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Otto Group setzt mit Nvidia auf KI-gesteuerte Roboter-Koordination

15.01.2026 - 23:03:12

Die Otto Group investiert Millionen in eine KI-gesteuerte Plattform mit Nvidia, um Roboterflotten in über 120 Lagern durch digitale Zwillinge zu orchestrieren und die Effizienz zu steigern.

Der deutsche Handels- und Dienstleistungskonzern Otto Group geht eine wegweisende Partnerschaft mit dem KI-Chip-Spezialisten Nvidia ein. Ziel ist der Aufbau eines europaweit einzigartigen, KI-gesteuerten Koordinationssystems für Roboterflotten in über 120 Logistikzentren. Diese Investition in die sogenannte „Physical AI“ soll die Effizienz der gesamten Lieferkette revolutionieren.

Ein digitales Gehirn für die Logistik

Herzstück der Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Reply ist eine „Robotic Coordination Layer“. Dieses virtuelle Navigationssystem fungiert als zentrales Nervensystem für alle automatisierten Systeme in einem Lager. Angetrieben von Nvidias Omniverse– und Isaac Sim-Plattformen verbindet es reale Roboter mit einem dynamischen Digitalen Zwilling des Lagers.

In dieser physikalisch genauen Simulation werden alle Roboter in Echtzeit abgebildet und gesteuert. Den ersten Schritt übernimmt Reply: Ein Sensor-roboter von Boston Dynamics erfasst die gesamte Lagerhalle, um das virtuelle Modell zu erstellen. Dieser „Simulation-First“-Ansatz erlaubt es, verschiedene Roboter erst im digitalen Raum zu trainieren und zu testen – lange vor dem realen Einsatz.

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Vom Pilotprojekt zum Netzwerk-Standard

Die praktischen Auswirkungen sind enorm. Bislang arbeiten Roboter verschiedener Hersteller oft isoliert. Die neue Koordinationsebene soll diese Silos aufbrechen. Sie integriert sich in bestehende Managementsysteme, um komplexe Abläufe zu orchestrieren. Virtuell können so Layouts optimiert und Spitzenlasten – wie in der Weihnachtszeit – simuliert werden, um den optimalen Mix aus Robotern und Personal zu planen.

Die Blaupause für diese Transformation entsteht im Hermes Fulfilment-Zentrum in Löhne. Hier investiert die Otto Group einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in die erste Phase. Nach erfolgreichem Rollout übernimmt die interne Division Otto Group One.O die Weiterentwicklung und Skalierung auf weitere Standorte. Für Vorstandsmitglied Kay Schiebur ist dies die nächste Stufe der intelligenten Automation.

Physical AI: Der neue Wettbewerbsfaktor

Die Partnerschaft kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Während Konkurrenten wie Amazon bereits über eine Million Roboter einsetzen, bleibt die Koordination unterschiedlicher Systeme eine große Herausforderung. Der Trend geht klar zu Physical AI, bei der KI nicht nur Daten analysiert, sondern durch Roboter physisch in die reale Welt eingreift.

Experten sehen in digitalen Zwillingen bereits einen neuen Standard für große Roboter-Projekte. Die Möglichkeit, Systeme kostengünstig in der Simulation zu validieren, wird essenziell. Für Nvidia ist es die erste Kooperation dieser Tiefe mit einem europäischen Händler – ein Signal für den technologischen Aufholbedarf der Region. Ähnliche Bestrebungen zeigen sich auch in Projekten wie SAPs „Embodied AI“.

Eine Blaupause für die gesamte Branche

Die erfolgreiche Umsetzung in Löhne soll ein skalierbares Modell für die gesamte Otto Group und potenziell die Logistikbranche liefern. Die langfristige Vision ist eine Lieferkette, in der intelligente Roboterflotten nahtlos zusammenarbeiten. Sie soll Effizienz steigern, Lieferzeiten verkürzen und die Agilität gegenüber Marktschwankungen erhöhen.

Die Kern-Technologie, die Nvidias KI-Software auf der Google Cloud-Infrastruktur nutzt, bietet eine robuste Grundlage. Die Branche wird genau beobachten, ob diese lückenlose Integration von digitalem Zwilling und physischer Robotik neue Produktivitätsmaßstäbe setzt. Eines ist klar: Die Orchestrierung von Roboter-Arbeitskräften wird künftig genauso wichtig sein wie das Management menschlicher Teams.

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