Nvidia Aktie: Vera-CPU zielt auf 200-Milliarden-Markt
27.05.2026 - 12:37:47 | boerse-global.deNvidia greift im Rechenzentrum jetzt dort an, wo Intel und AMD lange ihre Burg hatten: beim Serverprozessor. Mit der neuen Vera-CPU zielt der Konzern auf einen eigenständigen CPU-Markt von rund 200 Milliarden Dollar. Erste Leistungsdaten machen klar, warum die Nervosität bei den etablierten x86-Anbietern steigt.
Der Schritt ist mehr als eine Produkterweiterung. Nvidia will die Architektur für agentische KI enger verzahnen: CPU, Speicher und später die nächste GPU-Generation aus einem Guss.
Vera setzt Intel und AMD unter Druck
Die ersten öffentlichen Phoronix-Tests liefern ein starkes Signal. Die Vera-CPU kam in agentischen KI-Workloads auf einen Leistungsvorsprung von 1,5-fach gegenüber aktuellen x86-Prozessoren mit 128 Kernen. Nvidia attackiert damit nicht nur über Beschleuniger, sondern über die Basisschicht moderner KI-Server.
Technisch setzt Vera auf 88 eigene Olympus-Kerne und erreichte eine anhaltende Speicherbandbreite von 1,2 TB/s. In Entwicklertests kompilierte die Plattform einen Linux-Kernel pro Kern etwa doppelt so schnell wie klassische Serverprozessoren.
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Der Effizienzpunkt ist fast wichtiger als der reine Benchmark. Das LPDDR5X-Speichersystem soll diese Geschwindigkeit bei weniger als 30 Watt Speicherleistung schaffen, während DDR5-Konfigurationen typischerweise mehr als 100 Watt benötigen.
Neuer Milliardenmarkt für Nvidia
CFO Colette Kress bezifferte den zusätzlich adressierbaren Markt durch Vera auf rund 200 Milliarden Dollar. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Nvidia aus dem CPU-Portfolio etwa 20 Milliarden Dollar Umsatz.
Das trifft Intel und AMD an einer empfindlichen Stelle. Intel erzielte im jüngsten Quartal im Bereich Rechenzentrum und KI 5 Milliarden Dollar Umsatz, AMD kam auf 5,8 Milliarden Dollar.
Die Logik hinter Nvidias Vorstoß ist klar. Agentische KI-Inferenz braucht eine engere Kopplung von Rechenleistung und Speicher als klassische Trainingslasten. Wenn sich das Verhältnis von CPUs zu GPUs in Rechenzentren Richtung Parität verschiebt, wird der Prozessor nicht mehr nur Begleiter der GPU. Er wird Teil der Plattformmacht.
Aktie reagiert kühl
An der Börse verfing die technische Botschaft zunächst nicht. Nach dem Ergebnis-Hoch verlor die Aktie rund 3,6 Prozent und notierte zuletzt bei 214,86 Dollar.
Der Rücksetzer wirkt auch deshalb auffällig, weil Nvidia kurz zuvor eine Ausweitung der Aktienrückkauf-Ermächtigung um 80 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Der Markt reagierte damit eher nach dem Muster: gute Nachricht, fallender Kurs.
Bewertungsseitig liefert der Abschlag den Gegenpol zur Skepsis. Das aktuelle KGV von 32,9 liegt deutlich unter dem Fünfjahresmedian von 61,34.
Einige Marktbeobachter sehen die Aktie gemessen an einem inneren Wert von 331,76 Dollar um 35,2 Prozent unterbewertet. Solche Modelle sind kein Kursversprechen, zeigen aber die Spannbreite der Erwartungen.
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Oracle, OpenAI und SpaceX an Bord
Operativ läuft die Skalierung bereits an. Ian Buck, bei Nvidia für Hyperscale und High Performance Computing zuständig, bestätigte erste Vera-Systeme für Partner wie Oracle Cloud, OpenAI und SpaceX.
Oracle plant den Einsatz von Hunderttausenden Vera-CPUs im Laufe des Jahres 2026. Sie sollen produktionsreife Infrastruktur für agentische KI antreiben.
Der nächste Hebel folgt mit dem Vera-Rubin-NVL72-Stack, der die neuen CPUs mit Rubin-GPUs kombiniert. Der breitere kommerzielle Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Der Zeitpunkt ist brisant, aber nicht konkurrenzlos. AMDs Venice-EPYC-Chips und Intels Diamond-Rapids-Plattform werden ebenfalls für Ende 2026 erwartet. Bis zum breiteren Rollout entscheidet vor allem die Akzeptanz bei großen Cloud-Kunden über das Tempo des CPU-Angriffs. Gelingt Oracle der großflächige Einsatz, bekommt Nvidia ein neues Argument gegen Intel und AMD: nicht nur schnellere Chips, sondern eine komplette KI-Serverplattform.
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