Oracle, Aktie

Oracle Aktie: CDS auf Rekordniveau gestiegen

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 00:01 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Oracles Aktie verliert binnen 30 Tagen fast ein Drittel ihres Werts, während die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf ein Rekordhoch steigen.

Oracle Aktie: CDS-Rekord und China-Konkurrenz belasten Kurs
Abstrakte digitale Landschaft, die den Technologiesektor und erhöhte finanzielle Risiken darstellt, mit subtilen roten Akzenten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Oracle-Aktionäre erleben gerade eine der schwärzesten Phasen der Firmengeschichte. Am Freitag stieg die Aktie zwar um 1,79 Prozent auf 110,56 Euro. Das ändert aber nichts an einem verheerenden Monat: Binnen 30 Tagen hat das Papier fast ein Drittel seines Werts verloren.

Noch alarmierender ist ein Signal aus dem Kreditmarkt. Die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall von Oracle stiegen am Freitag auf ein Rekordniveau. Investoren verlangen so viel Schutzgeld wie nie zuvor für Oracle-Anleihen.

China-Konkurrenz trifft Oracles Wachstumsstory

Der Auslöser für die jüngste Verschärfung: ein neues chinesisches KI-Modell, das mit Angeboten von OpenAI konkurrieren könnte. Für Oracle ist das brisant. Der gesamte Wachstumskurs des Konzerns basiert auf gigantischen, mehrjährigen Infrastrukturverträgen für KI-Rechenzentren.

Unternehmen in den USA wechseln zunehmend zu günstigeren chinesischen KI-Modellen. Der Abstand zur Leistung amerikanischer Spitzenmodelle schrumpft, während die Kosten deutlich niedriger bleiben. Seit Anfang Februar liegt der Anteil chinesischer Modelle an der Nutzung durch US-Firmen konstant über 30 Prozent, zeitweise sogar bei 46 Prozent.

Für Oracle wirft das eine unbequeme Frage auf. Wenn selbst die Nachfrage-Ökonomie hinter US-Spitzenmodellen ins Wanken gerät, wie stabil ist dann der milliardenschwere Auftragsbestand des Konzerns wirklich?

Bilanzsorgen verschärfen das Bild

Die China-Nachricht trifft Oracle in einer ohnehin fragilen Verfassung. S&P Global hatte die Kreditwürdigkeit des Konzerns bereits auf BBB- gesenkt – nur eine Stufe über Ramschniveau. Als Begründung nannte die Ratingagentur eine extreme Kundenkonzentration sowie ein erwartetes Defizit beim freien Cashflow von 42 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2027.

Um sein Investment-Grade-Rating zu verteidigen, will Oracle nun 20 Milliarden Dollar an frischem Eigenkapital aufnehmen. Die Ankündigung schürte prompt neue Sorgen um eine Verwässerung der bestehenden Aktionäre.

Charttechnisch zeigt sich das Ausmaß der Verkaufswelle deutlich. Mit einem RSI von 29 gilt die Aktie als überverkauft, was normalerweise eine technische Gegenbewegung begünstigt. Die Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei 47 Prozent – ein Wert, der die Nervosität im Handel unterstreicht.

Analysten sind gespalten. Auf der einen Seite preist der Markt mit dem Kursverfall der letzten zwölf Monate ein hohes Risiko ein, gestützt durch eine implizite Volatilität am Optionsmarkt im 95. Perzentil ihrer Jahresspanne. Auf der anderen Seite verweisen Optimisten auf die vertraglich gesicherte Umsatz-Sichtbarkeit als Grund, die Aktie nicht vorschnell abzuschreiben.

Zwei Kräfte bestimmen jetzt Oracles nächste Kursbewegung. Zum einen die Frage, ob sich der Kurs über seinem jüngsten Jahrestief stabilisieren kann. Zum anderen, ob die Sorgen um die Wirtschaftlichkeit der KI-Infrastruktur – befeuert durch Finanzierungskosten und die neue chinesische Konkurrenz – die Aktie vor den nächsten Quartalszahlen noch tiefer drücken.

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