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Oracle Aktie: Junk-Status rückt näher

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 20:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracles Kreditrisiko erreicht Rekordniveau, während ein Pentagon-Auftrag kaum Kursimpulse liefert. Die Bonitätssenkung durch S&P gefährdet den Investment-Grade-Status.

Oracle Aktie unter Druck: Ramsch-Rating droht trotz Milliarden-Deal
Abstrakte Darstellung eines fallenden Markttrends vor einem dunklen, professionellen Finanzhintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Pentagon-Auftrag über fast sieben Milliarden Dollar sollte eigentlich für Kursfeuerwerk sorgen. Bei Oracle passiert das Gegenteil: Die Aktie gibt trotz der Nachricht nach, während parallel ein Kreditrisiko-Indikator auf ein Allzeithoch klettert. Die Bondmärkte senden ein Warnsignal, das lauter ist als jede Regierungsvereinbarung.

CDS-Spread auf Rekordniveau

Der Credit Default Swap von Oracle — quasi die Versicherungsprämie gegen einen Zahlungsausfall — erreichte mit 198,23 Basispunkten einen historischen Höchststand. Das ist kein Nebengeräusch, sondern die direkte Reaktion auf eine Herabstufung: Die Ratingagentur S&P senkte die Kreditwürdigkeit im Juli auf BBB-, die unterste Stufe im Investment-Grade-Bereich. Eine weitere Herabstufung würde Oracle in den Ramsch-Status katapultieren und dürfte automatische Verkäufe durch Fonds auslösen, die nur Investment-Grade-Anleihen halten dürfen.

Das Ausmaß ist beträchtlich: Oracle hält rund 117 Milliarden Dollar an Anleihen im US-amerikanischen High-Grade-Index von Bloomberg und ist damit der größte nicht-finanzielle Unternehmensschuldner in diesem Segment. Wie ernst die Lage inzwischen genommen wird, zeigt der Fall eines Rechenzentrums in Wisconsin: Regulierungsbehörden verweigerten dort eine Befreiung von einer Sicherheitsleistung über sieben Milliarden Dollar, weil das aktuelle Rating zwei Stufen unter der dafür nötigen Single-A-Schwelle liegt. Die jährlichen Zusatzkosten dafür übersteigen 100 Millionen Dollar.

Kapitalintensives Wachstum trifft auf sinkende Bonität

Der Kern des Problems liegt im Geschäftsmodell selbst. Oracle hat sich auf einen 300 Milliarden Dollar schweren Vertrag mit OpenAI festgelegt und baut dafür massiv Cloud-Infrastruktur aus. Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende Mai schloss, stieg der Gesamtumsatz zwar um 17 Prozent auf einen Rekordwert von 67,4 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow rutschte jedoch wegen der Investitionen ins Negative — minus 23,7 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig explodierte der Auftragsbestand: Die Remaining Performance Obligations kletterten im Jahresvergleich um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar. Das zeigt enorme künftige Erlöspotenziale, verschärft aber kurzfristig genau das Problem, das die Bondmärkte umtreibt — Oracle braucht frisches Kapital zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzierungskosten wegen der schwächeren Bonität steigen.

Der Pentagon-Deal als Gegengewicht

Der neue Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium bündelt erstmals sämtliche Oracle-Lizenzen der Teilstreitkräfte, der Küstenwache und der Nachrichtendienste in einer einzigen Rahmenvereinbarung. Über eine fünfjährige Bestellperiode beläuft sich der Basiswert auf 3,311 Milliarden Dollar, mit einer Option auf bis zu 6,99 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Das Pentagon beziffert die Einsparungen für die Steuerzahler auf mindestens 441 Millionen Dollar — es ist der zweite große Konsolidierungsdeal binnen weniger Monate, nachdem Microsoft im Mai einen ähnlichen Vertrag über 9,69 Milliarden Dollar erhalten hatte.

Für Oracle liefert das ein stabiles, planbares Regierungsgeschäft als Gegengewicht zum kapitalhungrigen KI-Ausbau. Hinzu kommen Berichte, wonach Oracle bei einem Cloud-Großauftrag der japanischen Regierung vor Konkurrenten wie AWS, Azure und Google Cloud liegt. Am Kapitalmarkt überwiegt bei Analysten weiterhin Optimismus: 37 Kaufempfehlungen stehen fünf Halteempfehlungen und einer Verkaufsempfehlung gegenüber. CLSA initiierte die Coverage zuletzt mit einem Kursziel von 145 Dollar, während Fair-Value-Modelle einen Wert von 154,72 Dollar sehen — deutlich über dem aktuellen Kursniveau nahe dem 52-Wochen-Tief.

Die Aktie hat binnen eines Jahres rund 52 Prozent verloren, seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 40,9 Prozent. Ob sich das Blatt wendet, hängt nun maßgeblich von der nächsten Ratingüberprüfung durch S&P oder Moody's ab — sie entscheidet darüber, ob Oracle im Investment-Grade-Bereich bleibt oder in Richtung Ramschstatus abrutscht.

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