Penetrationstests, IT-Tool

Penetrationstests: Vom IT-Tool zur Pflichtaufgabe für Unternehmen

30.01.2026 - 01:13:12

Neue EU-Vorschriften machen regelmäßige Sicherheitstests zur Pflicht. Unternehmen müssen Wirksamkeit ihrer IT-Sicherheit nachweisen, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen.

Penetrationstests werden für Tausende Firmen zur gesetzlichen Pflicht – und zum entscheidenden Nachweis gegenüber Aufsicht und Versicherern.

Die EU-Kommission hat mit ihrem neuen Cybersicherheitspaket vom 20. Januar 2026 den Ton verschärft. In einem regulatorischen Umfeld, das bereits von NIS2 und DORA geprägt ist, wird die Beweislast umgedreht: Unternehmen müssen nicht nur Sicherheitsmaßnahmen implementieren, sondern deren Wirksamkeit auch aktiv und regelmäßig nachweisen. Penetrationstests (Pentests) wandeln sich dadurch von einer technischen Übung zur unverzichtbaren Säule der rechtlichen Konformität.

NIS2 und DORA: Der regulatorische Druck steigt massiv

Zwei EU-Verordnungen treiben die Entwicklung voran. Die NIS2-Richtlinie, seit Ende 2025 in deutsches Recht umgesetzt, hat den Kreis der betroffenen Organisationen drastisch erweitert. Rund 30.000 Unternehmen in Deutschland müssen nun strenge Vorgaben zum Risikomanagement erfüllen. Die Geschäftsführung trägt dabei eine direkte, persönliche Verantwortung.

Für den Finanzsektor setzt der seit Januar 2025 geltende Digital Operational Resilience Act (DORA) noch einen drauf. Kritische Finanzunternehmen sind verpflichtet, alle drei Jahre umfassende, bedrohungsorientierte Penetrationstests (Threat-Led Penetration Testing, TLPT) durchzuführen. Diese simulieren die Vorgehensweise echter Angreifer und gehen weit über einfache Schwachstellenscans hinaus. Die deutsche BaFin nutzt die Ergebnisse, um die Widerstandsfähigkeit des gesamten Sektors zu bewerten.

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EU‑Paket soll Compliance vereinfachen – und standardisieren

Das neue Cybersicherheitspaket der Kommission zielt darauf ab, die bestehenden Regelungen zu optimieren. Ein Kernpunkt ist die Stärkung der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) und die Weiterentwicklung eines einheitlichen europäischen Zertifizierungsrahmens.

Für die Praxis besonders relevant: Ein begleitender Richtlinienvorschlag soll die Umsetzung von NIS2 vereinfachen. Die Idee: Sicherheitszertifikate und standardisierte Testergebnisse könnten zu einer „gemeinsamen Sprache“ werden. Das würde es Unternehmen erleichtern, die Einhaltung von Vorgaben über verschiedene Regulierungen hinweg – von NIS2 bis zum Cyber Resilience Act – nachzuweisen und den bürokratischen Aufwand zu reduzieren.

Hybride Tests: Die Antwort auf KI-gestützte Angreifer

Während der regulatorische Druck steigt, wird auch die Angriffsmethodik raffinierter. Angreifer setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI), um ihre Attacken zu beschleunigen. Traditionelle, rein manuelle Pentests stoßen hier an Grenzen.

Die Antwort der IT-Sicherheitsbranche sind hybride Penetrationstests. Dieser Ansatz kombiniert die Stärken von automatisierten, KI-gestützten Systemen mit der kreativen Expertise menschlicher Sicherheitsspezialisten. Automatisierte Tools durchforsten in kürzester Zeit riesige Datenmengen nach bekannten Schwachstellen. Menschliche Tester konzentrieren sich hingegen auf komplexe, mehrstufige Angriffsszenarien, die Logikfehler oder unkonventionelle Sicherheitslücken ausnutzen – Schwachstellen, die Maschinen oft übersehen.

Mehrwert über die Compliance hinaus

Doch Pentests bieten mehr als nur die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Sie liefern eine realistische Momentaufnahme der tatsächlichen Sicherheitslage. Anhand etablierter Standards wie der OWASP Top Ten können Unternehmen Schwachstellen priorisieren und ihre Sicherheitsbudgets gezielt dort einsetzen, wo das Risiko am größten ist.

In einer angespannten Bedrohungslage helfen sie, Abwehrmechanismen gegen reale Angriffstaktiken zu härten. Und im schlimmsten Fall sind sauber dokumentierte Pentestergebnisse ein entscheidender Nachweis gegenüber Versicherungen und Aufsichtsbehörden. Sie belegen, dass das Unternehmen seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist und Maßnahmen nach dem „Stand der Technik“ umgesetzt hat.

Die Botschaft ist klar: Regelmäßige, tiefgreifende Sicherheitsüberprüfungen sind kein IT‑Sonderwunsch mehr, sondern ein fundamentaler Bestandteil des unternehmerischen Risikomanagements. Wer jetzt in fortschrittliche Teststrategien investiert, sichert nicht nur seine Systeme, sondern auch seine rechtliche Position für die digitalen Herausforderungen der kommenden Jahre.

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