Nikkei, USA-Iran-Konflikt

Nikkei 225: USA-Iran-Konflikt bremst Rekordlauf

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 13:45 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Japanischer Leitindex fällt nach Ölpreisschock um knapp zwei Prozent. Technologiewerte leiden, Banken profitieren von Zinserwartungen.

Nikkei 225: Geopolitische Spannungen stoppen Rekordjagd
Abstrakte Darstellung des Nikkei 225-Index mit einem Abwärtstrend, überlagert mit angedeuteten geopolitischen Spannungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Raketenangriffe zwischen den USA und dem Iran am Wochenende haben dem Nikkei 225 am Montag einen heftigen Rückschlag versetzt. Der japanische Leitindex fiel um 1,92 Prozent und schloss bei 67.242,73 Punkten. Damit ist ein Großteil der Gewinne aus der Tech-Rallye der Vorwoche wieder verloren.

Der Auslöser liegt außerhalb Japans, wirkt aber direkt auf die heimische Wirtschaft. Berichte über Störungen in der Straße von Hormus trieben die Ölpreise nach oben. Für Japans energieabhängige Industrie- und Technologiewerte ist das Gift.

Vom Hoch zum Ausverkauf

Der Handelstag begann noch mit Optimismus. Der Index startete bei 68.410,63 Punkten und kletterte im frühen Handel bis auf 69.078,21 Zähler. Die Erholung hielt nicht lange.

Mit den Nachrichten aus dem Nahen Osten kippte die Stimmung abrupt. Der Ölpreis-Schock löste eine breite Verkaufswelle aus, die den Index bis auf 66.653,11 Punkte drückte. Erst gegen Nachmittag fingen Käufe im Finanzsektor den Kurs etwas ab.

Die Marktbreite zeigte das ganze Ausmaß der Nervosität. 21 der 33 Sektoren an der Tokioter Börse schlossen im Minus, das Handelsvolumen lag deutlich über dem 30-Tage-Durchschnitt. Die Unruhe blieb nicht auf Japan beschränkt: Der südkoreanische Kospi brach im selben Zeitraum um 8 Prozent ein und verstärkte die Verkaufsdynamik in ganz Asien.

Robotik und Chips unter Druck, Banken gefragt

Die Verlierer kamen vor allem aus energiesensiblen Industrie- und Technologiewerten. Yaskawa Electric führte die Abwärtsbewegung an und stürzte um 14,2 Prozent ab. Steigende Energiekosten und Sorgen um Lieferketten trafen den Robotik-Konzern besonders hart.

Auch Halbleiterwerte litten unter der Krisenstimmung. Advantest verlor 5,47 Prozent, Taiyo Yuden gab 4,8 Prozent ab. Anleger tauschten die zuletzt gefragte "KI-Prämie" gegen Bargeld. Schwergewicht Fast Retailing zog den Index mit einem Minus von 2,1 Prozent zusätzlich nach unten.

Nicht alle Werte folgten dem Abwärtstrend. SUMCO Corp legte um 7,9 Prozent zu, getragen von einer spezifischen Nachfrage im eigenen Sektor. Banken erwiesen sich als Fels in der Brandung: Mitsubishi UFJ Financial gewann 2,4 Prozent, Sumitomo Mitsui Financial 2,1 Prozent. Anhaltende Erwartungen an weitere Zinserhöhungen stützten die Institute. SoftBank Group profitierte von seinem breit gestreuten globalen Portfolio und legte um 2,0 Prozent zu.

Charttechnik: Wichtige Marken gefallen

An einem einzigen Handelstag durchbrach der Nikkei 225 mehrere kritische Unterstützungen. Die psychologisch wichtige 68.000-Punkte-Marke fiel, aktuell testet der Index die Zone um 67.000 Zähler. Der Index notiert weiterhin über seinem 200-Tage-Durchschnitt bei 56.066,43 Punkten und damit fast 20 Prozent darüber.

Der Relative-Stärke-Index korrigierte scharf aus überkauftem Terrain. Das signalisiert eine schnelle Wende im Marktmomentum. Dass der Index die 69.000er-Marke nicht halten konnte, deutet darauf hin, dass die 70.000-Punkte-Zone als Widerstand bestehen bleibt.

Die Handelsdaten sprechen für Gewinnmitnahmen institutioneller Anleger, besonders im morgendlichen Ausverkauf. Trader beobachten nun die 66.800-Punkte-Marke als möglichen Boden der aktuellen Korrektur. Ein Bruch dieser Linie könnte den Index in Richtung der Zone zwischen 65.000 und 65.800 Punkten schicken.

Trotz des Rückschlags bleibt der langfristige Trend intakt. Der Nikkei steht seit Jahresbeginn immer noch 31,45 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit einem Plus von 70,41 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 66.201,69 Punkten – nur 1,57 Prozent unter dem aktuellen Stand. Das deutet darauf hin, dass die mittelfristige Aufwärtsbewegung trotz des Schocks noch nicht gebrochen ist.

Blick auf die kommenden Sitzungen

Mit Handelsschluss in Tokio richtet sich der Blick nun auf Europa und die USA. Entscheidend wird, ob sich die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis hält. Der Yen legte leicht auf 161,70 zum Dollar zu – ein kleiner Gegenwind für japanische Exporteure, aber potenziell eine Entlastung bei den Importkosten, sollte die Währung stabil bleiben.

Die nächste Handelssitzung hängt stark von den Entwicklungen im Nahen Osten und der Volatilität beim Brent-Öl ab. Zusätzlich beginnt an der Wall Street die Berichtssaison für das Quartal – ein Test, ob die globale Unternehmensgesundheit dem geopolitischen Schock standhält.

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