Oracle Aktie: CDS-Kosten erreichen 212 Basispunkte
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 07:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle steckt zwischen zwei Erzählungen fest. Auf der einen Seite wächst die Sorge der Kreditmärkte vor den Schuldenlasten des Konzerns aus dem KI-Ausbau, auf der anderen Seite verweist das Unternehmen auf einen historisch hohen Auftragsbestand und eine kräftig wachsende Cloud-Sparte. Die Aktie notierte am Dienstag bei 105,50 Euro und damit erneut nahe ihrem Jahrestief.
Kreditausfallversicherungen auf Rekordniveau
Die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Oracles sind laut Whalesbook-Autorin Riya Kapoor auf ein Rekordhoch von 212 Basispunkten geklettert. Das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital liegt demnach bei 3,21 – ein Wert, der die Nervosität der Anleihemärkte erklärt. Bloomberg berichtet parallel über eine schwächelnde Nachfrage nach KI-bezogenen Anleihen insgesamt: BlackRock musste für eine 12,5 Milliarden Dollar schwere Anleihe zur Finanzierung eines Meta-Rechenzentrums in Texas eine Rendite von 7,53 Prozent bieten, die Überzeichnung fiel mit dem 1,6-Fachen so niedrig aus wie nie zuvor bei einer solchen Großanleihe. Die Ratingagentur Fitch warnt zudem, eine Korrektur am KI-Markt stelle ein erhebliches Kreditrisiko dar – neben Oracle nennt die Agentur auch Amazon, Alphabet, Nvidia, Meta und SpaceX als Emittenten der jüngsten KI-Anleihewelle von zusammen 182 Milliarden Dollar. Auch CNBC verweist auf Warnungen von Moody's zu den steigenden KI-Investitionen des Konzerns.
Diese Verwerfungen sind kein Oracle-spezifisches Phänomen. Goldman Sachs prognostiziert laut StockScreener, dass die großen Hyperscaler ihre KI-Investitionen 2027 zu rund 35 Prozent über Schulden finanzieren werden, nach 26 Prozent im Jahr 2025. Der Trend erhöht den Druck auf die Kapitalkosten der gesamten Branche und trifft Oracle wegen seines vergleichsweise hohen Verschuldungsgrads besonders sichtbar.
Starke operative Zahlen als Gegengewicht
Dem Schuldenthema stehen robuste Geschäftszahlen gegenüber. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 wuchs der Konzernumsatz um 17 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar, die Cloud-Erlöse legten um 39 Prozent auf 34 Milliarden Dollar zu. Der Auftragsbestand (RPO) sprang um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar – ein Wert, den mehrere Analysten als Beleg für die tatsächliche Nachfrage nach Oracles KI-Infrastruktur werten. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 stellt Oracle einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 8,05 Dollar in Aussicht. Ein Analyst bei Ainvest bezeichnet die Aktie bei einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,5 auf Basis der Gewinnschätzungen als „bedingtes Schnäppchen“ – deutlich günstiger als der breite amerikanische Aktienmarkt.
Analysten uneins, Hedgefonds vorsichtig
Der Konsens der Analysten bewertet Oracle weiterhin mit „Moderate Buy“ und einem durchschnittlichen Kursziel von etwas über 265 Dollar. Die Analysten von Mizuho sehen laut CNBC sogar Potenzial für eine Kursverdopplung. Gleichzeitig zeigen sich institutionelle Investoren zurückhaltender: Der Hedgefonds Night View Capital reduzierte seine Oracle-Position im zweiten Quartal, wie Insider Monkey berichtet, nachdem die Cloud-Zahlen zuvor kräftig zugelegt hatten. Zum Ende des ersten Quartals hielten laut derselben Auswertung 115 Hedgefonds Anteile an Oracle, mehr als zum Jahresbeginn.
Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen: Der 14-Tage-RSI von 33,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie, nachdem der Titel binnen zwölf Monaten um 51,26 Prozent nachgegeben hat. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall, in dem robuste operative Kennzahlen gegen wachsende Zweifel der Kreditmärkte an der Finanzierung des KI-Ausbaus antreten.
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