Nokia Aktie: 9,28 Euro nach Erholung
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 20:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia-Aktien legen am Dienstag 4,39 Prozent zu und klettern auf 9,28 Euro. Der Sprung kommt zwei Tage vor den Quartalszahlen am Donnerstag. Nach einem Kursrutsch von fast 27 Prozent binnen 30 Tagen wirkt das wie ein kleines Aufatmen.
Ganz überzeugt sind Anleger allerdings noch nicht. Auf Wochensicht steht die Aktie weiterhin 9,6 Prozent im Minus. Der RSI von 36,3 signalisiert überverkauftes Terrain – ein Bereich, aus dem Kurse oft technisch zurückspringen, ohne dass sich am fundamentalen Bild etwas ändert.
Ericssons Gewinnwarnung wirkt nach
Ein Teil der Nervosität rund um Nokia hat einen Namen: Ericsson. Der schwedische Rivale hatte am 14. Juli seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und dabei operative Disziplin sowie stabile Margen betont. Trotzdem stürzte die Ericsson-Aktie im vorbörslichen Handel um 8,7 Prozent ab.
Der Grund: steigende Vorleistungskosten. Finanzchef Lars Sandström sprach von weiter gestiegenen Kosten im zweiten Quartal und nannte die Chip-Inflation als wachsendes Problem für die gesamte Branche. Diese Warnung färbt auf Nokia ab. In der vergangenen Woche lag die Nokia-Aktie 5,2 Prozentpunkte hinter Ericsson zurück und 18,7 Punkte hinter dem finnischen Leitindex OMXH25 – ein Abstand, den Marktbeobachter als Zeichen werten, dass Anleger das Kostenproblem als branchenweit einstufen.
Worauf es am Donnerstag ankommt
Nokia veröffentlicht seinen Halbjahresbericht am 23. Juli um etwa 8 Uhr finnischer Zeit, im Anschluss folgt eine Analystenkonferenz. Der Konsens erwartet ein Umsatzwachstum von 7,2 Prozent zum Vorquartal. Gleichzeitig soll die Bruttomarge um 80 Basispunkte auf 44,7 Prozent fallen.
Analysten sind sich einig: Nicht das Umsatzwachstum entscheidet über die Kursreaktion, sondern die Marge. Erst danach zählen die Auftragsdynamik und das Wachstumsziel von 12 bis 14 Prozent im Bereich Network Infrastructure. Als Risiko gilt eine schärfere Bauteil-Inflation oder ein Nachlassen bei KI-Netzwerk-Aufträgen – beides könnte Marge und Jahresgewinn belasten. Hinzu kommt ein strukturelles Problem der gesamten Branche: Traditionelle 5G-Investitionen der Netzbetreiber stecken in einem zyklischen Tief, das zuletzt auch Ericsson zu spüren bekam.
Etwas Hoffnung liefert das eigene KI- und Cloud-Geschäft. Im ersten Quartal wuchsen die Erlöse in diesem Bereich um 49 Prozent und machten bereits 8 Prozent des Konzernumsatzes aus, bei Bestellungen von Kunden in Höhe von einer Milliarde Euro. CEO Justin Hotard hatte im April eine höhere Wachstumsannahme für die Sparten Optical und IP Networks angekündigt.
Währungseffekte dürften diesmal kaum eine Rolle spielen. Der Euro-Dollar-Kurs lag am Freitag bei 1,1439 – nur 0,5 Prozent unter Nokias Planungskurs. Das Ergebnis hängt damit fast vollständig an Bauteilkosten und Produktmix, nicht an Wechselkursbewegungen.
Die Aktie notiert weiterhin gut ein Drittel unter ihrem Juni-Hoch, die annualisierte Volatilität liegt bei 67 Prozent. Der Bericht am Donnerstag wird zeigen, ob Nokias KI-Netzwerk-Story auch bei der Marge trägt – genau dort, wo Ericsson zuletzt gescheitert ist.
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