Orthorexie, Ernährung

Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zur Zwangsstörung wird

31.01.2026 - 10:56:12

Die Fixierung auf reines Essen nimmt zu und führt zu sozialer Isolation. Experten warnen vor Orthorexia nervosa, einer Störung, die durch Kontrollzwang und Moralisierung gekennzeichnet ist.

Immer mehr Menschen entwickeln eine krankhafte Fixierung auf „reines“ Essen. Experten warnen vor der Zunahme von Orthorexia nervosa – einer Störung, die oft übersehen wird.

Essen als Ersatzreligion in unsicheren Zeiten

Für viele wird der eigene Speiseplan zum letzten Kontrollbereich in einer chaotischen Welt. Führende Ernährungspsychologen wie PD Dr. Thomas Ellrott sehen darin eine Bewältigungsstrategie. Während globale Krisen als überwältigend empfunden werden, bietet das eigene Essen eine scheinbare Zone der absoluten Souveränität.

Der aktuelle „Trendreport Ernährung“ bestätigt diese Entwicklung. Das Motiv hat sich verschoben: Es geht nicht mehr nur um Gesundheit, sondern um moralische Überlegenheit. „Clean Eating“ wird zum Statussymbol und Gefühl ethischer Erhabenheit.

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Der zwanghafte Drang zum perfekten Bissen

Die Schattenseite dieser Entwicklung heißt Orthorexia nervosa. Obwohl sie in Diagnosehandbüchern wie ICD-11 noch nicht als eigenständige Störung gelistet ist, rückt sie zunehmend in den klinischen Fokus. Im Gegensatz zu Magersucht steht hier nicht die Menge, sondern die fanatisch überwachte Qualität der Nahrung im Vordergrund.

Betroffene verbringen Stunden mit der Prüfung von Inhaltsstoffen und der Planung von Mahlzeiten. Soziale Medien befeuern diesen Trend massiv: Algorithmen auf Plattformen wie TikTok belohnen extreme Ernährungsformen. Was als Gesundheitsbewusstsein beginnt, endet oft in sozialer Isolation, weil gemeinsames Essen unmöglich wird.

Biohacking: Der datengetriebe Heilsweg

Parallel etabliert sich eine technologische Spielart dieses Kontrollzwangs: das Biohacking. Der Longevity-Markt boomt, und Wearables übernehmen die Rolle moderner Glaubensartefakte.

  • Glukose-Tracker für Gesunde: Ursprünglich für Diabetiker entwickelte Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) werden zunehmend von Gesunden genutzt.
  • DNA-Tests als Dogma: Gentests zur „optimalen“ Ernährung gelten als ultimativer Wegweiser. Abweichungen werden wie eine Sünde gegen den eigenen Körper betrachtet.

Diese „Datafizierung“ des Körpers verspricht ein verlängertes Leben und ähnelt in ihrem Heilsversprechen traditionellen Religionen.

Die Spaltung am Esstisch

Die gesellschaftlichen Folgen sind drastisch. Soziologen beobachten die Entstehung starrer „Gastro-Identitäten“. Ob Vegan, Keto oder Carnivore – die Ernährungsweise wird zum primären Merkmal der sozialen Zugehörigkeit.

Diese Gruppen funktionieren wie Sekten mit eigenen Ritualen und einer starken Abgrenzung nach außen. Die Ernährungspsychologin Prof. Dr. Britta Renner warnt vor der zunehmenden Moralisierung: Wer sich „schlecht“ ernährt, wird stigmatisiert. Die Toleranz schwindet, der gesellschaftliche Diskurs wird polarisiert.

Gibt es einen Ausweg aus dem Kontrollzwang?

Trotz der düsteren Prognose formiert sich eine Gegenbewegung. Konzepte wie „Intuitive Eating“, die auf das natürliche Körpergefühl setzen, gewinnen als Antithese an Bedeutung. Die zentrale Herausforderung bleibt: Die Grenze zwischen gesundem Bewusstsein und krankhafter Obsession muss früher erkannt werden – bevor der gesunde Apfel zur vergifteten Frucht der Isolation wird.

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