OVHcloud, Aktie

OVHcloud Aktie: Public Cloud beschleunigt, Kosten bremsen

25.06.2026 - 11:07:57 | boerse-global.de

OVHcloud verzeichnet stärkstes Quartalswachstum, leidet aber unter massiv gestiegenen Speicherkosten. Die Aktie gibt nach.

OVHcloud Aktie: Public Cloud boomt, Kostenexplosion belastet
OVHcloud - Schreibtisch mit Finanzdiagrammen und Analysen 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das dritte Quartal lieferte OVHcloud das stärkste Wachstum seit Jahresbeginn — und die Aktie gibt trotzdem nach. Ein bekanntes Muster beim französischen Cloud-Anbieter, das diesmal mit konkreten Kostenwarnungen unterfüttert wird.

Zahlen besser als im ersten Halbjahr

Der Quartalsumsatz kletterte auf 289,6 Millionen Euro, ein organisches Plus von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit beschleunigte sich das Wachstum spürbar — über die ersten neun Monate lag die organische Rate noch bei 6,0 Prozent. Treiber war das Public-Cloud-Segment: Mit 65,6 Millionen Euro Umsatz und einem organischen Zuwachs von gut 20 Prozent kehrte es erstmals seit Ende 2023 wieder über diese Schwelle zurück.

Private Cloud, mit 60 Prozent Umsatzanteil nach wie vor das Fundament des Konzerns, wuchs organisch um 4 Prozent auf 174 Millionen Euro. WebCloud legte moderat zu. Die Kundenbindung bleibt stabil: Eine Netto-Umsatzretentionsrate von 102 Prozent signalisiert, dass Bestandskunden im Schnitt mehr ausgeben als im Vorjahr — trotz einiger Abgänge im Hosted-Private-Cloud-Bereich, die auf Broadcom-Preiserhöhungen zurückgehen.

Regional wächst Europa außerhalb Frankreichs mit 7,4 Prozent organisch am schnellsten, mehr als doppelt so stark wie im ersten Halbjahr.

Kosten fressen Investitionsappetit

Was Investoren nervös macht, liegt auf der Kostenseite. CFO Stéphanie erläuterte, dass sich die Preise für Speicherkomponenten binnen zwölf Monaten versechsfacht haben — bis September 2026 könnte der Faktor neun erreicht sein. Zusätzlich steigen Festplatten- und möglicherweise CPU-Preise. OVHcloud reagiert mit vorgezogenen Einkäufen, gesicherter Lieferkette und Preiserhöhungen, die im April und Mai eingeführt wurden. Der Effekt auf das Neunmonatswachstum lag bisher unter einem halben Prozentpunkt.

Für September sind weitere Preisanpassungen geplant, die das Unternehmen zuerst mit seinen Kunden kommunizieren will, bevor der Markt informiert wird. Das CapEx-Ziel für das Gesamtjahr bleibt bei 33 bis 35 Prozent des Umsatzes — eine erhöhte Investitionsintensität, die den freien Cashflow kurzfristig belastet.

CEO Octave Klaba zog eine klare Linie bei der Verschuldung: Ein Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA über dem Faktor 3 sei eine "rote Linie", die das Unternehmen nicht überschreiten werde.

KI und Jahresausblick

OVHcloud baut sein KI-Standbein aus. Neben der laufenden Integration der KI-Firma Dragon LLM befinden sich exklusive Verhandlungen zur Übernahme von Gladia, einem Spezialisten für Sprach-KI. Außerdem präsentierte das Unternehmen auf der VivaTech-Messe einen Vorgeschmack auf OVHai Workspace, eine agentenbasierte KI-Plattform. Klaba hält die KI-Ambitionen für realistisch: Die Einstiegskosten seien heute acht- bis zehnmal niedriger als vor einigen Jahren, europäische Souveränitätsanforderungen öffneten einen Markt, den die großen US-Anbieter nicht vollständig abdecken.

Einen strategischen Rückenwind liefert die Auswahl durch die Europäische Kommission: Ein Konsortium aus OVHcloud, DEEP und Clever Cloud soll die souveräne Cloud-Infrastruktur für EU-Institutionen bereitstellen — ein Vertrag mit einem Maximalwert von 180 Millionen Euro über sechs Jahre.

Die Jahresprognose bleibt unverändert: organisches Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent, wobei das Management die Zielspanne eher nach oben ausreizen dürfte. Am 20. Oktober 2026 folgen die Jahreszahlen — dann wird sich zeigen, ob die Preiserhöhungen im September die Margen stützen oder Kundenreaktionen ausgelöst haben.

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