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NextGen TV: Datenschützer warnen vor gläsernen Zuschauern

23.01.2026 - 20:51:12

Die neue Fernsehnorm ATSC 3.0 verwandelt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in eine Datenkrake. Eine Koalition aus Verbraucherschützern fordert nun die US-Regulierungsbehörde FCC auf, strenge Privatsphären-Regeln durchzusetzen, bevor Millionen Zuschauer unbemerkt überwacht werden.

Seit Jahrzehnten war der terrestrische Rundfunk ein anonymes Medium. Das ändert sich mit ATSC 3.0, auch als NextGen TV bekannt. Die Technologie ermöglicht einen Zwei-Wege-Datenfluss – ähnlich wie bei Streaming-Diensten. Sendern können so detaillierte Nutzerdaten erfassen: Was wird wann und wie lange geschaut? Welche Werbung wirkt?

Für Datenschützer ist das ein Paradigmenbruch. „Es gab nie die Erwartung, dass das Ansehen der Tagesschau eine derartige Überwachung nach sich zieht“, argumentiert die Koalition um Public Knowledge und EPIC. Während Kabel- und Satellitenanbieter bereits Datenschutzregeln unterliegen, fehlen solche Vorgaben für NextGen TV völlig. Eine gefährliche Lücke, die Millionen Verbraucher schutzlos zurücklässt.

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Das lukrative Geschäft mit dem Zuschauerprofil

Im Zentrum der Kritik steht das Geschäftsmodell des zielgerichteten Werbens. Die gesammelten Daten ermöglichen detaillierte Profile über Interessen, Demografie und Gewohnheiten. Für Werbetreibende ist das äußerst wertvoll – sie können personalisierte Spots mit neuer Präzision platzieren.

Die Branche sieht darin eine Chance, im Wettbewerb mit Digitalgiganten wie Google und Meta zu bestehen. Doch Datenschützer kontern: Der kommerzielle Vorteil darf nicht auf Kosten der Privatsphäre gehen. Vor allem nicht, wenn dafür öffentliche Frequenzen genutzt werden. Die entscheidende Frage lautet: Was weiß der Sender über mich – und wer kauft diese Daten?

Versteckte Fallstricke: DRM und Zugangsbarrieren

Die Bedenken gehen über reine Datensammlung hinaus. Die Koalition warnt auch vor der Integration von Digital Rights Management (DRM). Diese Technologie kann kontrollieren, wie Inhalte genutzt und geteilt werden. Kritiker befürchten, dass der „kostenlose“ Charakter des frei empfangbaren Fernsehens ausgehöhlt wird. Könnten Verbraucher in Zukunft an bestimmte Geräte gebunden oder die Nutzung eigener Aufnahmegeräte eingeschränkt werden?

Besonders betroffen wären ohnehin benachteiligte Gruppen, wie Verbraucher in ländlichen oder indigenen Gebieten. Sie könnten zusätzliche Hürden beim Zugang zur neuen Technologie erfahren. Die Debatte um Verschlüsselung spaltet die Branche: Sender argumentieren mit notwendigem Piraterieschutz, Verbraucherschützer sehen das Grundrecht auf freien Empfang in Gefahr.

Wettlauf gegen die Zeit: Braucht es neue Gesetze?

Der Ruf nach Regulierung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Einführung von NextGen TV verläuft schleppender als geplant. Gleichzeitig wehrt sich die Geräteindustrie gegen eine verpflichtende Integration der neuen Tuner in alle Fernseher – sie fürchtet höhere Kosten für Nutzer, die gar keine Antenne verwenden.

Die Entscheidung der FCC wird richtungsweisend sein. Sie bestimmt nicht nur die Zukunft des Fernsehens, sondern setzt auch einen Präzedenzfall für die Regulierung vernetzter Technologien. Die zentrale Herausforderung bleibt: Wie lassen sich die Vorteile des technischen Fortschritts nutzen, ohne die Privatsphäre der Zuschauer zu opfern? Die Antwort darauf wird das Fernsehen der nächsten Generation prägen.

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