Oracle Aktie: 553 Milliarden Dollar Auftragsbestand
05.06.2026 - 23:29:46 | boerse-global.de
Fast neun Prozent Kursverlust an einem einzigen Handelstag — das ist kein normales Rauschen. Oracle-Aktionäre erleben einen Freitag, der die gesamte Spannung rund um das meistbeachtete Quartalsergebnis des Unternehmens seit Jahren auf einen Punkt bringt.
Das Capex-Problem drückt auf die Stimmung
Der Kern des Ausverkaufs ist Oracles milliardenschweres KI-Investitionsprogramm. Rund 50 Milliarden Dollar plant das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 2026 für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur auszugeben — so viel, dass der freie Cashflow ins Negative gerutscht ist. Wann die Ausgaben ihren Höhepunkt erreichen und wann die Cashgenerierung wieder anzieht, hat das Management bislang offengelassen.
Anfang Juni stufte ein Analyst Oracle auf "Hold" herab und nannte explizit Überbewertung, Bilanzdruck und negativen Free Cashflow als Gründe — trotz eines starken KI-Auftragsbestands. Hinzu kommt ungewöhnlich hohes Put-Optionsvolumen, das auf Absicherungsaktivitäten vor dem Ergebnistermin hindeutet. Der Optionsmarkt preist derzeit eine Kursbewegung von rund zwölf Prozent nach den Zahlen ein — in beide Richtungen.
Wall Street bleibt mehrheitlich bullish
Trotz des heutigen Einbruchs hält die Mehrheit der Analysten an positiven Einschätzungen fest. UBS-Analyst Karl Keirstead erhöhte sein Kursziel auf 285 Dollar und bekräftigte seine Kaufempfehlung — nach Gesprächen mit Kunden und Partnern sieht er keine Anzeichen nachlassender Nachfrage. Scotiabank-Analyst Patrick Colville hob sein Ziel auf 290 Dollar an und bewertet die Aktie weiterhin mit "Outperform", erwartet aber kurzfristige Volatilität. Mizuho reiterte sein Outperform-Rating und setzte das Kursziel auf 320 Dollar. Guggenheim hält sogar an einem Kursziel von 400 Dollar und einer Kaufempfehlung fest.
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Einen anderen Ton schlägt RBC Capital an: Die Bank erhöhte ihr Ziel zwar auf 190 Dollar, belässt die Aktie aber nur auf "Sector Perform" — und begründet die Anhebung lediglich mit einer Ausweitung der Peer-Bewertungsmultiplikatoren, nicht mit fundamentaler Überzeugung.
Was der 10. Juni liefern muss
Die Erwartungen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 sind klar umrissen: Wall Street rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 1,95 Dollar — ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr — und einem Umsatz von rund 19,1 Milliarden Dollar, nach 15,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Oracle selbst hatte im März einen Non-GAAP-EPS zwischen 1,96 und 2,00 Dollar sowie ein Cloud-Umsatzwachstum von 46 bis 50 Prozent in Aussicht gestellt.
Die Zahlen zum dritten Quartal hatten noch Appetit gemacht: Der verbleibende Auftragsbestand lag bei 553 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 325 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Cloud-Infrastruktur wuchs um 84 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Die entscheidende Frage für den 10. Juni lautet nun, ob Oracle diese Nachfrage bedienen kann, ohne dabei Margen zu opfern oder die Bilanz weiter zu belasten.
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Bewertungsseitig handelt die Aktie laut einer Analysteneinschätzung auf einem Forward-KGV, das rund 23 Prozent über dem Sektordurchschnitt liegt, beim Kurs-Umsatz-Verhältnis sogar 180 Prozent über den Peers. Auf Jahressicht liegt die Aktie trotz des heutigen Einbruchs noch gut elf Prozent im Plus. Das Ergebnis am 10. Juni entscheidet, ob dieser Aufschlag gerechtfertigt bleibt.
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