Leitlinie, Schmerzen

Neue Leitlinie soll Kindern mit chronischen Schmerzen helfen

24.03.2026 - 17:01:01 | boerse-global.de

Während eine neue Leitlinie die Schmerztherapie für Kinder standardisiert, warnen Experten vor gravierenden Versorgungsdefiziten für Millionen erwachsener Patienten in Deutschland.

Neue Leitlinie soll Kindern mit chronischen Schmerzen helfen - Foto: über boerse-global.de
Neue Leitlinie soll Kindern mit chronischen Schmerzen helfen - Foto: über boerse-global.de

Die Universität Witten/Herdecke veröffentlicht heute eine neue Leitlinie für die Schmerztherapie bei Kindern. Gleichzeitig warnen Experten auf den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen vor gravierenden Versorgungsdefiziten für Millionen erwachsener Patienten.

Ein Meilenstein für junge Patienten

Die neue S3-Leitlinie definiert erstmals bundesweite Standards für die stationäre, interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) bei Kindern und Jugendlichen. Etwa 500.000 junge Menschen zwischen 8 und 17 Jahren leiden in Deutschland an chronischen Schmerzen. Unbehandelt können diese bis ins Erwachsenenalter andauern.

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Unter Leitung der Deutschen Schmerzgesellschaft erarbeiteten zwölf Fachgesellschaften und Patientenorganisationen die Richtlinie. Sie empfiehlt die stationäre IMST als effektivste Methode bei schweren Verläufen. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und die Rückkehr in Schule und Alltag zu ermöglichen. Die Behandlung soll in spezialisierten Kinderkliniken durch pädiatrisch geschulte Teams erfolgen.

Versorgungskrise für Erwachsene droht

Während für Kinder Fortschritte erzielt werden, spitzt sich die Lage für Erwachsene zu. Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland haben chronische Schmerzen, vier Millionen davon in schwerer Form. Auf den Schmerztagen in Frankfurt warnte die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) vor einer "nicht länger tragbaren Unterversorgung".

Der Hauptkritikpunkt: die aktuelle Krankenhausstrukturreform. Die Schmerzmedizin droht darin als eigenständige Leistungsgruppe übergangen zu werden. Die DGS befürchtet, dass bis zu 40 Prozent der stationären Therapieangebote schließen könnten. Für Patienten wäre das katastrophal.

Forderung nach eigenem Facharzt

Angesichts der Krise bekräftigt die DGS ihre zentrale Forderung: die Einführung eines eigenständigen Facharztes für Schmerzmedizin. Die bisherige Zusatzweiterbildung reiche bei der Komplexität der Erkrankung nicht mehr aus. Chronischer Schmerz gilt heute als eigenständiges, biopsychosoziales Krankheitsbild.

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Die bewährteste Behandlungsform ist die interdisziplinäre multimodale Therapie. Sie kombiniert ärztliche, psychologische und physiotherapeutische Ansätze strukturiert. Doch genau diese Versorgung steht jetzt auf der Kippe. Experten betonen: Nur im Zusammenspiel der Disziplinen kann eine nachhaltige Behandlung gelingen.

Frühe Intervention ist entscheidend

Eine Neubewertung beschleunigt den Handlungsdruck: Seit der WHO-Klassifikation ICD-11 gilt Schmerz bereits nach drei Monaten als chronisch. Diese frühe Chronifizierung zu erkennen und zu behandeln, ist entscheidend. Je später therapiert wird, desto stärker prägt sich das sogenannte "Schmerzgedächis" aus.

Kliniken setzen daher auf moderne Therapieansätze und praxisnahe Alltagsstrategien. Ein Hoffnungsschimmer sind auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Apps zur Schmerzunterstützung können bereits jetzt elektronisch verordnet werden – sofern die Praxissoftware mitspielt. Der verpflichtende Start der eVerordnung wurde jedoch verschoben.

Die ökonomische Belastung ist enorm. In Europa leiden mehr Menschen an chronischen Schmerzen als an Diabetes. Die neue Leitlinie für Kinder ist ein wichtiger Schritt. Für die Versorgung der erwachsenen Bevölkerung braucht es jedoch dringend politische Korrekturen. Sonst droht eine flächendeckende Unterversorgung.

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