PCB-Preise explodieren: Elektronikindustrie in der Krise
27.04.2026 - 22:19:03 | boerse-global.deDie globale Elektronikbranche steckt in einer massiven Lieferkettenkrise – die Preise für Leiterplatten (PCBs) sind im April um bis zu 40 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Auslöser ist der eskalierende Konflikt im Nahen Osten, der die Produktion essenzieller Rohstoffe lahmlegt.
Analysten von Goldman Sachs und aktuelle Branchenberichte bestätigen: Der Preisschock hat eine klare Ursache. Ein militärischer Angriff Anfang April traf den petrochemischen Komplex Jubail in Saudi-Arabien. Betreiber ist SABIC – ein Unternehmen, das rund 70 Prozent des weltweiten Bedarfs an hochreinem PPE-Harz liefert. Dieses Harz ist unverzichtbar für die Herstellung von Hochleistungs-Leiterplatten.
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Infrastruktur-Schaden legt Harz-Produktion lahm
Seit dem Angriff kann SABIC die Produktion in Jubail nicht wieder aufnehmen. Die Folge: Die globalen Vorräte an hochreinem PPE-Harz sind nahezu aufgebraucht. Hersteller kämpfen um die letzten Bestände, was die Preise weiter in die Höhe treibt. Da es kaum Alternativquellen gibt, die die benötigten Mengen liefern könnten, breitet sich der Engpass wie ein Lauufeuer durch die gesamte Lieferkette aus.
Doch damit nicht genug: Auch Epoxidharz – ein weiterer zentraler Bestandteil der Leiterplattenfertigung – wird knapp. Zulieferer wie Daeduck Electronics berichten von Wartezeiten, die von drei auf bis zu 15 Wochen gestiegen sind. Eine Verfünffachung der Lieferzeit. Große Komponentenhersteller müssen deshalb bestehende Verträge mit ihren Hauptkunden neu verhandeln.
Rohstoff- und Logistikkosten eskalieren
Die Krise beschränkt sich nicht auf Harze. Kupfer macht rund 60 Prozent der Rohstoffkosten für Leiterplatten aus – und der Preis ist seit Jahresbeginn 2026 um bis zu 30 Prozent gestiegen. Kupferfolie, die in den Schichten der Platinen verbaut wird, zieht entsprechend mit.
Auch die Logistik und Hilfsstoffe treiben die Kosten. Die Helium-Spotpreise haben sich in den letzten Wochen nahezu verdoppelt. Grund sind Produktionsausfälle in Katar, die zwischen zehn und 15 Prozent der globalen Helium-Versorgung lahmlegen. Helium wird in zahlreichen Halbleiter- und Elektronikfertigungsprozessen benötigt. Hinzu kommen Engpässe bei Lösungsmitteln für die Fotolithografie – ein Problem, das bald auch große Halbleiterhersteller treffen könnte.
Hardware-Riesen geraten unter Druck
Die explodierenden Kosten zeigen bereits Wirkung bei den großen Technologiekonzernen. Daeduck Electronics, ein wichtiger Zulieferer für Samsung, SK Hynix und AMD, verhandelt über Preiserhöhungen, um den 40-prozentigen Anstieg der PCB-Produktionskosten auszugleichen. Auch Victory Giant Technology, das unter anderem Nvidia beliefert, warnt: Bleiben die geopolitischen Spannungen hoch, werden die Preise in den kommenden Monaten weiter steigen.
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Der Markt für Unterhaltungselektronik wird die Folgen deutlich spüren. Zwar stabilisierten sich die Großhandelspreise für die RTX-50-Serie im April noch leicht – doch die steigenden Kosten für Board-Komponenten drohen diesen Trend umzukehren. Analysten befürchten, dass viele Produkte vom Massenmarkt zum Premiumsegment abwandern.
Marktanalyse: Wachstum nur durch höhere Preise
Trotz der Lieferkettenprobleme soll der globale PCB-Markt 2026 um 12,5 Prozent wachsen – auf einen Wert von 95,8 Milliarden Euro. Doch dieses Wachstum ist trügerisch: Es wird fast ausschließlich durch höhere Stückpreise getrieben, nicht durch eine Ausweitung der Produktion.
Die Konsumgüterbranche stellt sich auf einen Abschwung ein. Marktforscher von Gartner prognostizieren, dass die weltweiten PC-Auslieferungen 2026 um 10,4 Prozent zurückgehen werden. Auch der Smartphone-Markt schrumpft – um voraussichtlich 8,4 Prozent. Gründe sind neben den steigenden PCB-Kosten auch explodierende Speicherpreise und die generelle Instabilität der globalen Hardware-Lieferkette.
Ausblick: Warten auf die Wende
Die Erholung des PCB-Marktes hängt maßgeblich davon ab, ob die Produktion im Jubail-Komplex wieder anläuft und sich die Lage im Nahen Osten entspannt. Stand Ende April hat SABIC noch keinen Zeitplan für die Wiederaufnahme der PPE-Harz-Produktion genannt.
Bis dahin versuchen die Hersteller, die Auswirkungen abzufedern: Sie diversifizieren ihre Lieferketten und verschieben produktzyklen. Zwar gibt es positive Signale aus der Software-Ebene – etwa die Entwickler-Betas von watchOS 26.5 und macOS Tahoe 26.5 – doch die Hardware-Basis, auf der diese Systeme laufen, bleibt unter massivem Kostendruck. Für den Rest des Frühjahrs wird die Branche wohl vor allem eines tun: Rohstoffvorräte sichern, statt aggressiv zu expandieren. Wie tief der Riss in der Lieferkette wirklich ist, zeigt sich erst in den kommenden Wochen.
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