Perplexity, Abos

Perplexity AI setzt voll auf Abos und wirbt Werbung ab

22.02.2026 - 11:54:12 | boerse-global.de

Perplexity AI stellt sein Werbegeschäft ein und setzt voll auf Abonnements, während OpenAI gesponserte Links testet. Die KI-Branche spaltet sich in der Frage der Finanzierung.

Perplexity AI steigt aus dem Werbegeschäft aus und stellt sich damit gegen den Kurs von OpenAI. Das Such-Start-up will künftig nur noch mit Abonnements und Unternehmenskunden Geld verdienen. Die Entscheidung markiert eine tiefe Spaltung der KI-Branche in der Frage, wie sich künstliche Intelligenz finanzieren lässt – und was Nutzern zugemutet werden darf.

Strategische Kehrtwende für mehr Nutzervertrauen

Die Ankündigung Mitte Februar 2026 bedeutet eine komplette Abkehr von früheren Plänen. Noch 2024 hatte Perplexity-Chef Aravind Srinivas Werbung als mögliche Haupteinnahmequelle ins Spiel gebracht. Das Unternehmen testete damals als einer der ersten KI-Anbieter gesponserte Antworten unter den Chatbot-Ergebnissen.

Doch das Experiment floppte finanziell. Die Werbeeinnahmen machten angeblich nur einen Bruchteil eines Prozents des Jahresumsatzes aus. Noch wichtiger aber war die strategische Erkenntnis: „Werbung in einer Antwortmaschine untergräbt fundamental das Vertrauen der Nutzer“, so die einhellige Meinung der Geschäftsführung. Wenn Nutzer den Verdacht hätten, eine KI-Antwort sei von bezahlten Produkten beeinflusst, sei die Glaubwürdigkeit der gesamten Plattform dahin.

Perplexity sieht seine Kernmission in der Lieferung objektiver Wahrheiten und präziser Antworten – ein Ziel, das nach Firmenüberzeugung mit gesponserten Inhalten unvereinbar ist. Künftig stützt sich das Unternehmen, das über 100 Millionen Nutzer bedient, auf sein 20-Dollar-Pro-Abo und eine verstärkte Ausrichtung auf Unternehmenskunden.

OpenAI geht den Gegenweg – und erntet Kritik

Während Perplexity sich von Werbung verabschiedet, treibt OpenAI sie voran. Seit Januar 2026 testet der ChatGPT-Entwickler gesponserte Links sowohl für kostenlose Nutzer als auch für sein neues 8-Dollar-Abo „ChatGPT Go“. OpenAI betont, die klar gekennzeichneten Werbeplatzierungen am Ende von Antworten beeinflussten nicht die Modell-Ausgaben. Für die Platzierungen verlangt das Unternehmen Premium-Preise von bis zu 60 Dollar pro 1000 Werbeeinblendungen.

Doch die Monetarisierungsstrategie sorgt für erheblichen internen Widerstand. Die ehemalige OpenAI-Forscherin Zoë Hitzig kündigte am 11. Februar 2026 aus Protest gegen den Werbekurs. Die Ökonomin, die früher an den Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens mitwirkte, warnt vor den systemischen Anreizen eines werbefinanzierten Modells. Nutzer teilten höchst sensible Informationen mit ChatGPT – von Gesundheitsängsten bis zu Beziehungsproblemen. Ein Werbegeschäft auf diesem „beispiellosen Archiv menschlicher Offenheit“ aufzubauen, berge enorme Risiken der Nutzer-Manipulation.

KI-Branche spaltet sich in Werbe-Befürworter und -Gegner

Mit seinem Werbe-Ausstieg reiht sich Perplexity bei Anthropic ein, einem weiteren großen Player, der werbefreie Monetarisierung strikt ablehnt. Anthropic positioniert seinen Claude-Chatbot als werbefreie Umgebung für konzentriertes Arbeiten. Anfang Februar 2026 schürte das Unternehmen die Branchendebatte noch mit einer aufsehenerregenden Super-Bowl-Kampagne, die OpenAIs Werbestrategie satirisch aufs Korn nahm. Die Spots zeigten emotionale Nutzeranfragen, die von unerwünschten Produktwerbungen unterbrochen werden.

Dieses werbefreie Lager steht im scharfen Kontrast zu den Ansätzen von OpenAI und Google. Zwar hält Google seinen Gemini-Chatbot noch werbefrei, doch der Tech-Riese integriert gesponserte Links in die KI-Übersichten seiner traditionellen Suchmaschine. Perplexity distanziert sich bewusst von dieser Google-Strategie. Statt Milliarden von Werbeeinblendungen zu jagen, zielt das Start-up – ähnlich wie Anthropic – auf professionelle Nutzer und Unternehmen.

Wirtschaftlicher Druck treibt die Suche nach Einnahmequellen

Hinter der Werbedebatte verbergen sich ungelöste wirtschaftliche Herausforderungen. Der Betrieb großer Sprachmodelle verschlingt immense Rechenressourcen. KI-Unternehmen können nicht ewig von Venture-Kapital leben. Perplexity, derzeit mit etwa 18 Milliarden Dollar bewertet, setzt darauf, dass ein kompromissloses Nutzererlebnis genug Abonnenten anlockt. Der jährliche Umsatz soll bei rund 200 Millionen Dollar liegen.

Die Werbebranche selbst zeigt sich skeptisch gegenüber KI-Formaten. Anzeigenkunden zögern bei Platzierungen, bei denen ihre Markenbotschaften dynamisch umgeschrieben oder falsch zugeordnet werden könnten. Zudem sind Erfolgsmessungen wie Klickraten in Chat-Oberflächen schwieriger als in klassischen Suchmaschinen. Experten sehen in OpenAIs Werbeexperimenten einen Lackmustest: Wird der Weg der sozialen Medien und Suchmaschinen beschritten – oder muss die KI-Branche ein völlig neues, abobasiertes Wirtschaftsmodell erfinden?

Zwei Wege für die Zukunft der KI

Das Jahr 2026 wird zum Live-Test für die konkurrierenden Finanzierungsmodelle. OpenAIs riesige Nutzerbasis von über 800 Millionen wöchentlichen Aktiven bietet nie dagewesenen Werbe-Spielraum. Die Balance zwischen Einnahmen und Nutzerzufriedenheit wird genau beobachtet – auch von Verbraucherschützern, die bestehende Werbekennzeichnungs-Regeln auf KI-Ausgaben anwenden.

Anzeige

Für Unternehmen und Entwickler, die sich auf die neuen Vorgaben einstellen müssen, gibt es jetzt einen kompakten Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung. Das kostenlose E-Book erklärt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassifizierung und die wichtigsten Dokumentationsanforderungen – praxisnah aufbereitet. Jetzt kostenlosen KI-Verordnungs-Leitfaden herunterladen

Perplexity hingegen muss seine kostenlose Stufe ohne Werbeeinnahmen stemmen. Geplant sind strategische Partnerschaften mit Geräteherstellern, um die Suchfunktionen direkt in Hardware zu integrieren. Die Branche bietet Nutzern damit eine klare Wahl: Kostenloser Zugang mit Werbung oder werbefreie Premium-Umgebungen. Der Markt spaltet sich – und mit ihm die Philosophie, wie vertrauenswürdige künstliche Intelligenz finanziert werden soll.

Anzeige

Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?

Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.