ROUNDUP, Heizen

Heizen: Biogas-Anteil soll bis 2040 auf 60 Prozent steigen

05.05.2026 - 16:55:14 | dpa.de

Nutzer von Gas- und Ölheizungen müssen sich darauf einstellen, dass ab 2029 ein rasch steigender Anteil von klimafreundlichen Brennstoffen wie Biomethan vorgeschrieben wird.

Dieser soll 2040 bei mindestens 60 Prozent liegen, wie aus dem Referentenentwurf zur Reform des sogenannten Heizungsgesetzes hervorgeht. Aktuell sind diese "grünen" Brennstoffe deutlich teurer. Kritiker sehen zudem die deutschen Klimaziele in Gefahr.

Übergang zum klimafreundlichen Heizen

Der Entwurf wird nun zunächst im Kabinett abgestimmt und geht dann ins Parlament. Änderungen sind also möglich. Grundsätzlich einig sind sich aber Union und SPD bereits. Sie wollen mit dem sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetz das sehr umstrittene Heizgesetz der Ampelkoalition ersetzen.

Hauptpunkt ist die Abkehr von der Vorgabe, dass bei neuen Heizungen in der Regel mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien eingesetzt werden müssen. Damit hätten neue Gas- und Ölheizungen in der Regel keine Chance mehr - doch die Klausel soll gekippt werden.

Stufen der "Bio-Treppe"

Um dennoch den Übergang zum klimafreundlichen Heizen zu schaffen, soll ein wachsender Anteil der Brennstoffe nicht mehr fossil sein, sondern aus nachwachsenden beziehungsweise künstlichen Rohstoffen kommen. "Wer weiterhin mit Gas, Heizöl oder Flüssiggas heizen möchte, mischt ab dem Jahr 2029 einen verbindlichen Bioanteil bei", heißt es im Gesetzentwurf.

Erstmals werden nun die genauen Stufen der sogenannten Bio-Treppe benannt: Ab Januar 2029 sollen mindestens 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden, ab Januar 2030 mindestens 15 Prozent, ab Januar 2035 mindestens 30 Prozent und ab Januar 2040 mindestens 60 Prozent. Damit enden die Stufen der Bio-Treppe.

"Nahezu klimaneutral 2050"

Deutschland hat sich jedoch das Ziel gesetzt, ab 2045 klimaneutral zu wirtschaften. Das bedeutet, dass dann keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden dürfen. Um dies zu erreichen, dürfen dann eigentlich keine fossilen Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle mehr genutzt werden - zumindest nicht ohne Speicherung des entstehenden Kohlendioxids.

Das Zieldatum 2045 wird in dem Referentenentwurf nicht erwähnt. Stattdessen heißt es: "Das Gesetz trägt dazu bei, das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands bis zum Jahr 2050" zu erreichen.

Im Gebäudemodernisierungsgesetz des früheren Klimaministers Robert Habeck (Grüne) ist festgelegt, dass bestehende Heizungen bis 31. Dezember 2044 mit 100 Prozent fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen und dann "ein Brennstoffwechsel zu biogenen oder synthetischen Brennstoffen erfolgen" muss.

"Eine ganz dumme Idee"?

Am neuen Entwurf üben die Grünen scharfe Kritik. "Das Gesetz kippt das Verbot fossiler Brennstoffe ab dem 1.1. 2045 - und untergräbt damit das Klimaziel 2045", sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur. "Ohne ein klares Aus für Öl und Gas in Heizungen sind die Klimaziele unerreichbar und wir bleiben abhängig von fossilen Energien - eine ganz dumme Idee", erklärte Kellner. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden warnte zudem vor höheren Kosten: "Dieser Entwurf macht Wohnen für Mieterinnen und Mieter teurer."

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox sind klimafreundliche Brennstoffe derzeit rund 1,05 Cent je Kilowattstunde teurer als fossiles Gas. Bei einer Beimischung von 10 Prozent ab 2029 rechnet Verivox vor: "Eine Familie im Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden hat ab 2029 dadurch Mehrkosten von rund 210 Euro pro Jahr." Das entspreche einem Aufschlag von rund 10 Prozent zu heutigen Gaskosten.

Kostenbremse für Mieter vereinbart

Die schwarz-rote Koalition hatte sich vergangene Woche auf eine Kostenbremse für Mieter geeinigt. Vereinbart wurde, dass Kostenrisiken für Netzentgelte, CO-Preis und Biogas hälftig zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden. Der Mieterbund fand dies gut. Dessen Befürchtung: Vermieter könnten auch künftig vergleichsweise preiswerte Gasheizungen einbauen und Mieter dann auf den Kosten sitzenbleiben. Der Eigentümerverband Haus & Grund hatte die 50/50-Regelung hingegen kritisiert, weil Mieter damit nur vor Kosten geschützt würden, die der Staat zu verantworten habe.

Zum Referentenentwurf erklärte der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, es handele sich um einen wichtigen Schritt hin zu mehr Flexibilität in der Wärmewende. Der Verband sieht aber Fragezeichen mit Blick auf Praxistauglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit für Mietwohnungsbestände. Der Umweltverband BUND nannte den Entwurf hingegen eine "klimapolitische Bankrotterklärung", die gestoppt werden müsse.

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