Nel ASA Aktie: 224% Auftragsplus, EBITDA fällt auf minus 155 Millionen
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 10:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nel ASA meldet für das zweite Quartal 2026 eine auffällige Diskrepanz. Die Auftragseingänge explodieren, die Verluste wachsen trotzdem. Für den norwegischen Wasserstoff-Spezialisten ist das ein Muster, das Anleger derzeit ratlos zurücklässt.
Die Aktie schloss am Freitag bei 0,1968 Euro, ein Minus von 2,09 Prozent. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Plus von 2,18 Prozent stehen. Der breitere Trend zeigt allerdings deutlich nach unten: Binnen 30 Tagen verlor das Papier 7,17 Prozent.
Aufträge steigen um 224 Prozent, Umsatz sinkt
Der Auftragseingang von Nel kletterte im zweiten Quartal auf 230 Millionen Norwegische Kronen. Im Vorjahresquartal waren es lediglich 71 Millionen – ein Anstieg um 224 Prozent. Auf den ersten Blick ein starkes Signal für die Nachfrage nach Wasserstoff-Technologie.
Der tatsächliche Umsatz aus Kundenverträgen bewegt sich jedoch in die andere Richtung. Er fiel auf 153 Millionen Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber den 174 Millionen im Vorjahr. Auftragseingang und Umsatzrealisierung laufen damit deutlich auseinander.
Noch deutlicher zeigt sich das Problem beim operativen Ergebnis. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen, nach minus 86 Millionen im Vorjahresquartal. Ein Einmalkosten-Posten von 70 Millionen Kronen aus einer Vergleichsvereinbarung mit der Iwatani Corporation of America belastete das Ergebnis zusätzlich.
Charttechnik zeigt anhaltenden Abwärtsdruck
Die technischen Indikatoren bestätigen die schwache Stimmung. Der aktuelle Kurs liegt 8,34 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2147 Euro – ein klassisches Warnsignal für eine langfristige Abwärtsphase. Der RSI steht bei 36,5 und signalisiert Verkaufsdruck, ohne bereits als überverkauft zu gelten.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei knapp 42 Prozent. Das zeigt, wie sensibel Wasserstoff-Werte derzeit auf Zinserwartungen und globale Konjunktursignale reagieren.
Führungswechsel und Liquiditätspolster
Zwei interne Faktoren beschäftigen Investoren aktuell besonders: die Suche nach einem neuen CEO und die Kassenlage. Håkon Volldal hatte im Juni seinen Rücktritt angekündigt. Er soll das Unternehmen noch sechs Monate führen, bis ein Nachfolger feststeht.
Bei der Liquidität hat Nel Spielraum, wenn auch weniger als früher. Der Kassenbestand lag Ende des zweiten Quartals bei 1.328 Millionen Kronen, nach 1.928 Millionen ein Jahr zuvor. Der Auftragsbestand summierte sich zum Ende Juni auf 1.213 Millionen Kronen – ein Polster, das dem Unternehmen Zeit verschafft, die wachsende Order-Pipeline tatsächlich in Umsatz umzusetzen.
Am 21. Oktober 2026 legt Nel seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Dann zeigt sich, ob der Auftragsboom endlich auf die Umsatzseite durchschlägt – oder ob die Lücke zwischen Bestellungen und Erlösen weiter wächst.
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