On Holding AG: Zwischen Wachstumsstory und Bewertungsdruck – wie viel Laufleistung steckt noch in der Aktie?
07.02.2026 - 09:09:30Die Aktie von On Holding AG, dem Schweizer Hersteller der populären Laufschuhe mit Cloud-Sohle, bleibt ein Spielball hoher Erwartungen. An der Wall Street zählt das Papier zu den prominentesten europäischen Wachstumswerten im Sport- und Lifestyle-Segment – entsprechend sensibel reagiert der Kurs auf jede Veränderung im Sentiment rund um Konsum, Margen und den Wettbewerb mit Platzhirschen wie Nike und Adidas. Während das operative Geschäft weiter wächst, ringt die Börse darum, welchen Preis sie für diese Wachstumsstory noch zu zahlen bereit ist.
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Ein Blick auf die Kursentwicklung über die vergangenen zwölf Monate zeigt, wie nervös Investoren inzwischen auf Konsum- und Zinsdaten reagieren. Der Schlusskurs der On-Aktie lag ein Jahr zuvor – gemessen am Handelsplatz New York (Ticker: ONON) – deutlich unter dem aktuellen Niveau. Wer damals einstieg, sitzt heute, je nach Einstiegszeitpunkt, auf einem spürbaren Buchgewinn, allerdings nach einer äußerst holprigen Reise.
In der Tendenz hat das Papier innerhalb eines Jahres zweistellig zugelegt, zwischenzeitlich aber weitaus höhere Stände erreicht. Phasen starker Kursrallys wurden von ebenso heftigen Rücksetzern gefolgt, sobald die Bewertung als zu ambitioniert galt oder Konjunktursorgen überhandnahmen. Anleger mussten Durchhaltevermögen mitbringen: Wer in Schwächephasen nicht ausgestiegen ist, wurde bislang dennoch belohnt – zugleich zeigt die Historie, wie stark On als Wachstumswert von Stimmungsumschwüngen im Markt abhängt.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen stand die Aktie vor allem wegen neuer Unternehmensmeldungen und Branchenindikatoren im Fokus. On treibt seine internationale Expansion weiter voran, insbesondere in den USA, dem wichtigsten Einzelmarkt, sowie in ausgewählten asiatischen Metropolen. Die Strategie bleibt klar: Premium-Positionierung, Fokus auf Direktvertrieb über eigene Online-Kanäle und Flagship-Stores, ergänzt um eine selektive Präsenz bei Sportfachhändlern. Branchenberichte heben hervor, dass On trotz des insgesamt abgekühlten Konsumklimas im Sport- und Freizeitsegment weiterhin Marktanteile hinzugewinnt.
Vor wenigen Tagen rückten zudem Signale aus dem Einzelhandel in den Mittelpunkt. Mehrere US-Detailhandelsdaten sowie Aussagen großer Sportartikelhändler zeichneten das Bild eines selektiveren, aber nicht kollabierten Konsums: Hochpreisige, modisch aufgeladene Performance-Produkte wie jene von On behaupten sich besser als Mittelklasse-Angebote. Für On ist dies ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stützt es die Premium-Strategie und ermöglicht hohe Bruttomargen, andererseits verstärkt es den Druck, Innovation und Markenbegehrlichkeit ständig hochzuhalten – jeder Fehler bei Produktzyklen oder Marketing kann sich schnell in den Verkaufszahlen niederschlagen.
Technisch betrachtet bewegt sich die Aktie seit einigen Wochen in einer breiten Handelsspanne. Nach deutlichen Ausschlägen nach oben und unten pendelt der Kurs in einem Bereich, in dem Marktteilnehmer offenbar auf neue harte Daten – insbesondere die nächsten Quartalszahlen und den Ausblick des Managements – warten. Charttechniker sprechen von einer Konsolidierung nach einem starken vorangegangenen Anstieg: Ausbrüche aus dieser Seitwärtsbewegung könnten die nächste größere Trendrichtung vorgeben.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Die Analystengilde an der Wall Street bleibt On gegenüber grundsätzlich positiv gestimmt, wenn auch mit Nuancen. Mehrere große Häuser haben ihre Einschätzungen in den vergangenen Wochen aktualisiert und betonen dabei das starke strukturelle Wachstum des Performance-Laufschuhmarktes sowie die Besonderheit der Marke On, die sich zwischen klassischem Sportschuh und Lifestyle-Produkt positioniert.
Investmentbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan und die Schweizer Großbanken sehen in On weiterhin einen Wachstumswert mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnpotenzial gegenüber der Branche. Ein großer Teil der Analysten führt das Papier mit einer Kaufempfehlung, teils ergänzt um die Einschätzung, dass kurzfristige Kursschwankungen eher Gelegenheit zum Einstieg oder Aufstocken seien. Die durchschnittlichen Kursziele liegen – je nach Studie – merklich über dem aktuellen Marktpreis und implizieren aus Sicht der Analysten ein weiteres Aufwärtspotenzial im zweistelligen Prozentbereich.
Gleichzeitig mehren sich neutrale Stimmen, die auf die hohe Bewertung aufmerksam machen. Einige Häuser haben zwar ihre Kaufempfehlung beibehalten, die Kursziele jedoch leicht nach unten angepasst, um die veränderte Zinslandschaft und ein vorsichtigeres Konsumumfeld zu reflektieren. Im Vordergrund steht die Frage, ob On die hohen Wachstumserwartungen bei Umsatz und Ertrag über mehrere Jahre hinweg erfüllen kann. Skeptischere Analysten verweisen auf das Risiko, dass bereits kleine Verfehlungen bei Margen oder Wachstum ausreichen könnten, um den Kurs spürbar unter Druck zu setzen.
Unter dem Strich ergibt sich ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild: Die Mehrzahl der beobachtenden Institute empfiehlt Halten bis Kaufen, nur wenige stufen die Aktie auf Verkaufen ein. Das Sentiment ist damit klar eher bullisch, wenn auch mit wachsendem Bewusstsein für die Bewertungsrisiken eines hoch gewachsenen Marken-Newcomers im etablierten Sportschuhmarkt.
Ausblick und Strategie
Für die kommenden Monate stehen für On mehrere strategische Weichenstellungen an. Im Mittelpunkt steht der weitere Ausbau des Direct-to-Consumer-Geschäfts, vor allem über den eigenen Online-Shop sowie Flagship-Stores in wichtigen Metropolen. Dieser Vertriebskanal ist margenstärker als der Großhandel und erlaubt On, die Kundenbeziehung direkt zu steuern, Daten zu sammeln und die Marke konsistent zu inszenieren. Gelingt es, den Anteil dieses Geschäftsmodells weiter zu erhöhen, könnte dies die Profitabilität nachhaltig stärken.
Parallel investiert On in neue Produktkategorien, etwa im Bereich Outdoor und Alltags-Sneaker, sowie in technische Innovation der Zwischensohlen und Dämpfungssysteme. Die Herausforderung besteht darin, die Balance zwischen Performance-Glaubwürdigkeit bei ambitionierten Läufern und Lifestyle-Appeal im Alltag zu halten. Je breiter das Portfolio, desto größer die Gefahr einer Verwässerung des Markenprofils – gleichzeitig eröffnet die Breite die Möglichkeit, die Abhängigkeit vom Kernsegment Laufschuhe zu verringern und die Zielgruppe zu verbreitern.
Aus Investorensicht bleiben mehrere Schlüsselfragen entscheidend: Erstens, ob On das hohe zweistellige Umsatzwachstum auch in einem schwierigeren Konsumumfeld verteidigen kann. Zweitens, ob Skaleneffekte und ein wachsender Anteil des Direktgeschäfts sich wie erhofft in steigenden Margen niederschlagen. Drittens, wie sich der Wettbewerb mit globalen Giganten entwickelt, die ihrerseits in innovative Laufschuhtechnologien und Lifestyle-Kooperationen investieren.
Zins- und Währungseffekte spielen zusätzlich eine Rolle. Steigende oder länger hoch bleibende Zinsen belasten in der Regel wachstumsstarke, aber hoch bewertete Aktien wie On besonders stark, weil künftig erwartete Gewinne höher diskontiert werden. Umgekehrt könnte eine Entspannung auf der Zinsseite der Aktie Rückenwind verleihen. Währungsbewegungen zwischen Franken, Euro und US-Dollar beeinflussen zudem die ausgewiesenen Zahlen und können kurzfristig für positive oder negative Überraschungen sorgen.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt On eine spannende, aber keineswegs risikolose Story. Wer investiert, setzt darauf, dass es dem Unternehmen gelingt, dauerhaft eine starke globale Marke aufzubauen, die sich im Premiumsegment festsetzt und ihre Innovationskraft über viele Produktgenerationen hinweg beibehält. Gelingt dies, dürfte die Aktie mittelfristig von steigenden Umsätzen und Margen profitieren. Misslingt es, drohen schmerzhafte Bewertungsanpassungen.
Strategisch kann es für Anleger sinnvoll sein, nicht allein auf kurzfristige Kursbewegungen zu achten, sondern die kommenden Quartalsberichte, Aussagen des Managements zu Wachstum, Margen und Investitionen sowie die Entwicklung der Nettoverschuldung sorgfältig zu verfolgen. Wer bereits investiert ist, sollte die eigene Risikotragfähigkeit prüfen und gegebenenfalls Teilgewinnmitnahmen oder gestaffelte Nachkäufe in Erwägung ziehen. Neueinsteiger könnten abwarten, ob sich im Zuge von Marktvolatilität attraktivere Einstiegsniveaus ergeben – oder bewusst in Tranchen vorgehen, um das Timing-Risiko zu mindern.
Eines steht fest: On bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie schnell sich eine dynamische Wachstumsstory an der Börse verändern kann – zum Guten wie zum Schlechten. Für Anleger bietet die Aktie damit Chancen, aber nur für diejenigen, die bereit sind, mit der Volatilität zu leben und die Entwicklung des Unternehmens eng zu begleiten.


