Nestle Aktie: Zwischen Umbau und Rückruf
23.01.2026 - 03:54:31Nestle steckt in einem heiklen Spagat: Auf der einen Seite treibt der Konzern einen milliardenschweren Verkauf seiner Wassersparte voran, auf der anderen Seite belastet ein groß angelegter Rückruf von Babynahrung das Vertrauen in die Marke. Wie sehr schiebt diese Kombination aus Portfolio-Umbau und Krisenmanagement die Aktie in eine Zwickmühle?
Heute schloss die Nestle-Aktie in den USA bei 90,84 US‑Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen liegt sie mit gut 8 % im Plus, seit Jahresbeginn aber noch im Minus. Der Markt preist damit sowohl die Chancen aus der Neuausrichtung als auch die Risiken aus der Babynahrungskrise ein.
Milliardendeal mit der Wassersparte
Nestle hat offiziell den Verkaufsprozess für eine Beteiligung an seinem internationalen Wassergeschäft gestartet. In diesem Segment bündelt der Konzern bekannte Premium-Marken wie Perrier und S.Pellegrino. Das Geschäft wird mit rund 5 Milliarden Euro bewertet und soll teilweise an Finanzinvestoren gehen.
Die Eckdaten des geplanten Deals:
- Bewertung: rund 5 Milliarden Euro (ca. 5,8 Milliarden US‑Dollar)
- Berater: Rothschild & Co. führt den Verkaufsprozess
- Finanzierung: Banken bereiten 2–3 Milliarden Euro an Akquisitionskrediten vor
- Ertragskraft: etwa 500 Millionen Euro EBITDA pro Jahr
- Interessenten: u. a. PAI Partners, Blackstone, KKR, Bain Capital, Clayton Dubilier & Rice
Das geplante Schuldenpaket entspricht dem Vier- bis Sechsfachen des EBITDA der Sparte. Für den europäischen Konsumgütersektor wäre dies einer der größten Carve-outs der vergangenen Jahre. Nestle hat potenzielle Bieter aufgefordert, bis Ende Januar erste Angebote vorzulegen – der Prozess nimmt damit klar an Fahrt auf.
Strategisch folgt der Verkauf der Linie des neuen Managements: Kapital soll aus margenschwächeren oder weniger wachstumsstarken Bereichen in profitablere Segmente umgeleitet werden. Die Wassersparte liefert zwar stabile Gewinne, bindet aber viel Kapital, das sich in anderen Sparten möglicherweise höher verzinsen ließe.
Babynahrungskrise als Belastungsfaktor
Parallel zur Vorbereitung des Wasserdeals kämpft Nestle mit den Folgen eines umfangreichen Rückrufs von Säuglingsnahrung. Die Rückrufaktion hat inzwischen mehr als 60 Länder erfasst und betrifft mehrere bekannte Marken, darunter:
- SMA
- Beba
- Guigoz
- Alfamino
Auslöser ist eine Kontamination mit dem Toxin Cereulide. Die Verunreinigung wurde auf einen chinesischen Zulieferer von ARA-Öl (Arachidonsäure) zurückgeführt, einen Spezialinhaltsstoff, der insbesondere in Premium-Babynahrung eingesetzt wird. Das Problem betrifft nicht nur Nestle: Auch Wettbewerber wie Danone und Lactalis mussten Produkte aus ähnlichen Gründen zurückrufen.
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Kritik an Krisenkommunikation
CEO Philipp Navratil entschuldigte sich in einer Videobotschaft öffentlich für den Vorfall. Verbraucherschützer halten die Reaktion allerdings für zu spät und zu intransparent. Eine Untersuchung von foodwatch Niederlande kommt zu dem Schluss, dass Nestle bereits Anfang Dezember 2025 über die Kontamination informiert gewesen sei. Die ersten öffentlichen Rückrufe erfolgten jedoch erst Anfang Januar 2026.
Damit steht weniger die technische Ursache der Verunreinigung als vielmehr der Umgang mit der Krise im Mittelpunkt. Für einen Konzern, dessen Geschäft stark auf Markenvertrauen und Qualität fußt, ist das heikel. Reputationsrisiken können sich im Babynahrungssegment schneller und nachhaltiger auswirken als in vielen anderen Produktkategorien.
Neuer CEO, klarerer Fokus
Der Umbau fällt in die Amtszeit des neuen CEO Philipp Navratil, der im September 2025 die Führung übernommen hat. Mit dem Verkauf der Wassersparte setzt er ein sichtbares Signal für eine fokussiertere Portfoliostrategie. Die Erlöse aus einem möglichen Deal könnten gezielt in wachstumsstärkere und margenstärkere Bereiche gelenkt werden.
Aus Marktsicht prallen aktuell zwei Kräfte aufeinander:
- Positiv:
- Potenzieller Milliarden-Zufluss aus dem Wassergeschäft
- Fokussierung des Portfolios unter neuem Management
- Negativ:
- Breiter Babynahrungsrückruf in über 60 Ländern
- Kritik an Transparenz und Krisenkommunikation
Charttechnisch spiegelt sich diese Gemengelage in einem eher abwartenden Bild wider. Der aktuelle Kurs von 90,84 US‑Dollar liegt nur knapp über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 89,83 US‑Dollar und rund 8,8 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 99,64 US‑Dollar. Mit einem RSI von 51,3 ist die Aktie weder überkauft noch überverkauft, was zu dem Eindruck passt, dass der Markt derzeit noch auf Klarheit über die weiteren Schritte wartet.
Fazit: Chance und Risiko dicht beieinander
Nestle steht vor einem wichtigen Jahr: Gelingt der Carve-out der Wassersparte zu den gewünschten Konditionen, könnte der Konzern seine Kapitalallokation sichtbar schärfen. Gleichzeitig muss das Management zeigen, dass es die Babynahrungskrise nicht nur technisch, sondern auch kommunikativ sauber aufarbeitet. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, ob der Spagat zwischen konsequenter Portfolio-Optimierung und Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher nachhaltig gelingt.
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