New-Delhi-Erklärung: 89 Länder fordern „KI für alle“
24.02.2026 - 20:39:19 | boerse-global.deEine neue Allianz aus 89 Staaten stellt sich gegen die KI-Dominanz des Westens. Die „New-Delhi-Erklärung“ fordert eine gerechtere Verteilung von Technologie und Einfluss – genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich die USA und die EU regulatorisch immer weiter voneinander entfernen.
Dritte Kraft im globalen KI-Wettstreit
Die am 23. Februar 2026 vorgestellte Erklärung „KI für alle“ markiert einen strategischen Schulterschluss. Angeführt von Indien vereint sie vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer. Ihr Ziel: Sie wollen verhindern, dass die Regeln für Künstliche Intelligenz künftig nur von den etablierten Wirtschaftsmächten in Washington und Brüssel diktiert werden. Die Unterzeichner fordern einen inklusiveren globalen Rahmen, der fairen Zugang zu KI-Technologie, gemeinsame Forschung und ethische Leitlinien in den Vordergrund stellt.
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Dieser vorstoß kommt nicht von ungefähr. Mehrere UN-Berichte hatten zuvor kritisiert, dass viele Länder des globalen Südens von Schlüsselgesprächen zur KI-Governance ausgeschlossen blieben. Die New-Delhi-Initiative ist ein Versuch, diesem „Governance-Gap“ etwas entgegenzusetzen und eine mächtige gemeinsame Stimme zu formen. Konkret sollen Infrastrukturprojekte, gemeinsame Forschungslabore und Schulungsprogramme für aufstrebende Volkswirtschaften gefördert werden.
USA setzen auf Deregulierung und Bundesmacht
Während in New Delhi Kooperation beschworen wird, verfolgen die USA unter Präsident Trump einen kompromisslosen „Innovation-first“-Kurs. Ein am 11. Dezember 2025 unterzeichneter Erlass zielt darauf ab, bundesweit ein „minimal belastendes“ KI-Regulierungsumfeld zu schaffen. Die Strategie ist klar: Die USA wollen ihren technologischen Vorsprung im globalen KI-Rennen verteidigen und nicht durch eigene Regeln ausbremsen.
Ein zentrales Instrument ist dabei eine neu geschaffene „KI-Litigation-Task-Force“ im Justizministerium. Ihre Aufgabe ist es, bundesstaatliche KI-Gesetze wie den umstrittenen Colorado AI Act juristisch anzufechten. Die Begründung: Solche Regelungen würden Innovation ersticken und den Handel zwischen den Bundesstaaten unrechtmäßig beschränken. Zudem plant die Regierung, Bundesmittel – etwa aus Breitbandausbauprogrammen – als Hebel einzusetzen, um Staaten von „erschwerenden“ KI-Regulierungen abzuhalten.
EU droht der „Brüssel-Effekt“ zu verpuffen
Einst als globaler Goldstandard gehandelt, steht die EU mit ihrer eigenen Pionierleistung, dem KI-Gesetz (AI Act), nun vor einer Zerreissprobe. Der wirtschaftliche Druck, mit den USA und China mithalten zu können, zwingt Brüssel zum Kurswechsel. Statt strikter Einhaltung der Fristen signalisiert die EU-Kommission nun Flexibilität.
Vorschläge aus dem „Digital-Omnibus“-Paket sehen vor, die Fristen für die Zertifizierung hochriskanter KI-Systeme zu verschieben – möglicherweise von 2026 auf Ende 2027 oder später. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen so entlastet werden. Diese Anpassung zeigt das neue Spannungsfeld in der EU: Wie lassen sich der grundrechteorientierte Regulierungsanspruch und die strategische Notwendigkeit, eine wettbewerbsfähige eigene KI-Industrie aufzubauen, vereinbaren?
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Fragmentierung statt globalem Standard
Die New-Delhi-Erklärung etabliert damit eine dritte Säule im globalen KI-Governance-Dreieck. Während die EU auf ein umfassendes, risikobasiertes Gesetz setzt und die USA auf Deregulierung und Marktkräfte vertrauen, plädiert die neue Allianz für Kooperation und Entwicklungshilfe. Für internationale Konzerne wird die Lage dadurch unübersichtlicher. Sie müssen sich künftig auf einen Flickenteppich unterschiedlichster Regeln einstellen – von den strengen Vorgaben der EU bis zum amerikanischen Patchwork aus Bundes- und Staatsgesetzen.
Die Wirkung der Erklärung wird sich daran messen lassen, ob aus den Prinzipien Taten folgen. Im Gegensatz zum verbindlichen EU-Recht oder dem exekutiven US-Erlass ist sie zunächst nur eine Absichtserklärung. Entscheidend wird sein, ob konkrete Programme für Technologietransfer und internationale Sicherheitsstandards etabliert werden können. Eines ist schon jetzt klar: Ein einheitlicher globaler KI-Standard rückt in weite Ferne. Die Zukunft der Regulierung wird vom Wettstreit dieser drei Blöcke geprägt sein.
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