Occidental Petroleum-Aktie (US6745991058): Bewertung und Fundamentaldaten im Fokus
12.06.2026 - 12:28:33 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Märkte & Bewertung. Vor der Veröffentlichung am 12.06.2026, 12:27:39 Uhr geprüft. Details im Impressum.
Die Aktie von Occidental Petroleum steht am Bewertungs-Freitag weniger wegen einer plötzlichen Kursbewegung, sondern vor allem aufgrund ihrer Fundamentaldaten im Fokus. An der New Yorker Börse notierte der Titel zuletzt im Bereich von rund 60 US-Dollar, ohne größeren Ausschlag im Tagesverlauf, wie die Kursübersicht der New York Stock Exchange zeigt. Auf Tradegate in Euro umgerechnet ergibt sich damit ein Kurs im Bereich von etwa 55 bis 56 Euro je Anteilsschein. Für Privatanleger stellt sich damit vor allem die Frage, wie die aktuelle Bewertung im Lichte von Gewinnen, Schuldenabbau und der Dividendenpolitik einzuordnen ist.
Fundamentaler Blick auf Gewinnentwicklung und Bewertung
Occidental Petroleum berichtet seine Geschäftszahlen regelmässig auf Basis des Kalenderjahres, das Unternehmen ist schwerpunktmäßig im Bereich Öl- und Gasförderung sowie im Chemiegeschäft aktiv. Für das Geschäftsjahr 2024 wies der Konzern laut Geschäftsbericht einen Umsatz von rund 29 Milliarden US-Dollar aus, nach etwa 27 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Damit konnte Occidental trotz volatiler Rohölpreise die Erlöse leicht steigern. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) lag für 2024 im Bereich von rund 3,80 US-Dollar, nachdem im Jahr 2023 knapp über 4 US-Dollar je Aktie erzielt worden waren. Auf Basis des jüngsten Aktienkurses um 60 US-Dollar ergibt sich damit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich.
Die Bewertung über das KGV hinweg ist im Öl- und Gassektor allerdings nur ein Teil des Bildes. Viele Investoren achten zusätzlich auf das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis (Enterprise Value/EBITDA) sowie auf den freien Cashflow. Occidental meldete für 2024 einen operativen Cashflow im hohen einstelligen Milliardenbereich und einen freien Cashflow von knapp über 5 Milliarden US-Dollar. Setzt man diesen freien Cashflow ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung, die sich bei einem Kurs von rund 60 US-Dollar und etwa 885 Millionen ausstehenden Aktien auf mehr als 50 Milliarden US-Dollar beläuft, ergibt sich eine Free-Cashflow-Rendite im hohen einstelligen Prozentbereich. Solche Kennzahlen werden im Vergleich mit anderen integrierten Öl- und Gasproduzenten häufig herangezogen, um die Attraktivität der laufenden Ertragskraft zu beurteilen.
Eine Besonderheit bei Occidental ist der in den vergangenen Jahren stark fokussierte Schuldenabbau. Nach der Übernahme von Anadarko trug der Konzern eine überdurchschnittlich hohe Nettoverschuldung, die 2020 deutlich über 30 Milliarden US-Dollar lag. Laut jüngstem Geschäftsbericht wurde die Nettoschuld inzwischen schrittweise auf einen Bereich von deutlich unter 20 Milliarden US-Dollar reduziert, vor allem durch den Einsatz des hohen freien Cashflows zur Rückführung von Anleihen. Dieser Schuldenabbau schlägt sich auch in einem verbesserten Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA nieder, das zuletzt bei rund 1,5 bis 2,0 lag, nachdem es in den Jahren nach der Anadarko-Transaktion zeitweise deutlich höher war. Für viele Beobachter ist dieser Fortschritt ein zentrales Element der fundamentalen Neubewertung der Aktie.
Die Profitabilität von Occidental bleibt stark an den Ölpreis gekoppelt. In den Unterlagen auf der Investor-Relations-Seite zeigt das Unternehmen regelmässig Sensitivitätsanalysen, wie sich Veränderungen des WTI-Ölpreises auf den bereinigten Gewinn und den freien Cashflow auswirken. Demnach erhöht ein steigender Ölpreis den jährlichen freien Cashflow um mehrere hundert Millionen US-Dollar je 5 US-Dollar Preisaufschlag pro Barrel, während eine schwächere Ölpreisentwicklung entsprechend belastet. Diese starke Hebelwirkung sorgt im positiven Fall für zügigen Schuldenabbau und höhere Ausschüttungen, führt im Gegenzug aber auch zu erhöhter Ergebnisvolatilität, die bei der Bewertung berücksichtigt werden muss.
Beim Blick auf die Dividende zeigt sich Occidental im Branchenvergleich wieder aktiver. Nach der deutlichen Kürzung während der Corona-Pandemie wurde die Ausschüttung schrittweise angehoben. Für 2024 zahlte der Konzern eine Jahresdividende von zusammen rund 0,88 US-Dollar je Aktie, aufgeteilt auf vier Quartalszahlungen. Beim aktuellen Kursniveau ergibt sich eine Dividendenrendite von knapp 1,5 bis 2 Prozent. Parallel dazu nutzt das Management Aktienrückkaufprogramme, um Kapital an die Eigentümer zurückzuführen. Im Jahr 2024 wurden laut Unternehmensangaben eigene Aktien im Umfang von mehreren Milliarden US-Dollar eingezogen. Für Anleger zählen Dividende und Rückkaufvolumen zusammen zur sogenannten „Total Shareholder Return“-Betrachtung, die neben dem Kursverlauf maßgeblich für die Bewertung sein kann.
Auch die Kostenstruktur spielt in der fundamentalen Einordnung eine Rolle. Occidental verweist in seinen Präsentationen darauf, dass ein großer Teil der geförderten Barrel insbesondere im Permian Basin zu vergleichsweise niedrigen Förderkosten produziert wird. Die sogenannten „breakeven“-Preise, also die Ölpreise, bei denen neue Projekte noch positive Renditen erzielen, werden vom Unternehmen für viele Projekte in einem Bereich deutlich unterhalb von 50 US-Dollar je Barrel angegeben. Je stärker der tatsächliche Marktpreis für WTI-Öl darüber liegt, desto größer ist der Puffer für den Konzern, um auch bei temporären Preisschwankungen profitabel zu bleiben. Eine robuste Kostenposition unterstützt somit eine Bewertung, die nicht allein auf optimistische Preisannahmen angewiesen ist.
Auf der anderen Seite bleibt Occidental durch seine Ausrichtung auf fossile Energieträger strukturellen Risiken ausgesetzt. Regulatorische Vorgaben, Klimapolitik und der Ausbau erneuerbarer Energien können den langfristigen Bedarf nach Öl und Gas beeinflussen. In Reaktion darauf investiert Occidental unter anderem in Projekte rund um Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS) sowie in Technologien zur Abscheidung von CO2 aus der Atmosphäre. Diese Aktivitäten sind zwar noch vergleichsweise klein im Verhältnis zum traditionellen Öl- und Gasgeschäft, werden aber in den Präsentationen des Unternehmens als wichtiger Baustein der langfristigen Strategie hervorgehoben. Für die heutige Bewertung spielen sie vor allem als Option auf zukünftige Geschäftsmodelle eine Rolle.
Im Ergebnis liefert Occidental Petroleum derzeit ein Bild, das von soliden Cashflows, einem fortschreitenden Schuldenabbau und einer wieder anziehenden Ausschüttungspolitik geprägt ist, zugleich aber stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise und der energiepolitischen Rahmenbedingungen abhängt. Wer den Wert beobachtet, dürfte daher neben klassischen Kennzahlen wie KGV und Dividendenrendite vor allem auf die Relation von Schulden zu Cashflows und die Investitionen in neue Geschäftsfelder achten.
Occidental Petroleum kurz vorgestellt
- Name: Occidental Petroleum Corporation
- Branche: Öl- und Gasförderung, Chemie
- Hauptsitz: Houston, Texas, USA
- Kernmärkte: Nordamerika (insbesondere Permian Basin), Naher Osten, Lateinamerika
- Umsatztreiber: Förderung und Verkauf von Rohöl und Erdgas, Chemieprodukte, Midstream-Aktivitäten, Carbon-Management-Projekte
- Heimatbörse / Notierung: New York Stock Exchange (NYSE: OXY); in Deutschland u.a. über Tradegate und Xetra handelbar, WKN: 851921
- Handelswährung: US-Dollar (USD)
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