Ölpreis nähert sich 112-Dollar-Marke: Iran-Krieg treibt Brent und WTI auf Höchststände
08.04.2026 - 08:24:36 | ad-hoc-news.deDie Ölpreise befinden sich weiter im Aufwärtstrend, getrieben durch die anhaltende Eskalation im Iran-Krieg. Brent Crude, die Referenzsorte für den internationalen Ölmarkt, hat sich am Dienstag auf bis zu 111 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) zugespitzt und nähert sich damit dem Hoch aus dem März von etwas über 112 Dollar. Die West Texas Intermediate (WTI), maßgeblich für den US-Markt, zeigt vergleichbare Zuwächse und unterstreicht die breite Marktdynamik.
Stand: Mittwoch, 8. April 2026, 08:24 Uhr MESZ (Europe/Berlin)
Iran-Krieg als zentraler Preistreiber
Der dominante Auslöser für den aktuellen Ölpreisanstieg ist der seit Ende Februar andauernde Iran-Krieg. Neue Explosionen auf der iranischen Insel Charg, dem wichtigsten Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf, haben die Märkte zusätzlich verunsichert. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete Angriffe auf die Insel, von der ein großer Teil der Ölproduktion verschifft wird. Solche Störungen im Versorgungsweg erhöhen direkt das geopolitische Risikoprämium für Rohöl, da sie Lieferengpässe androhen. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Futures-Preise aus, da Händler höhere Unsicherheitsmargen einpreisen.
US-Präsident Donald Trump hat zudem ein weiteres Ultimatum im Konflikt gestellt, was die Preise am Dienstag um 1,4 Prozent auf 111 Dollar trieb. Seit Kriegsbeginn hat sich Brent um mehr als die Hälfte verteuert, was die Vulnerabilität des globalen Ölmarkts gegenüber Nahost-Konflikten unterstreicht. Der Persische Golf bleibt ein kritischer Engpass: Etwa 20 Prozent des weltweiten Ölexports passieren die Straße von Hormuz, die durch den Konflikt beeinträchtigt ist.
Unterschiede zwischen Brent und WTI
Brent und WTI bewegen sich derzeit weitgehend synchron, doch feine Unterschiede sind erkennbar. Während Brent als globale Benchmark bei 111 Dollar notiert, liegt WTI leicht darunter, profitiert aber gleichermaßen von den geopolitischen Spannungen. Am Dienstag stieg WTI ähnlich um rund 1,4 Prozent. Aktuelle Realtime-Kurse zeigen Brent bei etwa 106,67 Dollar (nach einem leichten Rückgang vom Tageshoch von 111,72 Dollar), was auf hohe Volatilität hinweist. Der Tiefststand lag bei 104,75 Dollar, der Schlusskurs des Vortags bei 109,06 Dollar. Diese Schwankungen spiegeln die nervöse Marktstimmung wider, ohne fundamentale Versorgungsausfälle.
In Europa wirkt sich der Brent-Anstieg direkt auf Diesel- und Heizölpreise aus, die in DACH-Ländern für Industrie und Privathaushalte relevant sind. Gasöl, das Vorprodukt von Diesel, erreichte kürzlich den höchsten Stand seit Kriegsbeginn bei 1550 Dollar pro Tonne.
Inflationsdruck durch hohe Energiepreise
Die steigenden Ölpreise schüren Inflationssorgen, insbesondere in der Eurozone. Die Inflationsrate sprang im März von 1,9 auf 2,5 Prozent, getrieben durch höhere Energiekosten. In den USA wird für Freitag ein Anstieg von 2,4 auf 3,4 Prozent erwartet. Öl als Treiber der globalen Inflation erhöht Transport- und Produktionskosten, die an Verbraucher weitergegeben werden. Für DACH-Investoren bedeutet dies Belastungen für den DAX, der unter 23.000 Punkte fiel, sowie höhere Energiekosten in der Industrie.
Der Sentix-Stimmungsindex fiel auf ein Tief, ähnlich wie vor Trumps Zollmaßnahmen letztes Jahr. Experten sehen hier einen direkten Link zu den hohen Rohölpreisen und Engpässen in der Straße von Hormus. Die Europäische Zentralbank (EZB) muss auf diese Entwicklung reagieren, da sie die Konvergenz zum 2-Prozent-Ziel erschwert.
OPEC+ reagiert mit Fördererhöhung
Acht OPEC+-Länder, darunter Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und die VAE, einigten sich auf eine Produktionssteigerung um 206.000 Barrel pro Tag ab Mai. Dieser Schritt zielt auf die Kompensation von Exportstörungen im Golf ab, gilt Experten zufolge jedoch als symbolisch. Die Fördererhöhung dämpft den Preisanstieg nur marginal, da die geopolitischen Risiken dominieren. OPEC+ signalisiert damit Marktstabilität, ohne die Preisentwicklung signifikant zu bremsen.
Marktvolatilität und Prognosen
Die CBOE-Volatilitätsindizes für Öl liegen bei 96 Prozent, für Gold bei 37 Prozent – ein Indikator für Prognoseunsicherheit. Analysten sehen Basisszenarien bei 80-100 Dollar für 2026, Risikoszenarien bei 120-150 Dollar und Extremszenarien bis 190 Dollar. Norbert Rücker von Julius Bär erwartet einen kurzlebigen, ausgeprägten Preisanstieg, da keine gravierenden Versorgungsausfälle vorliegen. Dennoch bleibt der Handel durch Hormus eingeschränkt, wenngleich alternative Routen etwas entlasten.
Für Investoren in Europa relevant: Der starke US-Dollar (EUR/USD bei 1,16) verstärkt den Druck auf importabhängige Volkswirtschaften. Heizölpreise in Deutschland liegen bei rund 143 Cent pro Liter, mit regionalen Schwankungen.
Risiken und Ausblick
Potenzielle Eskalationen, wie angekündigte Zerstörungen iranischer Energieanlagen, könnten Futures weiter treiben. Gleichzeitig mildern alternative Absatzmärkte und Schiffsbewegungen (bis zu 20 Schiffe durch Hormus) akute Schocks. Die Märkte bleiben nervös, mit neutraler Gesamteinschätzung. Nächste Katalysatoren sind US-Inflationsdaten und weitere Konfliktentwicklungen.
Langfristig korrelieren Ölpreise historisch mit Konflikten, mit Anstiegen über 10 Prozent in kurzer Zeit. Deutschland als Importeur ist besonders exponiert.
Weiterführende Quellen
- WiWo: DAX fällt, Ölpreise hoch
- Cash: Ölmarkt im Krisenmodus
- Comdirect: Brent Ölpreis live
- Kleine Zeitung: Ölpreis +50%
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und Finanzinstrumente sind volatil.
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