeitgeber die Gekündigten aufforderte, die firmeneigenen Wohnungen zu räumen – mehrere Menschen standen im Winter vorübergehend auf der Straße.

Gerichtliche Auseinandersetzung um Kündigungsschutz

Die Betroffenen haben nun Kündigungsschutzklagen beim Arbeitsgericht Gera eingereicht. Sie fordern die Rücknahme der Entlassungen und die Nachzahlung ausstehender Löhne.

Anzeige

Besonders bei der einvernehmlichen Beendigung von Arbeitsverhältnissen können fehlerhafte Klauseln zu massiven Nachzahlungen führen. Wie Sie Aufhebungsverträge rechtssicher gestalten und teure Gerichtsverfahren vermeiden, erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book. Kostenlose Musterformulierungen für Aufhebungsverträge herunterladen

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist der Fall brisant. Für eine fristlose Kündigung muss der Arbeitgeber ein schweres Fehlverhalten der Mitarbeiter nachweisen. Juristen bezweifeln, dass der Verlust der Ausbildungserlaubnis hierfür ausreicht. Auch die erzwungenen Aufhebungsverträge dürften vor Gericht kaum standhalten. Diese werden regelmäßig für unwirksam erklärt, wenn sie unter Druck – etwa durch die Androhung von Obdachlosigkeit – oder unter Ausnutzung mangelnder Deutschkenntnisse unterschrieben wurden.

Ein kritischer Faktor ist die Dreiwochenfrist zur Klageerhebung nach dem Kündigungsschutzgesetz. Die Auszubildenden werden dabei von Projekten wie „Faire Integration“, der Caritas und der Arbeitsagentur unterstützt. Die Firmengruppe Hose beharrt darauf, rechtmäßig gehandelt zu haben und rechnet mit einem Sieg vor Gericht.

Politisches Echo und Solidarität vor Ort

Die Vorgänge lösten breite Empörung aus. Die Gewerkschaft ver.di verurteilte das Vorgehen als illegal und ausbeuterisch. Als mehrere Auszubildende nach Räumungsklagen polizeilich aus ihren Wohnungen verwiesen wurden, weil sie mangels Geld keine neue Bleibe fanden, schalteten sich lokale Politiker ein.

Bürgermeister umliegender Gemeinden organisierten Nothilfe. Feuerwehren stellten Feldbetten und Grundversorgung bereit, um vorübergehende Unterkünfte zu schaffen. Der Kontrast zwischen der offiziellen Willkommenskultur für Fachkräfte und der harten Realität der Betroffenen bestimmt seither die Medienberichterstattung.

Weitreichende Folgen für die Fachkräftestrategie

Analysten warnen vor den langfristigen Konsequenzen für Deutschlands Strategie gegen den Fachkräftemangel. Die Pflegebranche ist dringend auf internationale Rekrutierung angewiesen. Skandale wie dieser beschädigen das Ansehen Deutschlands als Arbeitsland erheblich. Berichten zufolge findet der Fall in Vietnam bereits große Beachtung in sozialen Medien und könnte künftige Bewerber abschrecken.

Der Fall legt gravierende Lücken in der Kontrolle privater Pflegeanbieter und Vermittlungsagenturen offen. Fachleute fordern nun schärfere Regeln, etwa verpflichtende Treuhandkonten für Ausbildungsgehälter und unabhängige Ombudsstellen für ausländische Pflegekräfte.

Was kommt als nächstes?

Der Fokus liegt nun auf den anstehenden Urteilen des Arbeitsgerichts Gera. Entscheiden die Richter zugunsten der Auszubildenden, würde dies einen wichtigen Präzedenzfall für die Fürsorgepflicht von Arbeitgebern gegenüber internationalem Personal schaffen.

Unterdessen bemühen sich Behörden und Hilfsorganisationen, alternative Ausbildungsplätze für die vietnamesischen Jugendlichen zu finden, um eine Abschiebung zu verhindern. Der Ausgang dieser Integrationsbemühungen wird die künftige Ausgestaltung von Einwanderungs- und Arbeitsschutzpolitik für Pflegekräfte aus Drittstaaten maßgeblich beeinflussen.

Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.

 <b>Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.</b>

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Aktien-Empfehlungen - Dreimal die Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos

boerse | 68656904 |