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Nghe An: 100.000 Jobs, kaum Bewerber – Vietnams Industrie kämpft um Arbeiter

06.04.2026 - 02:30:39 | boerse-global.de

Trotz hoher ausländischer Investitionen können Fabriken in der Provinz Nghe An nur wenige Stellen besetzen. Hohe Fluktuation und niedrige Löhne führen zu einem akuten Fachkräftemangel.

Nghe An: 100.000 Jobs, kaum Bewerber – Vietnams Industrie kämpft um Arbeiter - Foto: über boerse-global.de

Trotz eines Booms ausländischer Investitionen bleiben die Fabriken in der vietnamesischen Provinz Nghe An leer. Die Unternehmen finden nicht einmal jeden zehnten der dringend benötigten Arbeiter – ein Wettlauf um Fachkräfte beginnt.

Die Zahlen sind alarmierend: Im Südost-Wirtschaftszone der Provinz werden für 2026 rund 100.000 neue Arbeitskräfte benötigt. Doch bei der ersten großen Jobmesse des Jahres im VSIP Industriepark konnten 20 Unternehmen nur etwa 4.500 der 71.000 ausgeschriebenen Stellen besetzen. Das entspricht einer Quote von unter sieben Prozent. Der Grund ist ein massiver Abwanderungstrend in besser zahlende Regionen.

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Der Teufelskreis aus Anwerbung und Fluktuation

Das Problem ist nicht nur die Anwerbung, sondern die Bindung. Ein Beispiel: Ein milliardenschweres ausländische Unternehmen stellte 2025 fast 10.000 Arbeiter ein. Doch zwei Drittel von ihnen verließen die Firma innerhalb des ersten Jahres. Dieser ständige Wechsel treibt die Kosten in die Höhe und gefährdet die Produktionsstabilität.

„Es fehlt nicht an Menschen, sondern an Menschen, die unter den aktuellen Bedingungen langfristige Verträge eingehen wollen“, erklärt ein Manager der Wirtschaftszone. Die Unternehmen stecken in einem Teufelskreis aus Dauerrekrutierung.

Das große Geld lockt in Nord und Süd

Der Hauptgrund für die Abwanderung ist simpel: das Gehalt. In den Industriezonen von Nghe An verdienen Arbeiter maximal umgerechnet 400 bis 450 Euro im Monat. In den großen Wirtschaftszentren im Norden und Süden des Landes sind dagegen Löhne von über 1.000 Euro möglich – mehr als das Doppelte.

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Diese Kluft hat ein eigenes Ökosystem geschaffen. In sozialen Medien tauschen Arbeiter Informationen über die besten Weihnachtsboni oder Einstiegsprämien aus. Bekommt eine andere Fabrik bessere Konditionen, wechseln oft ganze Teams geschlossen den Arbeitgeber. Dieses „Job-Hopping für Boni“ ist zur Norm geworden.

Kopfprämien und Gesetzesreformen

Die Unternehmen reagieren mit immer drastischeren Maßnahmen. Sie zahlen ihren aktuellen Mitarbeitern „Kopfgeld“ von umgerechnet 20 bis 30 Euro für jeden erfolgreich angeworbenen neuen Kollegen. Einige übernehmen sogar die kompletten Reisekosten für Arbeiter, die aus anderen Provinzen zurückkehren.

Gleichzeitig verschärft das neue Beschäftigungsgesetz, das seit Januar 2026 gilt, den Druck. Es dehnt den Arbeitslosenversicherungsschutz auch auf Arbeiter mit nur einmonatigen Verträgen aus. Das zwingt die Firmen zu mehr Compliance und besserer Sozialleistung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Neue Strategien: Ausbildung und Sozialleistungen

Die Lösung soll nun von einer engeren Kooperation mit Berufsschulen und sozialen Maßnahmen kommen. Eine spezielle Jobmesse zielte gezielt auf Arbeitslose ab. Berufsschulen passen ihre Lehrpläne an die Nachfrage der Elektronik- und Automobilzulieferer an. Gefragt sind nun Schweißer, Elektriker und Automobiltechniker. Chinesisch-Kurse boomen, um Aufstiegschancen in den vielen chinesischen Fabriken zu erhöhen.

Die Provinzverwaltung erwägt radikalere Schritte. So wurde diskutiert, Berufsschülern noch vor Abschluss ihrer Ausbildung Probearbeitsverträge zu ermöglichen. Die nächsten großen Jobmessen Ende April 2026 werden zeigen, ob diese Strategien wirken.

Langfristig, so Analysten, wird der Erfolg der Industrie in Nghe An davon abhängen, ob die Lebensqualität der Arbeiter steigt. Dazu gehören nicht nur höhere Löhne, sondern auch Werkswohnungen, Betriebskindergärten und bessere Gesundheitsversorgung in den Industriezonen. Der Wettbewerb um Hände und Köpfe hat gerade erst begonnen.

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