Nokia Aktie: 5,34 Prozent Minus auf 8,61 Euro
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 11:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia hat im zweiten Quartal 2026 einen kräftigen Sprung bei den Aufträgen aus dem Geschäft mit künstlicher Intelligenz und Cloud-Infrastruktur verzeichnet. Trotz der guten operativen Entwicklung reagierten Anleger mit deutlichen Verkäufen auf die Zahlen und die Restrukturierungslast, die der Konzern gleichzeitig offenlegte.
Umsatz wächst, Restrukturierung drückt den Gewinn
Der finnische Netzwerkausrüster steigerte den Nettoumsatz im zweiten Quartal auf 4.815 Millionen Euro, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der vergleichbare operative Gewinn kletterte auf 434 Millionen Euro, was einer Marge von 9,0 Prozent entspricht und die Konsensschätzung von 382 Millionen Euro klar übertraf. Im ersten Halbjahr 2026 summierte sich der vergleichbare operative Gewinn auf 735 Millionen Euro, ein Anstieg von 28 Prozent, bei einem vergleichbaren Ergebnis je Aktie von 0,13 Euro.
Unter dem Strich blieb davon jedoch kaum etwas übrig: Der Nettogewinn brach auf 5 Millionen Euro ein, nach 96 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Grund sind Restrukturierungskosten, die sich für das laufende Jahr auf rund 800 Millionen Euro belaufen sollen. Der berichtete operative Gewinn rutschte dadurch mit einer Marge von minus 1,0 Prozent ins Minus, ein Rückgang um 430 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Der freie Cashflow lag bei minus 732 Millionen Euro. Nokia erklärte zudem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie.
KI- und Cloud-Geschäft verdoppelt sich
Die eigentliche Nachricht des Quartals liegt im Wachstum der Sparte AI & Cloud: Der Umsatz dort verdoppelte sich nahezu auf 446 Millionen Euro, während der Auftragseingang auf 2,8 Milliarden Euro sprang, verglichen mit rund einer Milliarde Euro im Vorquartal. Nach Angaben des Managements soll etwa die Hälfte dieser Aufträge innerhalb von zwölf Monaten in Umsatz überführt werden.
Auch die klassischen Netzwerksparten legten zu: Network Infrastructure wuchs um 12 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro, angetrieben von Optical Networks mit einem Plus von 20 Prozent und IP Networks mit 16 Prozent. Mobile Infrastructure steigerte den Umsatz um 6 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro. Die vergleichbare Bruttomarge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 46 Prozent.
CEO Justin Hotard sprach im Rahmen des Earnings Calls von Fortschritten bei der Umsetzung der Strategie und verwies auf den anhaltenden „KI-Superzyklus“. Zugleich räumte er Engpässe bei Speicherchips und Indiumphosphid ein und kündigte an, gestiegene Speicherkosten an Kunden weiterzugeben. Um die Lieferkette abzusichern, baut Nokia die Fertigungskapazitäten in den USA aus: Neben einer zehnfachen Kapazitätserweiterung in Pennsylvania und einer neuen Fabrik in San Jose, die Ende 2026 anlaufen soll, übernimmt der Konzern den NXP-Standort Chandler in Arizona für die Produktion von Indiumphosphid-Komponenten.
Ausblick, Analysten und Kursreaktion
Für das dritte Quartal stellt Nokia ein Umsatzwachstum zwischen 3 und 7 Prozent in Aussicht. Bis Ende 2026 sollen zudem erste Pilotprojekte für die neu vorgestellte AI-RAN-Plattform anlaufen, die kommerzielle Vermarktung ist für 2027 geplant. Die Jahresprognose für den vergleichbaren operativen Gewinn bestätigte Nokia mit einer Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro und bezeichnete die technische Anpassung als Fortschreibung des bisherigen Kurses, der oberhalb der Mitte der Zielspanne verläuft. Parallel dazu stellte der Konzern das Geschäft mit Fixed Wireless Access und Enterprise Campus Edge als nicht fortgeführte Aktivitäten dar; das CPE-Geschäft ging bereits an Inseego.
Am Kapitalmarkt kamen die Zahlen unterschiedlich an. Die Bank of America hob ihr Kursziel auf 18,50 US-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung, die schwedische SEB stufte Nokia auf Kaufen mit einem Kursziel von 12 Euro hoch. JPMorgan bezeichnete den Auftragseingang als dramatisch über den Erwartungen liegend. Der Aktienkurs folgte diesen Einschätzungen zunächst nicht: Am Donnerstag brach das Papier um 5,34 Prozent auf 8,61 Euro ein. Der Relative-Stärke-Index von 32,6 deutet auf eine überverkaufte Marktlage nach den jüngsten Kursverlusten hin. Anleger scheinen sich stärker an der kurzfristigen Gewinnbelastung durch die Restrukturierung zu orientieren als am strukturellen Wachstum im KI-Geschäft.
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