Neulichterfelde: Verträge für 2.500 Berliner Wohnungen besiegelt
14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deDie Projektpartner haben die zentralen Verträge für das Großprojekt Neulichterfelde in Berlin-Lichterfelde unterzeichnet. Damit ist der Weg frei für den Bau von rund 2.500 neuen Wohnungen. Die landeseigene degewo und der private Entwickler Wöhr + Bauer steigen als neue Hauptakteure ein.
Die bisherige Alleineigentümerin Groth Gruppe verkauft signifikante Teile des 97 Hektar großen Areals im Süden Berlins. Der Vertragsabschluss schafft die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um in den kommenden Jahren neuen Wohnraum für mehr als 5.000 Menschen zu schaffen. In der angespannten Hauptstadt ist das ein wichtiges Signal.
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Wer baut was? Die neue Arbeitsteilung
Die Aufgaben sind klar verteilt: Die degewo errichtet über 1.000 Mietwohnungen für den eigenen Bestand. Mehr als die Hälfte davon werden geförderte Sozialwohnungen mit Preisbindung sein. Das soll dem akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenwirken.
Gemeinsam mit Wöhr + Bauer hat die degewo ein Joint Venture gegründet. Dieses ist für mehr als 850 freifinanzierte Wohnungen, ein Quartierszentrum und die komplette Erschließung der 36 Hektar großen Baufläche verantwortlich. Die Groth Gruppe zieht sich nicht komplett zurück: Sie entwickelt etwa 420 Reihenhäuser in Eigenregie.
Zum Gesamtkonzept gehören auch soziale Infrastruktur wie drei Kitas, eine Grundschule mit Sportanlagen sowie Gewerbeflächen. Alles entsteht in direkter Nähe zum S-Bahnhof Lichterfelde Süd.
Artenschutz-Konflikt gelöst: Ameisen ziehen um
Ein wesentlicher Streitpunkt ist vom Tisch. Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz „Parks Range“ gelten strenge naturschutzrechtliche Vorgaben. Von der Gesamtfläche bleiben 61 Hektar dauerhaft unbebaut – sie werden als „Lichterfelder Weidelandschaft“ gesichert.
Noch im Herbst drohte ein artenschutzrechtlicher Konflikt den Zeitplan zu gefährden. Auf dem Baufeld wurden Nester der streng geschützten Kahlrückigen Waldameise entdeckt. Der Investor fürchtete Verzögerungen.
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Doch der zuständige Umweltstadtrat Urban Aykal gibt nun Entwarnung: Die Insekten werden im Frühjahr fachgerecht in die benachbarte Weidelandschaft umgesiedelt. Die letzten großen Hürden für den Baustart sind damit ausgeräumt.
Warum dieser Deal ein Signal für den ganzen Markt ist
Der Einstieg einer landeseigenen Gesellschaft in ein solches Großprojekt ist bemerkenswert. Wolfgang Roeck, Geschäftsführer bei Wöhr + Bauer, erklärt warum: Hohe Zinsen und gestiegene Eigenkapitalanforderungen bremsen die Neubautätigkeit bundesweit aus. Unter diesen Bedingungen seien Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft unabdingbar.
Auch die Politik begrüßt den Deal. Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler sieht in der Kooperation einen Garanten für bezahlbaren Wohnraum in allen Stadtteilen. Das Projekt ist Teil des Senatsziels, in dieser Legislaturperiode 80.000 neue Wohnungen zu schaffen.
Christoph Beck von der degewo unterstreicht den kommunalen Auftrag: Durch den strategischen Ankauf großer Mietwohnungskontingente soll dämpfend auf das Mietpreisniveau im Berliner Südwesten eingewirkt werden.
Vom Truppenübungsplatz zur Großbaustelle: Ein langer Weg
Die Realisierung beendet eine über ein Jahrzehnt andauernde, oft kontroverse Planungsphase. Seit dem Erwerb des Grundstücks durch die Groth Gruppe im Jahr 2012 wurde über die Versiegelung von Naturflächen und das soziale Gleichgewicht im Quartier gestritten.
Der offizielles Bebauungsplan wurde 2024 beschlossen. Der nun erfolgte Teilverkauf an die degewo spiegelt einen breiteren Trend wider: Private Bauträger können Mega-Projekte mit mehreren hundert Millionen Euro Volumen oft nicht mehr allein stemmen. Kommunale Akteure treten verstärkt als Käufer oder Partner auf.
Diese hybride Konstruktion sichert öffentliche Ziele wie den Bau von Schulen, während privates Kapital für gewerbliche Flächen und freifinanzierte Wohnungen mobilisiert wird.
Wann rollen die Bagger? Der konkrete Zeitplan
Mit den unterschriebenen Verträgen konzentrieren sich alle Beteiligten auf die bauliche Umsetzung zwischen 2026 und 2035. In den kommenden Monaten dominieren schwere Erschließungsarbeiten. Das Joint Venture stellt die unterirdische Infrastruktur für das große Baufeld her.
Zuerst entstehen die Bauabschnitte rund um den S-Bahnhof Lichterfelde Süd. Hier wachsen voraussichtlich zuerst die kommunalen Mietwohnungen in die Höhe. Danach folgt die Entwicklung des zentralen Stadtplatzes mit gemischt genutzten Gebäuden.
Der Bau der neuen Grundschule mit Sportanlagen durch das Land Berlin ist für eine spätere Projekt phase geplant. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die ersten Mieter frühestens gegen Ende dieses Jahrzehnts einziehen können. Bis zur vollständigen Fertigstellung Mitte der 2030er Jahre bleibt das Areal eine der größten Baustellen der Hauptstadt.
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