Netanjahu soll Warnung vor Hamas-Überfall ignoriert haben
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNetanjahu habe die israelischen Sicherheitschefs jedoch nicht informiert und nichts mit diesen Informationen unternommen, berichtete die linksliberale israelische Zeitung "Haaretz".
Netanjahus Büro dementiert laut "Haaretz"
Nach Angaben des Blatts wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des 45-minütigen Telefonats informiert. Als Quelle wird ein Berater des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid genannt, der mit dem Gespräch vertraut war.
Das Büro Netanjahus dementierte den Bericht nach Angaben des Blatts als "absolute Lüge". Auf eine direkte Anfrage reagierte Netanjahus Büro zunächst nicht.
Der investigative Bericht von "Haaretz" stammt von den Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Juval, die ein Buch über die Geiseln im Gazastreifen und den Gaza-Krieg veröffentlicht haben. Es basiert den Angaben zufolge auf Interviews mit Dutzenden Quellen, darunter hochrangigen Vertretern Israels und anderer Staaten weltweit.
Warnung vor Sinwars Plänen
Laut dem Zeitungsbericht rief der emiratische Präsident Mohammed bin Sajid den israelischen Ministerpräsidenten eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 aus dem Präsidentenpalast in Abu Dhabi an und sprach 45 Minuten mit ihm. In dem Gespräch habe er Netanjahu gewarnt, dass der damalige Chef der islamistischen Terrororganisation Hamas, Jihia al-Sinwar, eine großangelegte Offensive gegen Israel plane.
Er habe auch die Sorge geäußert, dass das bevorstehende Ereignis nicht nur zu Blutvergießen führen, sondern auch die gesamte Region destabilisieren und die sogenannten Abraham-Abkommen Israels mit mehreren arabischen Staaten untergraben würde.
Netanjahu reagierte angeblich gelassen
Der emiratische Präsident drängte Netanjahu laut dem Bericht dazu, die Lage ernst zu nehmen und sich darauf vorzubereiten. Zu seiner Überraschung habe dieser jedoch "relativ gelassen" reagiert und versichert, Israel sei "auf jegliches Szenario vorbereitet". Netanjahu habe die Lage im Westjordanland für deutlich explosiver gehalten.
Brisanz vor der dramatischen Parlamentswahl in Israel
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung vor der wegweisenden Parlamentswahl in Israel im kommenden Monat ist besonders brisant. Laut Umfragen können bisher weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner auf eine Mehrheit zählen.
Sein wichtigster Rivale, Ex-Militärchef Gadi Eisenkot, schrieb als Reaktion auf den Bericht auf der Plattform X: "Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin: Netanjahu hat Israel blindlings in das Desaster vom 7. Oktober geführt."
Netanjahu habe Dutzende Warnungen ignoriert und sei nicht für das Amt des Regierungschefs geeignet, sagte der Vorsitzende der Partei Jaschar (hebräisch für "geradeaus"), die in der politischen Mitte angesiedelt ist.
