Netflix, Medienaufsicht

Netflix & Co. unter britischer Medienaufsicht

24.02.2026 - 17:19:12 | boerse-global.de

Großbritannien unterwirft große Streaming-Plattformen erstmals der Medienaufsicht Ofcom. Neue Pflichten für Barrierefreiheit und ein Verhaltenskodex gelten, Verstöße können mit hohen Strafen geahndet werden.

Streaming-Giganten wie Netflix und Disney+ müssen sich künftig strengen britischen Regeln unterwerfen. Die Regierung schließt eine regulatorische Lücke und stellt Video-on-Demand-Dienste mit traditionellem Fernsehen gleich.

Neue Ära für Streaming-Regulierung

Die britische Regierung hat heute den Weg für eine historische Zähmung der globalen Streaming-Branche freigemacht. Mit neuen Gesetzesbestimmungen werden große Video-on-Demand-Dienste (VoD) mit mehr als 500.000 Nutzern im Land erstmals der Kontrolle durch die Medienaufsicht Ofcom unterstellt. Bisher entgingen Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime Video aufgrund ihrer internationalen Struktur oft strengeren lokalen Vorschriften. Das soll sich nun ändern.

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„Diese Maßnahme stellt Fairness im Wettbewerb her und schützt die Zuschauer“, so die offizielle Begründung. Konkret bedeutet das: Die Anbieter müssen sich an einen neuen Verhaltenskodex für Video-on-Demand halten, der sich eng an die Regeln für Sender wie die BBC anlehnt. Der Schutz vor schädlichen Inhalten und Standards für die Genauigkeit von Nachrichten werden damit Pflicht.

Barrierefreiheit wird zur Pflicht

Ein zentraler Punkt der Reform ist die verbindliche Verbesserung der Zugänglichkeit. Ein neuer Barrierefreiheitskodex schreibt den Streaming-Diensten konkrete Quoten vor:
* Mindestens 80 % des gesamten Katalogangebots müssen untertitelt sein.
* 10 % der Inhalte benötigen eine Audiodeskription für sehbehinderte Menschen.
* 5 % sollen in Gebärdensprache verfügbar sein.

Diese Vorgaben sollen Millionen Menschen mit Hör- oder Seheinschränkungen zugutekommen. Bisher war die Barrierefreiheit bei vielen Streaming-Diensten ein freiwilliges Feld. Die Anbieter haben nun vier Jahre Zeit, die Ziele vollständig zu erreichen, müssen aber bereits nach zwei Jahren erste Zwischenetappen nachweisen.

Ofcom erhält scharfe Zähne

Die Aufsichtsbehörde Ofcom wird mit der neuen Gesetzgebung deutlich mächtiger. Zuschauer können sich künftig direkt bei der Behörde über Inhalte auf Netflix & Co. beschweren – ein Recht, das bisher nur für lineares Fernsehen galt. Verdacht die Ofcom einen Verstoß, kann sie Untersuchungen einleiten.

Die möglichen Strafen sind empfindlich: Bis zu 250.000 Pfund (rund 290.000 Euro) pro Verstoß oder alternativ bis zu 5 % des relevanten Unternehmensumsatzes sind möglich. Diese Sanktionsmöglichkeiten sollen sicherstellen, dass die neuen Regeln nicht nur auf dem Papier stehen.

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Reaktion auf die neue Medienrealität

Die Regulierung ist eine späte, aber logische Antwort auf den vollzogenen Wandel im Medienkonsum. Aktuelle Zahlen zeigen: Zwei Drittel der britischen Haushalte haben mindestens einen Streaming-Dienst abonniert. 85 % der Menschen nutzen monatlich Video-on-Demand, während nur noch 67 % live fernsehen. Die bisherige Gesetzgebung spiegelte diese Dominanz der digitalen Plattformen nicht wider.

„Unser Ziel ist es, den hohen Schutzstandard, den die Zuschauer vom traditionellen Fernsehen gewohnt sind, in die digitale Welt zu übertragen“, erklärt ein Regierungssprecher. Damit wird der regulatorische Druck auf internationale Tech-Konzerne, sich lokalen Normen anzupassen, auch im Medienbereich deutlich erhöht.

Nächste Schritte und Ausnahmen

Nach der heutigen Vorlage startet die Ofcom eine öffentliche Konsultation zu den neuen Kodizes. Industrie und Öffentlichkeit können sich zu den Entwürfen äußern. Der Verhaltenskodex für Inhalte soll etwa ein Jahr nach seiner finalen Veröffentlichung in Kraft treten.

Vorläufig ausgenommen von der neuen Regelung bleibt der BBC iPlayer. Der öffentlich-rechtliche Streaming-Dienst wird weiter unter dem bestehenden Rahmenwerk der BBC reguliert, obwohl eine spätere Einbeziehung nicht ausgeschlossen ist. Für die globalen Streaming-Riesen hingegen beginnt nun in Großbritannien eine neue Ära der Regulierung.

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