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Oracle Aktie: 90-Milliarden-Wette auf KI

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 10:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Oracles massiver Schuldenaufbau für KI-Investitionen führt zu Rekordverlusten und einer Herabstufung durch S&P.

Oracle-Aktie: Milliarden-Wette auf KI-Infrastruktur belastet Kurse
Abstrakte, atmosphärische Szene eines riesigen, futuristischen Rechenzentrums mit blauen und violetten Lichtern, die Innovation und KI-Investitionen symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Larry Ellison verwandelt Oracle gerade in etwas völlig anderes. Aus dem soliden Datenbank-Anbieter wird ein gigantischer, schuldenfinanzierter Infrastruktur-Betreiber für künstliche Intelligenz. Der Markt quittiert diesen Umbau derzeit mit einer schmerzhaften Neubewertung.

Nach einem Schlusskurs von 112,18 Euro am Dienstag steckt die Aktie mitten in einem steilen Absturz. Der 30-Tage-Wert liegt bei minus 32,54 Prozent. Damit kratzt Oracle am 52-Wochen-Tief von 111,58 Euro, erreicht genau an diesem Dienstag. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 32,83 Prozent zu Buche, auf Zwölf-Monats-Sicht sind es sogar 44,62 Prozent.

Die 90-Milliarden-Last

Der Kern des Problems: Oracle sitzt auf einem Rekordauftragsbestand, aber die Bilanz blutet. Die sogenannten Remaining Performance Obligations, also die noch nicht abgerechneten Auftragsverpflichtungen, belaufen sich auf gewaltige 638 Milliarden US-Dollar. Um dieses künftige Geschäft überhaupt liefern zu können, plant Oracle für das Geschäftsjahr 2027 Investitionen von über 90 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2026 waren es noch 55,7 Milliarden US-Dollar.

Diese Eskalation verändert das Unternehmen von Grund auf. Der freie Cashflow, einst das Fundament der Oracle-Investmentstory, kippte von plus 11,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf minus 23,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026. Um diese Lücke zu stopfen, greift Oracle massiv zu Fremdkapital. Die Nettoverschuldung liegt inzwischen bei 97,6 Milliarden US-Dollar.

Die Ratingagentur S&P hat reagiert und Oracle auf BBB- herabgestuft. Nur noch eine Stufe trennt den Konzern vom Ramschstatus. Für ein Unternehmen, das jahrzehntelang als Cashflow-Maschine galt, ist das ein bemerkenswerter Fall.

Ein Klumpenrisiko namens OpenAI

Die Partnerschaft mit OpenAI treibt Oracles Auftragsbestand um 363 Prozent im Jahresvergleich nach oben. Genau darin liegt aber auch die Gefahr. Analysten schätzen, dass OpenAI für rund die Hälfte des KI-bezogenen Auftragsbestands verantwortlich ist.

Diese Konzentration erzeugt einen Dominoeffekt: Sollte OpenAIs Wachstum ins Stocken geraten oder sich der Rechenzentrumsbedarf verschieben, bleibt Oracle an langfristige Leasingverträge und Infrastruktur gebunden. Diese Anlagen lassen sich weder leicht liquidieren noch umwidmen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat kürzlich vor genau diesem Muster gewarnt: schuldenfinanzierter KI-Ausbau mit zirkulärer Finanzierung, bei der Cloud-Anbieter und KI-Start-ups eng verflochten sind. Historische Blasen folgten oft demselben Drehbuch.

Wird Oracle die Produktivitätsgewinne aus der KI schnell genug einfahren, um die Schulden für Projekte wie "Stargate" zu bedienen? Genau das ist die Wette, die Ellison mit seinem Konzern eingegangen ist. Eine schnelle Antwort gibt es darauf nicht.

Überverkauft, aber nicht ungefährlich

Ganz ohne Hoffnungsschimmer ist das Bild trotzdem nicht. Der 14-Tage-RSI ist auf 25,4 gefallen und signalisiert damit eine technisch überverkaufte Aktie. Solche Konstellationen gehen historisch häufig einer Erholungsrally voraus, zumal das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 219,87 Euro liegt. Das entspräche einem Kurspotenzial von 96 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Operativ läuft das Geschäft weiter: Oracle hat gerade eine KI-native Entwicklungsumgebung für seine Fusion Applications vorgestellt, die "agentische" Workflows ermöglichen soll. Die Quartalsdividende von 0,50 US-Dollar bleibt zudem bestehen, ex-Tag war der 10. Juli 2026.

Für die Bilanz zählt das derzeit wenig. Mit einer annualisierten Volatilität von 48,39 Prozent ist Oracle keine ruhige Software-Aktie mehr. Der Titel notiert 60,04 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro, erreicht im September 2025 – auch das ein Beleg dafür, wie viel Risikoprämie der Markt inzwischen für Ellisons KI-Vision verlangt.

Ob sich diese Wette auszahlt, hängt an einer einzigen Frage: Wächst OpenAI schnell genug, um Oracles Rechenzentren zu füllen, bevor die Zinslast auf 97,6 Milliarden Dollar Schulden zum echten Problem wird? Die kommenden Quartale werden zeigen, in welche Richtung sich diese Gleichung entwickelt.

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