Österreichs Korruptionsindex steigt – doch Experten warnen vor Euphorie
10.02.2026 - 21:54:12Österreich verbessert sich im internationalen Korruptionsranking leicht, bleibt aber deutlich hinter früheren Spitzenwerten zurück. Der heute veröffentlichte Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 2025 von Transparency International zeigt einen Anstieg um zwei Punkte auf 69. Damit klettert das Land von Platz 25 auf Platz 21 von 180 bewerteten Staaten. Die Bundesregierung sieht erste Erfolge ihrer Reformen, doch Anti-Korruptionsorganisationen mahnen: Der Weg zurück in die europäische Spitzengruppe ist noch lang.
Das aktuelle Ergebnis markiert eine Erholung vom Rekordtief des Vorjahres (67 Punkte). Als Gründe für die leichte Verbesserung nennen Experten die jüngsten Gesetzesreformen, insbesondere das Hinweisgeberschutzgesetz und die Abschaffung des Amtsgeheimnisses. „Das sind wichtige Meilensteine für mehr Transparenz“, kommentiert ein Vertreter von Transparency International Austria. Doch die Freude ist verhalten: Im langjährigen Vergleich zählt Österreich weiter zu den Absteigern in Westeuropa. Die Region insgesamt stagniert in der Korruptionsbekämpfung. Global führt weiterhin Dänemark (89 Punkte) das Ranking an.
Kann das Land den Negativtrend der vergangenen Jahre damit nachhaltig stoppen? Die Organisation warnt vor verfrühter Euphorie. Korruption bleibe ein strukturelles Problem, das die wirtschaftliche Entwicklung bremse. Die leichte Punktesteigerung sei ein Signal – von einer nachhaltigen Stabilisierung könne aber noch keine Rede sein.
Whistleblower-Schutz als zentraler Hebel
Ein zentraler Hoffnungsträger ist das seit Februar 2023 geltende Hinweisgeberinnenschutzgesetz (HSchG). Es setzt eine EU-Richtlinie um und verpflichtet Unternehmen sowie Behörden ab 50 Mitarbeitern, sichere interne Meldekanäle einzurichten. Das Gesetz soll Personen schützen, die Rechtsverstöße wie Korruption melden, und sie vor Repressalien bewahren. Ob dieser Schutz in der Praxis greift, wird sich erst zeigen. Entscheidend ist laut Experten die konsequente Umsetzung und eine proaktive Veröffentlichungspraxis der Behörden.
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Parallel dazu startete das Innenministerium erst kürzlich einen neuen Aufruf zur Mitwirkung an der nationalen Anti-Korruptionsstrategie 2026–2028. Bis Mitte März können Organisationen Vorschläge für Maßnahmen in den Bereichen Integritätsmanagement und Compliance einreichen. Die Initiative unterstreicht die anhaltende politische Relevanz des Themas.
Appell: Tiefgreifende Justizreformen nötig
Trotz der Fortschritte sind sich Beobachter einig: Die bisherigen Schritte reichen nicht aus. Die lauteste und dringlichste Forderung bleibt die Einrichtung einer unabhängigen Bundesstaatsanwaltschaft. Ziel ist es, die Spitze der Staatsanwaltschaften von politischem Einfluss zu entkoppeln. Auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) müsse personell und finanziell deutlich gestärkt werden, um effektiv ermitteln zu können.
Transparency International fordert zudem eine stärkere Kronzeugenregelung, klare Maßnahmen gegen Postenschacher und eine Absicherung der Medienunabhängigkeit durch transparente Förderkriterien. Die politischen Reaktionen auf die neuen Zahlen fallen gemischt aus. Während Regierungsvertreter die Verbesserung als Vertrauenssignal werten, warnen Oppositionspolitiker vor falscher Zufriedenheit. Sie drängen auf eine rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm versprochenen Justizreformen.
Die Zukunft der Korruptionsbekämpfung in Österreich steht an einem Scheideweg. Die leichte CPI-Verbesserung zeigt, dass Gesetze wirken können. Ob das Land den Abwärtstrend aber dauerhaft umkehrt, hängt von mutigen, strukturellen Reformen in Justiz und Verwaltung ab. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der politische Wille für diesen Weg ausreicht.
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