Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 42 Milliarden Dollar Cashflow-Defizit

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 20:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracles Aktie fällt trotz Rekord-Auftragsbestand auf Jahrestief. Hohe Investitionen in Cloud-Infrastruktur und Kapitalerhöhung belasten den Kurs.

Oracle Aktie: Milliarden-Auftragsbuch trifft auf 52-Wochen-Tief
Eine weite, leere digitale Landschaft mit abstrakten Datenströmen in kühlen Farbtönen, die ein erhebliches finanzielles Defizit und eine herausfordernde Marktlage darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar auf der einen Seite. Ein Aktienkurs auf 52-Wochen-Tief auf der anderen. Bei kaum einem Tech-Konzern klafft die Lücke zwischen operativer Story und Börsenrealität derzeit so weit auseinander wie bei Oracle.

Am Freitag markierte die Aktie bei 105,10 Euro ein neues Jahrestief. Vom Rekordhoch aus September 2025 bei 280,70 Euro bedeutet das einen Absturz von gut 60 Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 110,20 Euro, ein leichtes Plus von 1,4 Prozent zum Vortag. Das ändert am Bild wenig: Der 14-Tage-RSI liegt bei 28,5, tief im überverkauften Bereich.

Ein teurer Umbau

Oracle ist nicht mehr die margenstarke Softwarefestung von einst. Der Konzern verwandelt sich in einen Cloud-Infrastruktur-Anbieter, und das kostet enorm. Kunde OpenAI soll für fast die Hälfte des aktuellen Auftragsbestands verantwortlich sein. Um solche Aufträge zu bedienen, pumpt Oracle Milliarden in neue Rechenzentren.

Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern Investitionen von bis zu 95 Milliarden Dollar. Das ist eine Wette auf die Zukunft der KI-Infrastruktur – aber eine, die Oracles Bilanz sichtbar belastet. Die Ratingagentur S&P Global stufte die Kreditwürdigkeit jüngst auf BBB- herab, nur eine Stufe über Ramschniveau. Begründung: das gestiegene Kreditrisiko durch die aggressive Expansion.

Noch deutlicher wird der Druck beim Cashflow. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet Oracle mit einem freien Cashflow-Defizit von rund 42 Milliarden Dollar. Ein Auftragsbuch von historischer Größe hilft wenig, wenn das Geld für den Bau der Infrastruktur zunächst nur abfließt.

Die Verwässerungsangst

Um die Lücke zwischen Bauplänen und negativem Cashflow zu schließen, geht Oracle an den Kapitalmarkt. Der Konzern will insgesamt 40 Milliarden Dollar einsammeln, davon 20 Milliarden Dollar über ein laufendes Aktienprogramm am offenen Markt. Frisches Aktienmaterial bedeutet mehr Anteile im Umlauf – und genau das treibt viele Anleger aktuell in die Flucht.

Der Kurs verlor in den vergangenen sieben Tagen weitere 10,6 Prozent, auf Monatssicht sind es fast 31 Prozent. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 33,7 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar knapp 49 Prozent. Die Aussicht auf zusätzliche Aktien wirkt in diesem Umfeld wie ein zusätzliches Gewicht am Kurs.

Parallel zum Kapitalhunger fährt Oracle im Personal zurück. Binnen eines Jahres baute der Konzern 21.000 Stellen ab – ein deutliches Signal, dass das Management den Ausbau der Cloud-Infrastruktursparte über alles andere stellt. Die Zahlen dort geben der Strategie zumindest recht: Im jüngsten Quartal wuchsen die IaaS-Umsätze um 93 Prozent.

Wall Street sieht mehr Wert, als der Kurs zeigt

Genau hier liegt der eigentliche Widerspruch dieser Geschichte. Während der Kurs am Boden liegt, hält die Analystengemeinde an deutlich höheren Bewertungen fest. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 220,24 Euro – gut das Doppelte des aktuellen Niveaus.

Diese Differenz lässt sich nicht wegreden. Entweder hat der Markt die langfristige Substanz der KI-Verträge komplett neu bewertet – oder die Wall Street hängt noch an einer Erzählung, die die Bilanzrealität längst überholt hat. Beide Lesarten sind derzeit plausibel.

Klar ist: Der Markt preist im Moment den Schmerz der Transformation ein, nicht das Versprechen der Aufträge. Ob aus den 638 Milliarden Dollar Backlog jemals genug Cashflow wird, um die wachsende Schuldenlast zu tragen, bleibt die entscheidende Rechnung – und die wird nicht in Quartalen, sondern in Jahren aufgehen.

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