Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Dollar Investitionen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

S&P stuft Oracle herab, negative Cashflows belasten. Der Markt fragt nach der Finanzierung des KI-Ausbaus.

Oracle Aktie: Bilanzrisiko überschattet KI-Wachstumsstory
Modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für massive Investitionen in Cloud-Infrastruktur Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wer im September 2025 noch von Oracle als dem großen KI-Infrastruktur-Gewinner sprach, muss heute umdenken. Die Aktie notiert bei 110,92 Euro, satte 60,48 Prozent unter ihrem damaligen Rekordhoch. Erst vor sechs Tagen markierte das Papier mit 105,10 Euro ein neues Jahrestief. Die kleine Erholung der letzten Woche, plus 2,12 Prozent, ändert wenig am Gesamtbild: minus 33,26 Prozent seit Jahresbeginn, minus 46,04 Prozent binnen zwölf Monaten.

Das wirft eine Frage auf, die über Oracle hinausreicht: Wer zahlt eigentlich die Zeche für den KI-Infrastruktur-Boom?

Zwei Lager, ein Gewinner verliert

Der Markt hat KI-nahe Softwarewerte in diesem Jahr sauber sortiert — und Oracle steht auf der falschen Seite. Cloudflare legte binnen eines Monats 18 Prozent zu, Snowflake 16 Prozent. CoreWeave, das im ersten Quartal 2026 einen Verlust von 1,12 Dollar je Aktie meldete, verlor zwar 17 Prozent, bleibt aber Teil derselben spekulativen Wachstumsstory.

Das Paradoxe daran: Oracle ist in dieser Gruppe die einzige profitable Firma. Trotzdem sitzt die Aktie am 52-Wochen-Tief, während unprofitable, aber kapitalleichte SaaS-Anbieter feiern. Der Markt belohnt Auftragsbestand und Umsatzwachstum offenbar nicht mehr automatisch. Er will wissen, wer den Ausbau der KI-Infrastruktur finanziert — und wie viel Schulden dafür nötig sind.

Die Herabstufung, die alles änderte

Am 9. Juli stufte S&P Global die Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herab. Nur noch eine Stufe trennt den Datenbank- und Cloud-Riesen vom Ramschstatus. Als Grund nannte die Ratingagentur die enormen Kosten des KI-Rechenzentrum-Ausbaus.

Die Zahlen dahinter sind hart. Oracle gab im Geschäftsjahr 2026 rund 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen aus und produzierte dabei einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. S&P erwartet, dass es schlimmer wird: Für 2027 rechnet die Agentur mit Investitionen zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar. Die Free-Cashflow-Lücke soll dabei auf etwa 42 Milliarden Dollar anwachsen.

Diese Woche kam ein weiterer Dämpfer hinzu. Die Investmentbank CLSA startete die Bewertung von Oracle mit "Hold" und einem Kursziel von 145 Dollar — eines der niedrigsten an der Wall Street, auch wenn es noch rund 19 Prozent Aufwärtspotenzial impliziert. CLSA rechnet vor, dass Oracle bis 2030 bis zu 500 Milliarden Dollar an Kapital für den Ausbau der KI-Cloud benötigen könnte. Aus eigener Kraft könne das Unternehmen davon nur etwa 20 Prozent stemmen.

Ein Kunde, ein Rechtsstreit, ein Short-Seller

Oracles Schicksal hängt an einem einzigen Kunden. OpenAI macht rund die Hälfte des Auftragsbestands von 638 Milliarden Dollar aus. Diese Konzentration war lange ein abstraktes Risiko — bis Apple Klage gegen OpenAI einreichte. Der Vorwurf: Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen. Apple will die Nutzung der umstrittenen Technologie gerichtlich stoppen lassen.

Für Oracle-Aktionäre ist das keine Randnotiz. Ein Wackeln bei OpenAI trifft direkt den Kern der eigenen Wachstumsstory.

Hinzu kommt prominente Kritik von der Short-Seite. Star-Investor Michael Burry stellte am Wochenende klar, dass er nur die Hälfte seiner Oracle-Shortposition geschlossen hat. Über Put-Optionen mit Laufzeit bis Januar 2027 hält er weiterhin eine substanzielle Wette gegen die Aktie.

Was der Chart zeigt

Technisch wirkt Oracle überverkauft. Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,4 — klassisches Überverkauft-Terrain. Die Aktie notiert 25,78 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 30,68 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 160 Euro. Nur 5,54 Prozent trennen den aktuellen Kurs vom Jahrestief — die Fehlermarge ist dünn geworden.

Bemerkenswert ist die Kluft zum Analystenkonsens: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 218,39 Euro, fast doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. Diese Lücke zeigt, wie weit sich die Marktstimmung von den Modellen der Wall Street entfernt hat.

Die größere Lektion

Oracles Absturz wird zum Lehrstück für den gesamten KI-Infrastruktur-Handel. Auftragsbestand und Wachstumsschlagzeilen reichen dem Markt nicht mehr. Gefordert ist der Nachweis, dass sich kapitalintensive KI-Wetten finanzieren lassen — ohne übermäßige Schulden, ohne Verwässerung der Aktionäre.

Ob Oracle diesen Nachweis erbringt, entscheidet sich weniger am Auftragsbestand, der robust bleibt, als an der Finanzierungsstrategie der kommenden Quartale. Bis dahin bewertet der Markt kapitalhungrige Infrastrukturanbieter wie Oracle zuerst als Bilanzrisiko — und erst danach als KI-Wachstumsstory.

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