Wehrdienst, Kampf

Neuer Wehrdienst startet Kampf um junge Talente

18.01.2026 - 15:14:12

Die Bundeswehr startet die Rekrutierung junger Erwachsener und setzt mit attraktiven Gehältern neue Maßstäbe, was Personalabteilungen zu sofortigen Anpassungen ihrer Strategien zwingt.

Die Bundeswehr wird mit dem neuen Wehrdienst zum schärfsten Konkurrenten für Ausbildungsbetriebe. Personalabteilungen müssen ihre Strategien sofort überdenfen.

Am Donnerstag begann die praktische Umsetzung des zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Gesetzes. Mit dem Versand der ersten 5.000 Fragebögen an junge Erwachsene des Jahrgangs 2008 startete der Wettbewerb um die nächste Generation. Für Personalverantwortliche ist die theoretische Debatte damit vorbei – die operative Herausforderung beginnt.

Die „Fragebogen-Ära“ beginnt

Systematisch kontaktiert die Bundeswehr nun die „Generation 2008“. Über einen QR-Code im Anschreiben gelangen die Jugendlichen zu einem digitalen Fragebogen. Für junge Männer ist die Teilnahme verpflichtend, bei Nichtbefolgung drohen Bußgelder. Junge Frauen werden freiwillig eingeladen.

Das Volumen ist gewaltig: Rund 700.000 junge Erwachsene will die Bundeswehr jährlich erreichen. Der Fragebogen dient als Vorauswahl für die ab Mitte 2027 wiederaufgenommenen Musterungen. Er erfasst Fitness, Bildungsstand und Motivation.

Die unmittelbare Botschaft an Arbeitgeber ist klar: Die Bundeswehr positioniert sich nicht nur als patriotische Pflicht, sondern als attraktiver Konkurrent. Freiwillig Dienstleistende erhalten eine Vergütung auf Zeitsoldaten-Niveau – laut Berichten zwischen 2.300 und 2.700 Euro. Damit liegt das Gehalt deutlich über vielen Azubi-Vergütungen und schafft einen direkten finanziellen Anreiz für Schulabgänger.

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Personalplanung mit neuer Unwägbarkeit

Die Wiedereinführung dieser Erfassung bringt eine Unsicherheit in die Personalplanung, die seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 kaum bekannt war. Wirtschaftsinstitute wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnen vor „dienstbedingten Ausfällen“ in langfristigen Strategien.

Ein Hauptproblem für Unternehmen: die mögliche Störung von Ausbildungsbeginnen. Bei Dienstzeiten zwischen sechs und 23 Monaten könnten junge Talente später in den zivilen Arbeitsmarkt einsteigen. Personalexperten raten zu flexibleren Startterminen für Ausbildungsplätze.

Die Auswirkungen gehen über die Erstgewinnung hinaus. Der neue Wehrdienst zielt auf eine Reserve von 200.000 Personen ab. Das betrifft auch etablierte Mitarbeiter. Firmen müssen sich auf häufigere Kurzabwesenheiten für Reservistenübungen einstellen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Selbst in Friedenszeiten dürften die Trainingsmanöver zunehmen.

Bundeswehr als „Super-Konkurrent“ im Talentkampf

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2035 soll die Truppenstärke auf 260.000 steigen. Die Rekrutierungsstrategie ähnelt dabei modernem Headhunting. Der Fragebogen fragt gezielt nach technischen Fähigkeiten und Interessen. So kann die Bundeswehr junge Menschen ansprechen, die sonst direkt eine IT-, Ingenieurs- oder Logistikausbildung begonnen hätten.

Mit finanzierten Führerscheinen, technischen Zertifikaten und Studienpunkten inszeniert sich die Truppe als „Gap Year mit Mehrwert“, das die spätere Marktfähigkeit steigert. Branchenverbände reagieren gespalten. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) betont, dass Militär und Privatwirtschaft aus demselben schrumpfenden Demografie-Pool schöpfen. Der „War for Talent“ wird zum wortwörtlichen Wettstreit.

Drei Sofortmaßnahmen für Personalabteilungen

Angesichts dieser Entwicklung empfehlen Experten drei konkrete Anpassungen:

  1. Flexible Einstiege: Ausbildungsprogramme sollten „rollierende Aufnahmen“ oder verschobene Starttermine anbieten, um Kandidaten nach Dienstende im Frühjahr oder Herbst aufzunehmen – nicht nur zum 1. September.
  2. Reservisten-Policy: Unternehmen müssen ihre Richtlinien für Reservistentraining überprüfen. Die Unterstützung dienender Mitarbeiter kann Teil der gesellschaftlichen Verantwortung sein, erfordert aber klare Absprachen zu Vertretung und Planung.
  3. Konter-Angebote: Um mit den neuen Gehaltsbenchmarks der Bundeswehr mitzuhalten, müssen Einstiegsvergütungen und Benefits für Azubis überprüft werden. Langfristige Karrierestabilität und Aufstiegschancen bleiben dabei das Hauptargument der Privatwirtschaft.

Was kommt nach dem Fragebogen?

Der aktuelle Versand ist nur der erste Schritt. Die 2026 gesammelten Daten werden die Auswahl für die Musterungen ab 2027 bestimmen. Sollten die Freiwilligen-Ziele verfehlt werden, bleibt der politische Diskurs über eine umfassendere Dienstpflicht offen.

Fakt ist: Der neue Wehrdienst ist Realität. Der Fragebogen im Briefkasten eines 18-Jährigen ist kein bloßer Amtsschrieb. Es ist das Anschreiben eines der größten und entschlossensten Arbeitgeber des Landes.

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