Oracle Aktie: Downgrade verpufft
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 00:42 Uhr, Redaktion boerse-global.deEine Ratingherabstufung sollte Anleger eigentlich nervös machen. Bei Oracle passierte am Donnerstag das Gegenteil: Die Aktie legte um rund 2,9 Prozent auf 144,58 Dollar zu — trotz einer frischen Bonitätsabstufung durch S&P Global Ratings.
Die Ratingagentur senkte Oracles langfristiges Emittentenrating von "BBB" auf "BBB-", der Ausblick bleibt stabil. Damit steht der Softwarekonzern nur noch eine Stufe über dem Ramschbereich. Für einen Tech-Blue-Chip ist das ein deutliches Signal — Anleger blendeten es am Donnerstag jedoch aus und richteten den Blick lieber auf den gewaltigen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar im Cloud-Geschäft.
Warum S&P die Reißleine zieht
Die Begründung der Ratingagentur liest sich unbequem. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet S&P nun mit Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden Dollar — deutlich mehr als die zuvor veranschlagten 60 Milliarden Dollar. Grund sind die explodierenden Kosten für KI-Chips und neue Rechenzentren.
Parallel dazu soll sich das Defizit beim freien Cashflow im Geschäftsjahr 2027 auf 42 Milliarden Dollar fast verdoppeln, von zuvor prognostizierten 24 Milliarden Dollar. Die Verschuldung im Verhältnis zum Ebitda dürfte dabei in einen Bereich steigen, den S&P für ein normales BBB-Profil als zu riskant einstuft.
Ein Kunde, viele Fragezeichen
Hinzu kommt eine ausgeprägte Kundenkonzentration: OpenAI steht für etwa die Hälfte von Oracles verbleibenden Auftragsverpflichtungen. Gerät die KI-Branche mit ihrem volatilen Wachstumspfad ins Straucheln, träfe das Oracle überproportional.
Um sein Investment-Grade-Rating zu verteidigen, setzt der Konzern verstärkt auf Eigenkapital. Nach einer Wandelvorzugsaktien-Emission über 5 Milliarden Dollar im Februar 2026 plant Oracle für später in diesem Jahr eine weitere Kapitalerhöhung über 20 Milliarden Dollar, in den kommenden drei Jahren sollen weitere zweistellige Milliardenbeträge folgen. Die Gesamtverschuldung liegt aktuell bei 167 Milliarden Dollar.
Der Kurs selbst zeichnet ein wechselhaftes Bild der vergangenen Monate. Von rund 140 Dollar im April aus kletterte die Aktie bis Anfang Juni auf etwa 250 Dollar — dort war dann aber Schluss, die Erholung löste sich seither weitgehend wieder auf.
Im operativen Geschäft läuft parallel der Ausbau fort: Oracle wurde diese Woche Gründungspartner von IMSA Labs, einer neuen Innovationsplattform der Motorsport-Organisation International Motor Sports Association. Über das Oracle Cloud Innovation Studio sollen Startups künftig Zugang zu Renndaten und Cloud-Infrastruktur erhalten — ein kleiner, aber symbolischer Baustein im Ausbau des Cloud-Ökosystems, während die Bilanzdiskussion im Hintergrund weiterläuft.
Die Diskrepanz zwischen Rating-Warnung und Kursreaktion zeigt, wie unterschiedlich Markt und Ratingagentur die Lage derzeit gewichten. Während S&P auf Verschuldung und Cashflow-Defizit schaut, preisen Anleger offenbar weiter das langfristige Wachstumsversprechen der KI-Wette ein.
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