OECD, Steuerreform

OECD fordert radikale Steuerreform – Koalition zerstritten

11.04.2026 - 11:48:34 | boerse-global.de

Die OECD drängt Deutschland zu Steuer- und Rentenreformen. Die Abschaffung des Ehegattensplittings könnte Haushalte finanziell belasten und spaltet die Ampelkoalition.

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Die OECD drängt Deutschland zur Abschaffung des Ehegattensplittings und zu Rentenreformen. Die Vorschläge spalten die Ampelkoalition und könnten Haushalte teuer zu stehen kommen.

Warum Experten das Steuersystem umkrempeln wollen

Internationale Wirtschaftsexperten erhöhen den Druck auf die Bundesregierung. In einer Reihe von Analysen fordern sie eine grundlegende Reform des deutschen Steuer- und Sozialsystems. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legte am 9. April ein Gutachten vor, das klare Worte findet: Das Ehegattensplitting müsse abgeschafft und Frühverrentung unattraktiver gemacht werden. Nur so ließen sich Fachkräftemangel und stagnierende Produktivität bekämpfen.

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Der Bericht identifiziert strukturelle Schwächen: zu viel Bürokratie, zu wenig Investitionen und ein Steuermodell, das vor allem Frauen von Vollzeitarbeit abhält. Die Lösung? Die Steuerlast von der Einkommensteuer hin zu Vermögen und Konsum verlagern. Zusätzlich schlägt die OECD ein verpflichtendes Kita-Jahr vor, um langfristig mehr Menschen in den Job zu bringen.

Für Familien drohen massive finanzielle Einbußen

Die Forderungen haben konkrete Konsequenzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) legte heute Berechnungen vor, was die Abschaffung des Splittings und der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern bedeuten würde. Das Ergebnis: Alleinverdiener-Haushalte müssten tief in die Tasche greifen.

Bei einem Jahresgehalt von 35.000 Euro schrumpft das verfügbare Einkommen um fast 2.200 Euro. Bei 100.000 Euro Jahresbrutto summiert sich der Verlust auf bis zu 5.760 Euro. Das IW erwartet zwar, dass dies mehr Partner zur Jobsuche motivieren würde. Doch der soziale Sprengstoff ist enorm.

Die Reaktionen fallen gespalten aus. VdK-Präsidentin Verena Bentele nannte das Ende des Splittings längst überfällig für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Die Abschaffung der Familienversicherung lehnt sie jedoch als "sozial ungerecht" strikt ab.

Koalitionskrach um Steuern und Sozialleistungen

In der Bundesregierung eskaliert der Streit. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will bis zur Sommerpause ein Reformpaket schnüren. Sein Plan: Das alte Splitting durch ein "fiktives Realsplitting" für neue Ehen ersetzen, um den Teilzeitanteil zu drücken.

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Doch die Pläne drohen an der Haushaltsmisere zu scheitern. Hinter den Kulissen wird über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent diskutiert, um Haushaltslöcher zu stopfen. Klingbeil will dies mit Entlastungen für 95 Prozent der Steuerzahler ausgleichen. Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) blockiert – ein klassischer Koalitionskonflikt.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen Kompromisse nicht leichter. Die Inflation liegt bei 2,7 Prozent, angetrieben durch Energiepreise, die um 7,2 Prozent stiegen. Eine YouGov-Umfrage zeigt zudem: 66 Prozent der Bürger und 63 Prozent der Manager sehen keine Fortschritte beim Bürokratieabbau seit Regierungsantritt im Mai 2025.

Pilotprojekt: Das Finanzamt erledigt die Steuererklärung

Während über die Steuerlast gestritten wird, testen mehrere Bundesländer eine Vereinfachung. Unter dem Titel "Das Finanzamt macht Ihre Steuer" verschicken Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Thüringen seit dem 9. April automatische Steuervorschläge.

Allein in Hessen gehen 200.000 Berechnungen für das Steuerjahr 2025 raus. Ziel sind einfache Fälle wie Angestellte und Rentner. Ein Test in Kassel 2025 war erfolgreich: Drei Viertel der Bürger nahmen den Vorschlag an. Bis zum 31. Juli können Betroffene die Berechnung noch prüfen oder widersprechen. Der Bund der Steuerzahler warnt jedoch vor blindem Vertrauen in die Automatik.

Langer Arbeitsweg mit ungewissem Ausgang

Die Regierung steuert auf eine Zerreissprobe zu. Das Jahr 2026 bringt mit 250,5 durchschnittlichen Arbeitstagen zwar etwas mehr Produktionspotenzial. Doch Experten des Bundesinstituts für Arbeitsschutz mahnen: Mehr Stunden sind kein Allhealmittel. Fast ein Viertel der Männer arbeitet bereits über 48 Stunden wöchentlich – mit steigenden Gesundheitsrisiken.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Koalition den Spagat zwischen strukturellen Reformen und sozialem Schutz schafft. Die ersten großen Tarifverhandlungen für rund 70.000 Telekom-Beschäftigte beginnen bereits am Montag in Bonn. Der Druck auf Löhne und Entlastungen dürfte weiter steigen.

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