Pflegeberuf: Immer mehr Männer entscheiden sich für die Ausbildung
21.03.2026 - 00:00:36 | boerse-global.deDie Pflege in Deutschland wird männlicher – zumindest in der Ausbildung. Neue Daten zeigen einen deutlichen Anstieg des Männeranteils, während die Gesamtzahl der Azubis in einigen Regionen stagniert. Das stellt Arbeitgeber vor eine doppelte Herausforderung.
Lippe: Jeder dritte Pflege-Azubi ist männlich
Im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen vollzieht sich ein bemerkenswerter Wandel. Laut dem Landesamt für Statistik (IT.NRW) ist mittlerweile fast ein Drittel aller Auszubildenden in der Pflege männlich. Vor vier Jahren lag dieser Anteil noch bei einem guten Fünftel. Die regionalen Zahlen vom 18. März 2026 spiegeln einen bundesweiten Trend wider, den das Statistische Bundesamt (Destatis) diese Woche bestätigte.
Doch der Erfolg bei der Ansprache männlicher Bewerber hat eine Kehrseite. Die Gesamtzahl der Menschen, die in Lippe eine Pflegeausbildung beginnen, ist in den letzten Jahren gesunken. Für Personalverantwortliche in Kliniken und Pflegeheimen entsteht so eine komplexe Lage: Einerseits wird eine bisher kaum genutzte Zielgruppe erschlossen, andererseits reicht der Nachwuchs insgesamt nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken. Bis 2050 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in der Region voraussichtlich um 20 Prozent steigen.
Um den sinkenden Ausbildungszahlen in der Pflege entgegenzuwirken, ist eine strukturierte Integration neuer Talente vom ersten Tag an entscheidend. Dieser kostenlose Leitfaden unterstützt Sie dabei, neue Teammitglieder erfolgreich einzuarbeiten und langfristig an Ihr Haus zu binden. Onboarding-Checkliste für erfolgreiche Mitarbeiterbindung sichern
Bundesweit: Rekord bei Ausbildungsverträgen
Die Entwicklung in Lippe ist kein Einzelfall. Seit der Reform der Pflegeausbildung im Jahr 2020 verzeichnet Deutschland einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Nach vorläufigen Destatis-Zahlen schlossen 2025 etwa 64.300 Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag in der Pflege ab – ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders dynamisch entwickelt sich die Gruppe der männlichen Auszubildenden. Ihr Anteil an den neuen Verträgen lag 2025 bei 29 Prozent, das sind rund 18.500 Männer. Im Vergleich zu 2024 bedeutet das ein Wachstum von 15 Prozent. Bei den Frauen betrug der Zuwachs nur sechs Prozent. Insgesamt ist der Männeranteil in der Pflegeausbildung seit 2020 bundesweit um fünf Prozentpunkte gestiegen.
Branche fordert flexiblere Personalschlüssel
Die Verbände der Pflegeeinrichtungen begrüßen den Trend, sehen aber weiterhin dringenden Reformbedarf. „Die steigenden Ausbildungszahlen sind auch ein Ergebnis massiver Rekrutierungsanstrengungen der Häuser“, sagt Thomas Knieling vom Verband der Altenpflegeheime (VDAB). Gleichzeitig kritisiert die Arbeitgebervereinigung der Pflegeanbieter (AGVP) veraltete Strukturen.
„Starre Personalschlüssel und bürokratische Hürden behindern die eigentliche Pflegearbeit“, erklärt AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz. Die gesetzlichen Fachkraftquoten seien ein Relikt aus der Vergangenheit und müssten dringend modernisiert werden. Nur so könne der wachsende Bedarf an Pflegeplätzen gedeckt werden. Ein weiteres Problem sind laut Verbänden die hohen Abbrecherquoten in der Ausbildung, die durch eine vereinfachte Struktur gesenkt werden könnten.
Kulturwandel in Pflegeteams notwendig
Der steigende Männeranteil erfordert einen kulturellen Wandel in den Einrichtungen. Aus Sicht von Personalexperten bietet sich die Chance, das historisch weiblich geprägte Berufsbild zu entstereotypisieren. Doch das geschieht nicht von selbst.
Personalabteilungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen müssen gezielte Strategien entwickeln, um männliche Mitarbeiter in oft frauendominierten Teams zu integrieren und vor Marginalisierung zu schützen. Ausbilder und Praxisanleiter sollten für Geschlechternormen sensibilisiert werden. Einrichtungen, die diese Dynamik in ihrem Employer Branding und ihren internen Richtlinien berücksichtigen, dürften sich im verschärften Wettbewerb um Fachkräfte einen Vorteil verschaffen.
Ein erfolgreicher Kulturwandel in Pflegeteams gelingt nur, wenn die individuellen Potenziale aller Mitarbeiter gezielt gefördert werden. Erfahren Sie in diesem Praxisleitfaden, wie Sie durch moderne Entwicklungsstrategien die Motivation steigern und echte Leistungsanreize schaffen. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Mitarbeiterentwicklung herunterladen
Ausblick: Demografie stellt Weichen
Die endgültigen Bundesdaten für das Ausbildungsjahr 2025 wird Destatis im Juli 2026 veröffentlichen. Sie werden genauere Einblicke in regionale Unterschiede und Abschlussquoten liefern. Für Regionen wie Lippe bleibt die zentrale Aufgabe, den Rückgang der Azubi-Zahlen umzukehren und gleichzeitig die erfolgreiche Ansprache männlicher Bewerber fortzusetzen.
Die Zukunft der Pflege hängt maßgeblich von der aktuellen Gesetzgebung ab. Die Diskussionen um moderne Personalschlüssel und die Integration des neuen, vergüteten Pflegestudiums werden die Personalplanung der nächsten Jahre prägen. Der demografische Wandel ist unaufhaltsam – ob die Pflegeinfrastruktur ihm gewachsen ist, entscheidet sich jetzt.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

