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Nokia Aktie: Hotard warnt vor Chip-Engpässen bis 2027

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nokia verzeichnet Rekordquartal im KI-Geschäft, doch Warnungen vor anhaltenden Chip-Engpässen drücken den Aktienkurs deutlich.

Nokia Aktie: Starke Quartalszahlen durch Speicherchip-Sorgen belastet
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiterfertigung mit Fokus auf Silizium-Wafer und industrielle Hochtechnologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Gute Zahlen, schlechter Kurs. Nokia hat gerade ein starkes Quartal vorgelegt — und die Aktie fällt trotzdem weiter. Am Freitag ging es um 6,32 Prozent auf 8,06 Euro nach unten, binnen einer Woche verlor das Papier 9,38 Prozent.

Der Grund liegt nicht im Zahlenwerk. Er liegt in einer Warnung von CEO Justin Hotard vor Lieferengpässen bei Speicherchips.

Ein Rekordquartal, das niemanden interessiert

Die Fakten sprechen eigentlich für Nokia. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 4,815 Milliarden Euro, auf Basis konstanter Wechselkurse waren es sogar 9 Prozent Wachstum. Der Wachstumstreiber war das Geschäft mit KI-Infrastruktur.

Im Segment AI and Cloud verdoppelten sich die Nettoumsätze nahezu auf 446 Millionen Euro. Der Auftragseingang in diesem Bereich erreichte 2,8 Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon soll sich in den kommenden zwölf Monaten in Umsatz verwandeln.

Trotzdem knickte die Aktie ein. Der Grund: Hotard warnte, dass Engpässe bei DRAM-Speicherchips bis ins Jahr 2027 anhalten könnten. KI-Unternehmen saugen die verfügbaren Kapazitäten praktisch auf und treiben die Preise für Komponenten in die Höhe. Hotard bezeichnete dieses Risiko als das aus seiner Sicht bedeutendste Problem überhaupt.

Nokia steht mit diesem Thema nicht allein da. Der schwedische Wettbewerber Ericsson war bereits am 14. Juli um fast 12 Prozent eingebrochen, nachdem er dieselbe Kostenbelastung durch teure Speicherchips angesprochen hatte. Die gesamte Telekomausrüster-Branche geriet daraufhin unter Druck.

Charttechnik zeigt tiefe Wunden

Die technische Lage hat sich parallel deutlich verschlechtert. Der RSI-Wert liegt bei 29,5 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Der Kurs notiert rund 31 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber immerhin noch knapp 3 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,84 Euro.

Auf dem Tageschart fällt die Aktie bereits seit dem 3. Juni. Sie durchbrach dabei die sogenannte Golden Pocket — jene Fibonacci-Zone zwischen 0,618 und 0,65, die im April noch als Unterstützung diente. Deren Verlust deutet darauf hin, dass diese Marke künftig eher als Widerstand wirken könnte.

Das nächste technische Ziel liegt rund 12,6 Prozent unter dem Donnerstagsschluss. Diese Zone deckt sich mit dem Konsolidierungsbereich aus März und April, was sie als möglichen Nachfragebereich stärken könnte.

Analysten uneins über die Richtung

Nicht alle Beobachter sehen die Entwicklung negativ. Oliver Wong von Bank of America Securities bestätigte sein Kaufrating und erhöhte das Kursziel von 15,60 auf 16,00 Euro — trotz der fallenden Kurse in den Tagen danach. Die Diskrepanz zwischen fundamentalem Optimismus bei der KI-Infrastruktur und der kurzfristigen Risikoscheu am Markt wird damit noch deutlicher sichtbar.

JPMorgan äußerte sich vorsichtiger zum Ausblick selbst. Das Nokia-Management bestätigte zwar seine Jahresprognose und erwartet einen operativen Gewinn etwas oberhalb der Mitte der Zielspanne sowie ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent im dritten Quartal. JPMorgan merkte jedoch an, dass diese Prognose unter den Konsensschätzungen liege. Die Bank empfahl, die Guidance im Kontext des starken zweiten Quartals und des kräftigen Auftragseingangs im KI-Cloud-Geschäft zu betrachten.

Im klassischen Geschäft bleibt Nokia dagegen ein Bremsklotz erhalten. Die Sparte Fixed Networks verzeichnete währungsbereinigt einen Rückgang von 2 Prozent. Ein Minus von 16 Prozent bei Glasfaser-Endgeräten für Privatkunden wurde durch ein Plus von 18 Prozent bei Netzabschlussgeräten für Betreiber teilweise ausgeglichen — ein Effekt der bewussten Verschiebung des Portfolios hin zu margenstärkeren Produkten.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich das Wachstumsnarrativ rund um KI und Cloud gegen die Sorgen um Speicherchip-Kosten durchsetzen kann. Bevor sich die Stimmung wieder zugunsten der Bullen dreht, muss die Aktie zunächst die charttechnischen Schäden der vergangenen Wochen überwinden — dafür braucht es eine Stabilisierung deutlich über den aktuellen Tiefs.

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