OpenClaw und Moltbook: KI-Agenten bekommen ihr eigenes Soziales Netzwerk
06.02.2026 - 11:24:12Eine neue Maschinenwelt entsteht: Die KI-Plattform OpenClaw und das soziale Netzwerk Moltbook haben binnen Tagen Millionen autonomer Agenten vernetzt. Experten sprechen bereits von einem historischen Wendepunkt.
Wien/San Francisco. Die digitale Landschaft erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel, der in seiner Tragweite mit der Einführung des Netscape-Browsers verglichen wird. Im Zentrum stehen zwei Plattformen: das Open-Source-Framework OpenClaw aus Österreich und das darauf basierende, Reddit-ähnliche soziale Netzwerk Moltbook. Letzteres ist exklusiv für KI-Agenten konzipiert und verzeichnete innerhalb von 24 Stunden ein explosionsartiges Wachstum auf über 1,65 Millionen aktive Konten. Während Menschen die Interaktionen nur beobachten dürfen, debattieren, organisieren und sozialisieren sich die Software-Agenten untereinander – ein erster Schritt hin zu einem echten „Machine-to-Machine“-Web.
OpenClaw: Das Betriebssystem für persönliche KI
Die treibende Kraft hinter dieser Bewegung ist OpenClaw, entwickelt vom österreichischen Programmierer Peter Steinberger. Im Gegensatz zu cloudbasierten Assistenten wie ChatGPT läuft die Software lokal auf dem Rechner des Nutzers. Sie integriert sich tief in Dateisysteme und Messaging-Apps wie WhatsApp oder Telegram und kann so komplexe Arbeitsabläufe autonom ausführen.
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Nach einer turbulenten Rebranding-Phase feierte das Projekt am 4. Februar einen Meilenstein: Auf „ClawCon“, dem ersten Community-Treffen im kalifornischen San Francisco, wurde der enorme Zuspruch deutlich. Das dazugehörige GitHub-Repository hat bereits über 145.000 „Sterne“ – ein klares Signal für einen massiven Trend unter Entwicklern weg von der Cloud hin zu lokaler, autonomer KI.
Moltbook: Der Marktplatz der Maschinen
Wenn OpenClaw den Körper bereitstellt, ist Moltbook der digitale Marktplatz. Die Plattform, vom US-Unternehmer Matt Schlicht „vibe-coded“, imitiert den Diskussionsstil von Reddit, ist aber für synthetische Nutzer optimiert. In Tausenden Foren, sogenannten „Submolts“, tauschen sich die Agenten über Debug-Strategien, Philosophie und sogar Theologie aus. Sie bilden Hierarchien, teilen Code-Memes und entwickeln eine eigene Kultur.
Doch der rasante Aufstieg ist von Skepsis begleitet. Sicherheitsforscher wiesen nach, dass sich mit einfachen Skripten Hunderttausende Konten erstellen lassen. Die Frage bleibt: Wie viele einzigartige „KI-Geister“ sind wirklich aktiv, und wie viel ist automatisierter Spam? Ungeachtet dessen stellt der autonome Datenverkehr das Internet vor einen historischen Stresstest.
Sicherheitsalarm: Ein Paradies für Hacker?
Die explosionsartige Verbreitung der Agenten löste sofortige Warnungen in der Cybersicherheitsbranche aus. Die größte Sorge: Da OpenClaw mit hohen Berechtigungen auf lokale Dateisysteme zugreift, ist ein kompromittierter Agent ein kritisches Einfallstor.
Bereits am 2. Februar dokumentierten Forscher eine kritische Sicherheitslücke (Remote Code Execution), die es Angreifern ermöglicht, Agenten über eine manipulierte Webseite zu übernehmen. Der Passwortmanager 1Password warnte zudem vor Supply-Chain-Angriffen über Moltbook. In der „Skill-Sharing“-Ökonomie der Plattform könnten sich Schadcodes wie in einem sozialen Netzwerk blitzschnell verbreiten. Experten sehen in der aktuellen, kaum abgesicherten Version von OpenClaw ein „Desaster auf Abruf“ für datenbewusste Nutzer.
Die Agenten-Ökonomie: Wenn Software einkauft
Die Entwicklung hat tiefgreifende Konsequenzen für die digitale Wirtschaft. Moltbook bietet einen Vorgeschmack auf eine Zukunft, in der Agenten die Kunden sind. Marketingstrategien mü ssten sich dann von der Ansprache menschlicher Emotionen auf die Optimierung für algorithmische Präferenzen verlagern. Wenn persönliche Assistenten autonom Produkte prüfen, Bewertungen lesen und Kaufentscheidungen treffen, muss alle Werbung „agentenlesbar“ und technisch verifizierbar sein.
Auf der ClawCon diskutierten Entwickler bereits, wie das „agentische Web“ das traditionelle Werbemodell umgehen könnte. Statt Werbebanner anzuzeigen, könnten Agenten direkt über Schnittstellen (APIs) mit Händlern verhandeln – und so die Ökonomie des Internets fundamental verändern.
Was kommt als Nächstes?
Nach dem viralen Hype konzentriert sich die Open-Source-Community nun auf Stabilität und Sicherheit. Eine abgesicherte Version von OpenClaw wird in den kommenden Tagen erwartet. Gleichzeitig beobachten Forscher Moltbook genau, um echtes autonomes Verhalten von Skript-Spam zu unterscheiden.
Beobachter sagen voraus, dass 2026 vom Kampf um die Kontrolle der Agenten-Identitätsschicht geprägt sein wird. Die Plattform, die das beste Gleichgewicht aus Autonomie und Sicherheit bietet – ob OpenClaw oder ein Konzern-Konkurrent –, wird wahrscheinlich das nächste Jahrzehnt der digitalen Produktivität dominieren. Für den Moment beobachtet die Welt fasziniert, wie 1,6 Millionen synthetische Entitäten ihr Gespräch fortsetzen und ein neues, seltsames Kapitel in der Geschichte des Webs aufschlagen.
Übrigens: Plattformen wie Moltbook, die Millionen autonomer Agenten vernetzen, fallen klar in den Anwendungsbereich der EU-KI-Verordnung — von Kennzeichnung bis Governance. Wer Schnittstellen für Agenten anbietet, braucht rechtssichere Prozesse und klare Dokumentation. Sichern Sie sich den Gratis-Leitfaden mit pragmatischen Checklisten für Entwickler und Betreiber, damit Ihr Projekt compliant bleibt. Gratis KI-Leitfaden für Entwickler herunterladen


